21.08.2013

Wer ist PAOK Saloniki?

Im Schatten von Athen

Nach der Disqualifikation von Metalist Charkiw hatte sich Schalke auf ein Freilos im Champions-League-Play-Off eingestellt. Doch es kam anders: PAOK Saloniki rückte nach. Das Porträt eines griechischen Klubs im Schatten der Athener Vorherrschaft.

Text:
Kyriakos Xantinidis
Bild:
Imago

»Gleich Null«, so hatte noch vor knapp einer Woche Horst Heldt die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, dass Schalkes Gegner Metalist Charkiw aus der Champions-League-Qualifikation ausgeschlossen werde. Sollte dies wider Erwarten doch geschehen, so sagte Schalkes Manager weiter, käme man voraussichtlich »per Freilos« in die Gruppenphase des Wettbewerbs. Er sollte sich irren.
 
Schalke trifft heute Abend auf einen Gegner, dessen eigentlicher Name in den Agentur-Schlagzeilen zunächst durch die bloße Nennung eines Schalker Ex-Trainers auftauchte: Schalke gegen Stevens. Nicht jeder Leser dieser Meldung dürfte auf Anhieb verstanden haben, dass es für die Königsblauen nun gegen den griechischen Vize-Meister PAOK Thessaloniki gehen würde, der am 7. August gegen Metalist aus der Champions-League-Qualifikation ausgeschieden war (0:2, 1:1).

Hat Schalke sich nicht mit Saloniki beschäftigt?
 
Auf  Schalke, so scheint es, ist man durch die Ereignisse in der Uefa-Zentrale auf dem falschen Bein erwischt worden. Nach der Auslosung am 9. August zunächst auf das ukrainische Charkow fokussiert, wo für Quartiersuche und andere Logistik bereits ein Schalker Abgesandter weilte, versäumte man es offenbar, eine Antenne in Richtung Thessaloniki auszufahren.

Dort hatten nämlich die Klubverantwortlichen, nach Bestätigung der Manipulationsvorwürfe gegen Metalist Charkiw durch das Internationale Sportgericht CAS (2. August), ihre Chance gewittert. Noch vor Austragung des Rückspiels in der Ukraine sickerten in griechischen Medien Meldungen und Gerüchte durch, wonach sich PAOK Thessaloniki einige  Hoffnung darauf machen konnte, im Falle eines Ausscheidens für die Ukrainer nachzurücken.

Das Phänomen der Verdrängung
 
Oder war man in Gelsenkirchen doch die ganze Zeit auf dem Laufenden? Dann wäre Heldts Überraschung tiefenpsychologisch leicht zu erklären – und zwar unter Hinweis auf das auch im Profifußball nicht unbekannte Phänomen der Verdrängung. Wenn niemand anders das Schalker Innenleben so gut kennt wie Stevens, so wäre es nur allzu menschlich, in Anbetracht eines Spiels von solch finanzieller und sportlicher Bedeutung, sich gerade nicht mit ausgerechnet diesem Szenario auseinandersetzen zu müssen.

 
 
 
 
 
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