Wenn Präsidenten aus der Rolle fallen

»Totschlagen, abstechen, kastrieren«

Fußball-Präsidenten sind eine besondere Spezies. Da gibt es die grauen Geschäftsmänner, die glitzernden Sonnenkönige und die geldgeilen Verrückten. Wir haben die spektakulärsten Ausfälle gesammelt.

imago

Oberstes Gebot für jeden Präsidenten: Kleinkriege mit gefeierten Superstars so gut es geht vermeiden. Albino Buticchi, Präsident vom AC Mailand, hatte davon offenbar noch nie etwas gehört, als er es sich 1975 gleich auf verschiedenen Ebenen mit Gianni Rivera verscherzte. Zunächst forderte Buticchi per Zeitungsinterview, dass die Milan-Legende ihre Kapitänsbinde abgeben solle, um der sportlichen Krise entgegenzuwirken. Dann ignorierte er das von Rivera eingeforderte Vier-Augen-Gespräch, was den tödlich gekränkt zu einer Stellungnahme vor den Fernsehkameras motivierte. Zentrales Zitat: »Ich höre auf!« Das wiederum erzürnte den Anhang, der im Hause Buticchi durchklingelte, um dem Hausherren wahlweise den Tod durch »totschlagen, abstechen, kastrieren oder abknallen« anzudrohen. Buticchi schien das nicht zu kratzen. Als der weiterhin angefressene Rivera wenige Wochen später ankündigte, sich selbst als Präsident vom AC Mailand wählen zu lassen, um die vielen verschwundenen Milliarden Lire ausfindig zu machen, die Buticchi im Laufe seiner Amtszeit veruntreut hatte, erwog dieser gar einen Vereinsausschuss Riveras. Jetzt machten die Fans ernst: Einige Hardliner lauerten dem Boss vor dessen Villa auf und schossen dreimal scharf, trafen jedoch nicht. Buticchis blieb cool, zog ebenfalls eine Waffe und jagte die Angreifer in die Flucht. Im Dezember 1975 gab er sein Amt schließlich ab.

Auch Dr. Franz Böhmert, seinerzeit Präsident von Werder Bremen, musste sich Attentätern erwehren. Im Winter 1976 präparierten Unbekannte seinen Dienstwagen so perfide, dass die Reifen bei voller Fahrt auf der Autobahn platzten. Und zwar auf der Hin- und Rückfahrt im Zuge des Auswärtsspiels bei Fortuna Düsseldorf. Böhmert kam mit dem Schrecken davon. Zuvor waren auch die Reifen von Manager Rudi Assauer und Trainer Hans Tilkowski angestochen worden. Böhmert: »Das kann doch kein Zufall sein!« Der Täter wurde nie ausfindig gemacht. Ganz Hamburg bekannte sich unschuldig.

Eigentlich hätte Schalke-Präsi Günther »Oscar« Siebert einen eigenen Artikel zum Thema »Präsidenten auf Abwegen« verdient. Eine kleine Zusammenstellung seiner Vergehen:
- zwischen 1972 und 1975, Siebert war bereits Präsident, ließ er Souveniere, Würstchen, Pils und andere Leckereien über die »Siebert und Co. KG« im Parkstadion vertreiben. Einnahmen in diesen Jahren: 1,18 Millionen DM. Abgabe an den Verein: Fünf Prozent.
- bei einigen Vertragsabschlüssen verstieß Siebert gegen die Vereinssatzung, indem er eigenmächtig mehr Gehalt bewilligte, als eigentlich im Vorstand ausgemacht
- die von Siebert eingesetzte Versicherungsagentur verlangte erstaunlich hohe Jahresprämien für den Schutz der Spieler. Inhaber der Agentur: Sieberts Gattin
- bei den Transfers der Jugoslawen Dzoni und Boljat Ende der siebziger Jahre errechneten Wirtschaftsprüfer eine Differenz von 175.000 DM. Schalke hatte für beide Spieler offiziell 875.000 DM aus der Vereinskasse genommen, nur 700.000 kamen auch in Zagreb bzw. Split an

Der langjährige DFB-Präsident Hermann Neuberger war ein Meister, wenn es darum ging, die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten bzw. mit Vollgas zu überfahren. Weil er…
…1974 die Spielerfrauen vom offiziellen Bankett für die Weltmeister auslud und es so tatsächlich fertig brachte, dass mit Gerd Müller der beste Stürmer aller Zeiten seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte
…sich vier Jahre später rechtzeitig vor dem WM-Start mit Paul Breitner, Uli Stielike und Franz Beckenbauer überwarf und Deutschland ohne seine drei besten Spieler bereits in der Zwischenrunde rausflog
…bei jener Skandal-WM der diktatorischen argentinischen Militär-Junta »preußische Gründlichkeit« attestierte. Zur Erinnerung: Während in den Stadien Fußball gespielt wurde, folterten die Schergen der Regierung nur wenige hundert Meter entfernt Regimegegner zu Tode
…ebenfalls beim Weltturnier 1978 dem unliebsamen Günter Netzer den Zutritt ins Teamquartier verweigerte, dafür aber zackig Altnazi Hans-Ulrich Rudel willkommen hieß

1986 sperrte die Kontroll- und Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union Roma-Präsident Dino Viola für vier Jahre für alle offiziellen Aktivitäten und hatte ihre Gründe dafür. Ein Jahr zuvor war aufgeflogen, dass Viola den französischen Schiedsrichter Michel Vautrot vor dem Rückspiel im Europapokal-Halbfinale 1984 gegen Dundee United hatte schmieren wollen. Nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel gewann Rom tatsächlich noch mit 3:0 ins zog ins Endspiel ein. Dort verloren die Italiener schließlich gegen den FC Liverpool. Kurios: Die von Viola ausgegebenen umgerechnet 140.000 DM hatten den Unparteiischen nie erreicht. Die beiden vom Präsidenten dafür vorgesehenen Mittelsmänner hatten die Knete gütlich unter sich aufgeteilt. Bestraft wurde Viola trotzdem.

1988 geriet Homburgs Präsident Manfred Ommer in die Kritik, weil er es doch tatsächlich gewagt hatte, einen Sponsorenvertrag mit dem Kondom-Hersteller »London« einzutüten. Als die ungeschützte Kritik der DFB-Oberen immer lauter wurde, ließ Ommer seine Spieler kurzzeitig mit einem schwarzen Balken über dem Werbe-Schriftzug auflaufen. Als Sexsymbol wollte sich der Präsident dann allerdings nicht abstempeln lassen. Frage der »taz« im März 1988: »Der FCH als Vorreiter für Safer Sex?« Antwort Ommer: »Das wäre in Homburg völlig ausgeschlossen.«

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