30.08.2013

Wer ist Europas Fußballer des Jahres 2013?

Die Visage des Killers

Franck Ribéry, Europas Fußballer des Jahres 2013. Für unser Bundesliga-Sonderheft machte sich unser Autor Tim Jürgens auf die Spuren des kleinen Franzosens und traf Menschen, die Ribéry nicht für den Weltfußballer halten.

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Die Arme abgespreizt, als trage er zwei Colts um die Hüften. Der Gang kerzengerade. Den charakteristischen Schmiss flankiert ein erwartungsfrohes Lächeln. So stolziert Franck Ribéry in einer Gruppe von FC-Bayern-Profis durch das Spalier der Journalisten auf den Trainingsplatz im trentinischen Arco. Der baumlange Daniel van Buyten wirkt neben ihm wie die Leibgarde des kleinen Generals. Doch der staatstragende Gestus verpufft, als der Franzose Rasen unter den Füßen spürt. Der Filou bricht heraus. Ein Konditionstrainer ruft noch: »Lasst die Bälle liegen.« Das Verbot aber animiert ihn erst, beiläufig eine der Kunststoffkugeln ins Tor zu chippen, um dann in typischer Manier an die Grundlinie zu sprinten, wo sich die Kollegen aufstellen. Hier bin ich: Leader of the Pack, der Chef auf diesem Spielplatz, Franck Ribéry, der rasende Gockel, nie war ich so selbstbewusst wie heute.

Der Sommer 2013 ist der glücklichste in seiner Laufbahn. Das Triple hat ihn bestätigt, dass die Entscheidung, langfristig beim  FC Bayern zu bleiben, die richtige war. Ribéry steht in der engeren Auswahl bei der Wahl zu »Europas Fußballer des Jahres«, und aufgrund der mäßigen Saison, die Lionel Messi gespielt hat, wird er sogar als Weltfußballer gehandelt. Mit 30 bekommt der Junge aus Boulogne-sur-Mer endlich die Wertschätzung, die er sich immer gewünscht hat.

Das Trainingslager am Gardasee ist ein eindrucksvoller Beleg, dass der FC Bayern wieder oben auf der Popularitätsskala angekommen ist. Und mit ihm die Führungskraft Ribéry. 4000 Fans verfolgen das öffentliche Training in Arco. Jeder Doppelpass wird von Jubel begleitet. Zum Aufwärmen donnert »Stern des Südens« aus den Boxen. Wenn der Mannschaftsbus den Motor anlässt, stehen Fans scharenweise am Zaun. Ein Zirkus. Der Franzose aber genießt die durchgeknallte Sommerfrische sichtlich.

Der Superstar ist die Mannschaft – und Ribéry bekennt sich zu ihr. Lange hat er sich um das Bekenntnis zu den Bayern gedrückt. Als er 2007 nach München kam, war er das fehlende Mosaiksteinchen für ein großes Versprechen. Uli Hoeneß wollte mit ihm den FC Bayern der Zukunft begründen. Doch er war nicht der erste Franzose, der trotz zuverlässiger Leistungen seine Legionärsmentalität lange Zeit nicht ablegte. Ribéry machte keinen Hehl daraus, dass er München als Zwischenstation verstand. Seine Sehnsucht nach ganz großen Erfolgen, so glaubte er, würde sich nur in der spanischen oder englischen Liga befriedigen lassen.

Bei Real Madrid machte sich Zinedine Zidane für seinen Wechsel stark. An der Seite von Zizou war Ribérys Stern bei der WM 2006 aufgegangen. Als 2009 auch Ribérys Kumpel Karim Benzema in die spanische Metropole wechselte, wurde der Wunsch, ihm zu folgen, sehnlicher. Bis dahin hatte er nur eine Meisterschaft und einen Pokal mit dem FC Bayern gewonnen. Als das Jahr 2010 begann, schienen die Zeichen auf Abschied zu stehen. 

 
 
 
 
 
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