05.10.2013

Werner Roth, der vergessene Star von New York Cosmos

Fußball, Sex, Drugs and Rock’n Roll

Wenn man heute in Deutschland über New York Cosmos spricht, ist die Rede von Franz Beckenbauer, Pelé, Johan Neskens und Giorgio Chinaglia. Dabei war es Werner Roth, der die Mannschaft anführte. Ein Besuch in New York.

Text:
Florian Maaß
Bild:
imago

Ein bisschen aufgeregt war er schon, doch das ist nun alles vergessen. Werner Roth spaziert mitten durch New York. Es ist Ende September, und die Sonne und 30.000 Menschen drücken sich durch die Häuserschluchten der 5th Avenue.

Roth führt heute als »Grand Marshal« die alljährliche Steuben-Parade an, bei der seit 1957 die deutsch-amerikanische Freundschaft gefeiert wird. Das ist eine große Ehre, vor ihm führten bereits Henry Kissinger, Ruth Westheimer oder Donald Trump die Parade an. Mit Blaskapellen, Festwagen zur deutsch-amerikanischen Geschichte, Bayrischen Trachtengruppen oder Feuerwehrleuten mit deutschen Fähnchen geht es entlang des Central Park durch Yorkville, das bis in die siebziger Jahre letztes deutsches Viertel New Yorks war. Zu Werner Roths Jugendzeit tobte hier ein deutsches Nachtleben in dutzenden Tanzhallen und Kneipen.

Kurz vor der 86. Straße hält er inne. Ein Junge streckt ihm ein Foto entgegen, und Roth lächelt. Es ist ein Mannschaftsbild von New York Cosmos aus dem Jahr 1976. Roth und seine Mitspieler sehen auf diesem Bild aus wie Popstars. Kein Zufall: Für Klubbesitzer Steve Ross war das Soccerteam hauptsächlich globales Werbe-Vehikel seines  Unterhaltungskonzerns  Warner-Brothers.

Das Einwanderkind aus dem Banat

Wenn man heute in Deutschland über die Mannschaft spricht, ist die Rede von Franz Beckenbauer, Pelé, Johan Neskens und Giorgio Chinaglia. Werner Roth ist beinahe vergessen. Dabei war er es, der das Team über sieben Jahre lang angeführt hat.

Roth wanderte mit seiner donauschwäbischen Familie als Achtjähriger aus dem Banat ein und wuchs in der deutschsprachigen Nachbarschaft Ridgewood in Queens auf. Bis heute sagt er: »Ich bin ein Deutscher.«

Seine Kicker-Karriere begann beim German-Hungarian SC in der German-American Soccer League. Er spielte gegen Mannschaften mit Namen wie SC Eintracht oder Blau-Weiß Gottschee. »Da hinten«, sagt er und zeigt in Richtung Queens. »Da hat alles begonnen.« Dort steht immer noch das Metropolitan Oval, von Industrieanlagen umgeben und voller Schmutz. »Es sieht aus wie ein Erdloch mit Dreck als Belag«, findet Roth. Durch die ethnische Bindung kamen dennoch Tausende zahlender Zuschauer zu den Spielen, und Roth verdiente pro Spiel 50 Dollar zum Architektur-Studium dazu.

 
 
 
 
 
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