Wenn Spieler und Trainer sich rausreden

Zyklen von Alibis

Unser Lieblingsblogger »Trainer Baade« tourt in den kommenden Wochen mit seinem Programm »Drama Queens in kurzen Hosen« durch Deutschland. Vorgeschmack? Bitteschön: Trainer Baade über Ausreden im Fußball.

Der folgende Text, »Zyklen von Alibis« stammt aus »Trainer Baades« Programm »Drama Queens in kurzen Hosen«. Weitere Infos, Tourtermine, Links findet ihr unter diesem Text!

Das Leben, Streben, Wirken und in aller Regel Versagen einer Bundesliga-Mannschaft ist ein hartes.

Erst ist die Mannschaft nicht eingespielt. Sie wird sich sicher im Laufe der Saison noch finden, aber am Anfang kann man natürlich keine Wunderdinge erwarten: Die Neueinkäufe sind Schuld oder das im Sommer gespielte große Turnier oder die Freundschaftsspiele in Timbuktu und Santiago de Chile, die nun mal gespielt werden mussten, um die Neueinkäufe erst zu finanzieren. Die Mannschaft ist nicht eingespielt und besitzt am Anfang also wirklich verdammt schlechte Karten, obwohl die selben Argumente eigentlich auf alle anderen Teams in der Liga genauso zutreffen müssten. Aber trotzdem — das hindert niemanden, dieses Argument hervorzukramen.

Es folgt die Phase in der Mitte einer Runde. Nun ist das Team zwar eingespielt. Dummerweise sind es die anderen Teams mittlerweile alle ebenfalls. Und natürlich wollte es der Spielplan so, dass man die leichten Gegner am Anfang hatte, als man noch nicht eingespielt war (der Gegner allerdings auch nicht), jetzt hat man nur noch die mittelschweren und schweren Gegner vor der Brust. Die natürlich noch dazu eingespielt sind! Das ist man selbst mittlerweile zwar auch — aber ach, die vielen schweren Gegner in dieser Phase! Wenn man jetzt drüber nachdenkt, hätte man die schweren Gegner vielleicht doch lieber am Anfang gehabt, dann wären sie wenigstens nicht eingespielt gewesen. So, wie man selbst.

Der Spielplan ist also Schuld. Mindestens Teilschuld. Möglicherweise ist es auch der Ausfall eines oder zweier Spieler, so als hätte es im Fußball noch nie Ausfälle gegeben und wären Spieler noch nie verletzt gewesen. Da man schließlich das ganze System auf diese zwei Spieler ausgerichtet hatte, kann natürlich jetzt nicht mehr alles so funktionieren, wie es sollte. Eingespielt ja, aber nun fehlt die Kreativität/Durchschlagskraft/Motivation/charakterliche Stärke/Erfahrung, die diese ein oder zwei Spieler hätten einbringen können. Der Spielplan, die Ausfälle.

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Dass das letzte Drittel einer Runde eingeläutet wird, erkennt man daran, dass die Verantwortlichen beginnen, das Argument zu bemühen, dass das Team nun »müde« sei, weil schließlich schon so viele Spiele absolviert sind. Was selbstredend für alle anderen Teams genauso gilt, aber wen interessiert schon Logik, wenn er ein Alibi braucht? Natürlich sei man jetzt eingespielt und hätte auch den Ausfall der Kreativen/Erfahrenen ad lib Spieler verkraftet und adäquat umgestellt, aber die »Müdigkeit« bei etwa ein bis zwei Spielen pro Woche ist für Leistungssportler, die nichts anderes tun als Fußball zu spielen — und sie tun außer Glücksspielen und Prostituierten Guten Tag zu sagen wirklich nichts anderes — dennoch eindeutig zu viel. Es bliebe dem Team zwangsläufig nichts übrig, als sich mit letzter Kraft noch in die Winterpause zu retten, aus den letzten paar Partien vielleicht noch einige kleine Pünktchen mitzunehmen. Man dürfe aber nicht zu viel erwarten, bekanntlich sei man (sehr) müde. Um schließlich in der Winterpause die ominösen Akkus, die noch nie ein Mensch im Menschen gesehen hat, wieder aufzuladen.

Dumm nur, dass in der Winterpause neu eingekauft wird — und der Zyklus von Alibis aufs Neue beginnt.

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Trainer Baades neues Lese-Programm »Drama Queens in kurzen Hosen« ist rund, damit seine Texte die Richtung ändern können. So wie der Fußball, auf dem Platz und abseits davon, immer wieder mal neue Wendungen nimmt.

Mit dem Blick für die kleinen Widersprüche und die großen, echten Emotionen der Spieler und der Fans betrachtet er den Sport, von dem noch jeder glaubt, ihn erklären zu können. Doch kaum jemandem gelingt dies so gewitzt und kurzweilig wie Trainer Baade. Findet auch 11FREUNDE das sein Blog 2011 zum »Besten Fanmedium« in Deutschland kürte und auch die FAS, die nicht zufällig von ihm »viel über Fußball gelernt« hat.

Zwei Halbzeiten lang Geschichten über die großen und kleinen Dramen des Fußballs, immer gewürzt durch den scharfen Blick und die ebenso spitze Feder von Trainer Baade. Mehr Infos auf www.trainer-baade.de/lesetermine

Die Tourtermine:
Mi, 20.03.2013: Stuttgart, Libero, Olgastr. 137
So, 24.03.2013: Wiesbaden, Café Klatsch, Marcobrunnerstr. 9
Do, 18.04.2013: München, Stadion an der Schleißheimer Straße, Schleißheimer Str. 82
So, 05.05.2013: Berlin, Schwalbe, Stargarder Str. 10
Mi, 29.05.2013: Bremen, Eisen, Sielwall 9
Beginn ist immer 20 Uhr!

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