05.10.2013

Werner Roth, der vergessene Star von New York Cosmos

Fußball, Sex, Drugs and Rock’n Roll

Seite 2/3: Die Ankunft von Pelé
Text:
Florian Maaß
Bild:
imago

1972 wechselte der Deutsch-Amerikaner zu New York Cosmos und wurde US-Nationalspieler. Anfangs waren die Bedingungen sehr unglamourös. »Bei einem Länderspiel merkte ich, dass sogar Haiti besseres Equipment hatte als wir«, sagt Roth. Und auch die Plätze waren im katastrophalen Zustand. Auf dem Heimplatzes der ehemaligen Gefängnisinsel Randalls Island lagen Scherben und größere Steine auf dem Rasen. Roth, der immer noch als Bauzeichner arbeitete, störte sich nicht daran. Als Kapitän führte er die semiprofessionelle Truppe schon in seiner ersten Saison zur US-Meisterschaft.

Dennoch blieben die Zuschauer lange aus. Es kamen kaum mehr Fans als vorher zu den German-Hungarians. Was fehlte, war ein schillernder Star, um das verwöhnte New Yorker Publikum zu überzeugen.

Als der Heilsbringer mit dem Warner-Hubschrauber einflog, »war es wie Manna vom Himmel«, sagt Roth. »Pelé war das Beste, was mir, Cosmos und dem Fußball in den USA passieren konnte.« Klubbesitzer Steve Ross ließ den Acker über Nacht grün anmalen, niemand sollte glauben, dass Cosmos es nicht mit den Superklubs in Europa oder Südamerika aufnehmen könnte.

Mit der Ankunft von Pelé begann für Roth ein Leben auf der Überholspur. Der Deutsch-Amerikaner wurde Teil einer All-Star-Truppe, die zur Weltmarke werden sollte. Endlich bekam auch Roth einen Vollprofivertrag.

Superstar Pele erwies sich als »absoluter Team Player«, sagt Roth. Doch sein Humor war mitunter rustikal. Als das Team vor einem Auswärtsspiel mal in einem Hotel auf einer Klippe über dem Meer übernachete, rief Pelé seinen Kumpel Roth mitten in der Nacht in sein Zimmer. Dort deutete er auf die Dusche. Roth schob den Vorhang zur Seite und bekam den Schreck seines Lebens, in der Wanne zappelte ein meterlanger Hai, den Pelé aus vom Fenster aus geangelt hatte. 

Doch auch Pelé alleine brachte trotz Riesen-Medien-Auftrieb nicht den gewünschten Erfolg. Es mussten weitere Stars her, und auf einmal war der Einwandererjunge aus dem Banat Spielführer von Pelé, Beckenbauer, Carlos Alberto, Johan Neskens und Giorgio Chinaglia, der als Torschützenkönig der Seria A kam. »Als ich zu Cosmos kam, war ich heilfroh, dass mit Werner Roth jemand da war, der Deutsch sprach, denn anfangs konnte ich kaum Englisch«, sagt Beckenbauer heute. »Einen hilfsbereiteren Kapitän kann man sich nicht vorstellen.«
 
Jetzt lief es auch sportlich, und die Zuschauer kamen. Zwei Jahre lang war Cosmos mit einem Zuschauerschnitt von über 45.000 die Nummer eins in New York, die Mannschaft hatte mehr Fans als die Mets, Yankees oder Islanders. Beim Spiel gegen Fort Lauderdale 1979 kamen 77.691 Zuschauern – bis heute ist das Rekordkulisse für US-Soccer.

Nachbar: John Lennon, Kumpel: Andy Warhol

Roth war jetzt ein Star und verkehrte mit einem Mal in Kreisen, die er vorher nur aus der Zeitung kannte. Er freundete sich mit Andy Warhol an und fachsimpelte mit ihm über Fotografie oder Warhols Leidenschaft für private »Garage Sales«. Er zog in ein Apartment in der 72. Straße, wo sein Nachbar John Lennon war. Abends ging er mit Mick Jagger oder Peter Frampton im »Studio 54« feiern, und morgens stand er auf dem Trainingsplatz und kickte gemeinsam mit dem Promi-Kiebitz Elton John (damals Besitzer eines anderen MLS-Clubs) aufs Tor. »Wir blieben immer unter Kontrolle«, sagt Roth. Wirklich? »Nun ja, wir haben schon unseren Teil gehabt von Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Wir waren doch junge Männer mit viel Geld und freier Zeit.«

 
 
 
 
 
123
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden