Wenn Journalisten sich Informationen ergaunern

Wayne interessiert das

Journalisten gehen mitunter über Leichen, um an Informationen zu kommen. In England hörten sie jüngst gar die Mailbox von Superstar Wayne Rooney ab. Deswegen präsentieren wir: Die kuriosesten Recherchewege der Fußballgeschichte. Wenn Journalisten sich Informationen ergaunern

In England sorgt derzeit ein Abhörskandal für Aufruhr. Die »News of the World« soll Emailpostfächer und Mailboxen von diversen Stars abgehört haben, um an ihre Infos zu kommen. Wayne Rooney war eines der prominenten Opfer dieser sehr fragwürdigen Art der Recherche. Doch er ist nicht allein, denn seit Jahrzehnten gilt es als gute Journalistentradition, auch abseits der normalen Wege an sein Ziel zu kommen. 11FREUNDE zeigt die kuriosesten Recherchewege der Fußballgeschichte. 

Jörg und Beate:
Jörg Wontorra gilt gemeinhin als das Urviech der etwas anderen Recherche. Seinen größten Geniestreich machte er wohl in der Endphase der Saison 1994/95, als er als Erster den Wechsel von Otto Rehhagel zum FC Bayern verkündete. Und das kam so: Wontorra, seinerzeit wohnhaft in Luxemburg, rief bei den Rehhagels zuhause an und bat Ottos Frau Beate um Hilfe. Er suche eine Wohnung in Bremen und wolle nur wissen, ob Beate Rehhagel da etwas wüsste. Oder noch besser, ob Frau Rehhagel ihm gar ihre derzeitige Wohnung blocken konnte, falls sie einen Umzug nach München plane. Und so ergab sich folgender folgenschwerer Dialog:

Beate Rehhagel: »Wie viele Kinder habe Sie denn?« 

Jörg Wontorra: »Zwei.«

Beate Rehhagel: »Ach, das passt ja. Wir haben drei Schlafzimmer.«

Wontorra kombinierte und vermeldete am Abend bei »ran« den Wechsel von Otto Rehhagel zum FC Bayern. Damit überraschte er sogar den Rekordmeister selbst, der daraufhin hastig eine außerplanmäßige Pressekonferenz für den Montag ausrief auf der Rehhagel schließlich vorgestellt wurde. Am Mittwoch schaute sich Wontorra tatsächlich die Wohnung in Bremen an.


Im Bett mit Töppi:
Rolf Töpperwiens Rum-Experiment mit anschließender Feuershow ist legendär. In der Folge lag der Alleswisser erst einmal ein paar Wochen im Krankenhaus. Um an das erste Interview mit dem Ecstasy-Opfer zu kommen, versuchte ein RTL-Mann sich als embedded Journalist. Kurzerhand packte sich der ein paar Mullverbände um die Arme, um sich in die Notaufnahme des Bundeswehrkrankenhauses in Koblenz einliefern zu lassen. Der,* hüstel*, kreative Versuch fiel auf und Töppi konnte sich in aller Ruhe von seinem heißen Wochenendausflug erholen.

Hack bei Wayne:
»Es sieht so aus, als hätte eine Zeitung mein Telefon gehackt. Große Überraschung.« So twitterte ManUnited-Dampfwalze Wayne Rooney das neueste Kapitel des wohl größten Abhörskandal der britischen Mediengeschichte in die Welt hinaus. Die »News of the World«, seit jeher kein Blatt der leisen Töne, hatte seit Monaten Rooneys Telefon und Emailpostfach angezapft. Doch Rooney ist nur das jüngste Opfer der Geheimdienstmethoden des Boulevards. Bereits vor fünf Jahren flog die Zeitung mit einem ähnlichen Versuch auf. Gelernt hat man daraus nicht. Weitere Opfer neben Rooney: Schauspielerin Sienna Miller, Schauspieler Hugh Grant, Rooneys Ehefrau Coleen, sowie die royalen Brüder Prinz William und Harry.

