01.03.2014

Werder-HSV: Das Skandalderby von 1993

Meisterstück

Am Samstag treffen der SV Werder und der HSV zum 100. Mal in der Bundesliga aufeinander. Weil es für die Bremer zuletzt wenig zu feiern gab, werfen wir einen Blick zurück auf das legendäre Meisterstück im Mai 1993.

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imago

Als Otto Rehhagel am 5. Juni 1993 die Meisterschale in den Stuttgarter Abendhimmel hält, blicken die Spieler des FC Bayern 450 Kilometer weiter nördlich, im Schalker Parkstadion, apathisch an die Kabinenwände. Wer, verdammt noch mal, trug Schuld an diesem Schlamassel?
 
32 Spieltage führte der FC Bayern die Tabelle an, er hatte die Liga zwar nicht dominiert, doch immerhin einige Wegmarken gesetzt. Saarbrücken schoss der Rekordmeister mit 6:0 aus dem Stadion, den HSV fegte man mit 4:0 und Leverkusen mit 4:1 weg. Doch dann zog Werder Bremen am vorletzten Spieltag vorbei.
 
Die Ausgangslage vor dem 33. Spieltag ist zwar nicht mehr so gut wie einige Wochen zuvor, als der FC Bayern mit vier Punkten davon gezogen war, doch sie ist in Ordnung. Die Münchner sind punktgleich mit Werder, haben aber eine um zwei Treffer bessere Tordifferenz. Bayern trifft zuhause auf Bochum, die um den Klassenerhalt kämpfen, Werder spielt gegen den HSV, der immerhin noch theoretische Chancen auf einen Uefa-Cup-Platz hat.

Ein neuer Bundesligabestechungsskandal?
 
Das Nordderby in Bremen wird zu einer Farce, an deren Ende aufgebrachte Revolver-Reporter über einen neuen Bundesligabestechungsskandal diskutieren.

Aber von vorn.
 
HSV-Trainer Benno Möhlmann überrascht vor dem Spiel mit einer ungewöhnlichen Aufstellung. Zum ersten Mal stellt er den Vertragsamateur Oliver Möller auf. Zudem lässt er für Stammkeeper Richard Golz den unerfahrenen Nils Bahr spielen. Die Begründung: Oliver Möller habe er seit Wochen auf das Duell gegen Frank Neubarth vorbereitet, und Richard Golz sei seit Tagen verletzt. Er hätte dies allerdings nicht öffentlich kommuniziert, weil er die Bremer überraschen wollte.
 
Zu Beginn bemüht sich der HSV noch mitzuspielen, doch spätestens als Werders Andreas Herzog in der 37. Minute das 1:0 markiert, ist der Widerstand gebrochen. Zweimal Wynton Rufer, noch einmal Herzog und Stefan Kohn erhöhen auf 5:0.

»Norddeutsche Provinz-Posse! Schlechter Stil!«
 
Die Bayern können nicht glauben, was passiert ist. Trotz ihres 3:1-Sieges gegen den VfL Bochum stehen sie plötzlich, ein Spiel vor Toreschluss, nur noch auf Rang 2. »Sehr sehr seltsam«, findet Christian Ziege das Resultat. »Norddeutsche Provinz-Posse! Schlechter Stil! Wettbewerbs-Verzerrung«, nörgelt Karl-Heinz Rummenigge. Und Trainer Erich Ribbeck sagt: »Natürlich mache ich mir Gedanken über den HSV, aber die werde ich nicht äußern.«
 
Die Bild titelt am Montag: »Hamburger Schummel Verein«, und Alfred Draxler poltert: »Pfui, HSV! Wurde mitten im Titelkampf ein Spiel verschoben? Haben wir einen neuen Bestechungsskandal?« Einige Reporter konfrontieren die Spielern mit einer Aussage von Benno Möhlmann. Der HSV-Trainer und Ex-Werder-Spieler Benno Möhlmann hatte ein paar Tage zuvor gesagt: »Ich gönne Bremen den Titel!« Die Bayern-Spieler schütteln den Kopf.

 
 
 
 
 
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