12.05.2014

Wer ist eigentlich dieser neue Bundesligaklub?

Paderborn to be wild

Der SC Paderborn ist mit einem Etat in die Bundesliga aufgestiegen, den der HSV zuletzt alleine für Trainer-Abfindungen ausgegeben hat. Doch wer ist dieser Verein überhaupt? Zehn Dinge über den SC Paderborn.

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1.
Kein Geld schießt auch Tore

2012, als der SC Paderborn knapp am Erstligaaufstieg gescheitert war, hatte der Klub mit fünf Millionen Euro den kleinsten Etat der Zweiten Liga. Doch das tat der Aufbruchsstimmung keinen Abbruch. Und wenn Sportdirektor Michael Born auf solche Fakten angesprochen wurde, verwies er gerne an seine erste Amtszeit Mitte der Neunziger. Damals soll es noch nicht einmal eine richtige Geschäftsstelle gegeben haben. »Neben mir war dort damals nur ein Rentner und unser Spieler Dieter Hecking, der sich nebenbei um das Marketing gekümmert hat«, sagte er mal der »taz«. Wer nun denkt, dass zwischenzeitlich ein reicher Geldgeber im Hintergrund wirkt, irrt: Klubpräsident Wilfried Finke, Besitzer einer Möbelhauskette, hilft dem  Verein zwar immer wieder durch Finanzspritzen, doch auch 2013/14 hatte der SC Paderborn mit sieben Millionen Euro den zweitkleinsten Etat der Liga. Für die Bundesliga soll immerhin ein wenig aufgestockt werden: 15 Millionen stehen dann zur Verfügung. Zum Vergleich: Beim FC Bayern verdienen alleine Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger zehn Millionen Euro pro Jahr.
 
2.
Viele Namen und ein Europapokalsieger

Achtung, jetzt wird’s ein bisschen kompliziert! Bis 1997 wechselte der Klub alle paar Jahre seinen Namen. Die drei Urvereine waren der FC Preußen Paderborn von 1908, der SV 07 Neuhaus und der TuS Sennelager von 1910. Danach gab es: den SV 1913 Paderborn, den VfB Paderborn, den VfJ 08 Paderborn, den 1. FC Paderborn und 1985 eine Fusion namens TuS Schloß Neuhaus. Später hieß der Klub TuS Paderborn-Neuhaus, und seit 1997 firmiert er unter dem Namen SC Paderborn 07. Allerdings war Fußball in Paderborn nie der große Publikumsmagnet, die Menschen fuhren nach Bielefeld, Osnabrück oder zu den Mannschaften aus dem Ruhrpott. Und für die, die zu Hause blieben, hatte Paderborn stets großartige Alternativsportartklubs zu bieten. Zum Beispiel den 1. BGC Paderborn (Minigolf, Verbandsliga), Paderborn Untouchables (Baseball, mehrmals Meister) oder den SSV St. Hubertus Elsen (Schießsport, Bundesliga). Der erfolgreichste Klub der Stadt ist allerdings der Paderborner Squash Club, der dreimal den Europapokal gewinnen konnte.
 
3.
Das Problem mit den Anwohnern

Das Desinteresse am Fußball führte dazu, dass der SC Paderborn in Regionalligazeiten oft vor dreistelliger Kulisse spielen musste. Und auch seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga rangiert er stets in der zweiten Hälfte der Zuschauertabelle. Ende 2011 feierte der SC Paderborn bei einem Spiel gegen den FC St. Pauli ausverkauftes Haus – allerdings erst zum dritten Mal seit der Eröffnung im Juli 2008. Immerhin haben die Paderborner in der abgelaufenen Saison ein wenig Lust auf Fußball bekommen: Im Schnitt kamen 11.000 Fans in die 15.000 Zuschauer fassende Benteler Arena. Doch auch die Kritik an dem geringen Zuschauerinteresse wusste Sportdirektor Born locker zu parieren. »Ich erinnere mich an Zeiten, in denen wir noch vor 800 Leuten gekickt haben und die einzigen elektronischen Geräte in der Geschäftsstelle waren eine Schreibmaschine und ein Schredder«, sagte er mal der »FAZ«. Fun Fact: Aufgrund von Anwohnerklagen dürfen keine Veranstaltungen nach 22 Uhr im Stadion stattfinden. Daher darf der Klub keine Freitagabendspiele in der Bundesliga austragen.
 
4.
Erfolge & Skandale
Neben den Aufstiegen in die 2. Bundesliga 1982 (damals noch als TuS Schloß Neuhaus), 2005 und 2009 gilt das Erreichen des DFB-Pokal-Achtelfinales im Jahr 2004 als einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Allerdings griff dem damaligen Regionaligisten eine Person maßgeblich unter die Arme: Robert Hoyzer. In der ersten Runde gewann der SC Paderborn nach 0:2-Rückstand noch mit 4:2 gegen den HSV. Die Paderborner bekamen dabei zwei Elfmeter zugesprochen, Hamburgs Emile Mpenza musste nach 36 Minuten mit Rot vom Platz. Allerdings zeigte Paderborn in der zweiten Runde und im Achtelfinale, dass die Mannschaft auch ohne Hoyzer durchaus mit höherklassigen Teams mithalten konnte. Gegen den Zweitligisten MSV Duisburg gewann Paderborn 2:1, gegen den SC Freiburg glichen die Ostwestfalen in der 90. Minute zum 1:1 aus und unterlagen erst im Elfmeterschießen. Weil im Hermann-Löns-Stadion damals ein Flutlicht fehlte, musste das Spiel an einem Mittwochnachmittag um 14 Uhr angepfiffen werden. Der SC gewann daraufhin Sponsoren, die Kartenpakete kauften und diese an Schulen stifteten. Diese wiederum gaben ihren Kindern die letzte Stunde frei, damit sie es rechtzeitig ins Stadion schaffen konnten. Die Folge: Von den 10.000 Zuschauern waren 8000 Schüler. Beliebtester Schlachtruf der mitgereisten Freiburg-Anhänger an jenem Nachmittag: »Kinderchor! Kinderchor!«
 
5.
Die Beinahe-Sensation
Im August 2001 herrschte in Paderborn Ausnahmezustand, denn dem SC war für die erste DFB-Pokal-Runde der amtierende Champions-League-Sieger FC Bayern zugelost worden. Paderborns Trainer Markus Gellhaus jubelte wenige Tage nach der Auslosung: »Das Telefonnetz ist zusammengebrochen, alle wollen Karten!« Kurzerhand wurde das Spiel an die Bielefelder Alm verlegt. Dort hofften viele Fans auf ein Wunder, und glaubte man dem Stadionsprecher, so stand Paderborn tatsächlich kurz vor einer Sensation. Als Krzysztof Karpowicz in der 89. Minute für Paderborn ins Tor traf, jubelte der Mann am Mikrofon jedenfalls: »Jetzt geht noch was!« Blöd nur, dass die Bayern zu dem Zeitpunkt bereits fünfmal getroffen hatten.

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