Van Gaal sagt nichts:
Nach jedem Trainerrauswurf gibt es überall das gleiche Spiel: Alle versuchen ein paar markige Worte aus dem firsch geschassten Übungsleiter rauszupressen. Das garantiert ordentliche Schulterklopfer von den Kollegen. Das Dumme:  Die Trainer haben keine Lust zu reden und wollen einfach nur noch weg. Kein Problem, dachte sich ein Reporter der Münchener »tz« und machte eben aus seiner Jagd nach Van Gaal eine Geschichte. Die lässt sich nur mit sehr viel Fremdscham ertragen, verdeutlicht sie doch, dass das Leben im Münchener Fußballboulevard nicht selten eine Mischung aus Wegelagerei und Penetranz ist. Am Ende platzte sogar Van Gaal der Kragen. Als er das Reportergesicht auch nach seiner abendlichen Golfrunde nicht abwimmeln konnte, blaffte der Niederländer: »Die ganze Presse hat mich nicht gut behandelt. (…) Sie waren nicht Van-Gaal-freundlich, sie waren Hoeneß-freundlich! Und Rummenigge-freundlich! Das ist ein Unterschied.«(…) Sie wissen genau, warum das alles passiert ist! Sie wissen es genau. Aber sie trauen sich nicht, es zu schreiben. (…) Es tut mir leid für sie. Sie stehen hier den ganzen Tag, aber ich werde nichts sagen. Ich wünsche Ihnen alles Gute.« Was andere für einen Monolog halten, verkaufte das Blatt anschließend als das »das kleine Abschiedsinterview.«

Ansgars Anrufbeantworter:
Der blutjunge Ansgar Brinkmann war so genial wie naiv. Warum er seinen Anrufbeantworter mit der legendäre Ansage: »Ich bin bis fünf Uhr morgens in meiner Stammkneipe zu erreichen«, bestückte, weiß er heute nicht mehr. Dafür weiß er, wie die Jugendsünde an die Öffentlichkeit gelangte: »Dummerweise hatte ich zwei sehr gute Spiele nacheinander gemacht und die Bild-Zeitung wollte ein Interview mit mir machen«, erinnert sich der weiße Brasilianer. Doch Brinkmann verschwitze den Termin und statt des aufstrebenden Jungstars erreicht der Journalist nur dessen Anrufbeantworter. Die Legende war geboren. Brinkmann kann darüber schmunzeln: »Auch wenn die Geschichte mich bis zu meinem Lebensende verfolgen wird, es hat sich gelohnt. Ich hatte wirklich eine tolle Zeit in meiner Stammkneipe. Das 'Pane e vino' war ein Lebensgefühl.« 

Lothars Zettel:
Lehmanns Spickzettel, die Papierkugel von Hamburg: Papier und Fußball, das war eben schon immer eine ganz besondere Verbindung. Ein eben solches Stück Zellstoff markiert aber auch den endgültigen Absturz des Überfußballers Lothar Matthäus zum Medienopfer. Nach der tränenreichen Trennung von seiner Abiturientenfreundin Liliana wollte Lothar via Bild-Zeitung einen Schlussstrich und die Schlammschlacht ziehen. Dumm nur, dass er seinen Spickzettel, den er extra für die Aussprache mit dem Teeny angefertigt hatte (Themen unter anderem: Alkohol – Zuviel und zu schnell / Kindisch – Schwimmflügel), im Mülleimer der Boulevardredaktion entsorgte. Hätte er doch ahnen müssen, dass so mancher Schreiberling nicht davor zurückschreckt den Müll nach selbigem zu durchforsten. Das Ergebnis: Lothars Schlussmachspicker fand sich am nächsten Tag in der Zeitung wieder. 

Oh, Mario:
Mario Balotelli lächelte verdutzt als Reporter Valerio Staffelli von der italienischen Comedy-Sendung »Striscia la Notizia« im ein schwarz-rotes Milan-Trikot mit der Nummer 45 überreichte. Balotelli stand bei Inter Mailand unter Vertrag und war kurz zuvor von Trainer José Mourinho auf die Tribüne verbannt worden. Der Fernsehmann hatte leichtes Spiel. Überrumpelt von dem Überfall mit Kamera spielte Balotelli das Spiel mit und streifte das Trikot des Inter-Erzfeindes über. Jugendlicher Leichtsinn, sagen die einen. Ein Eklat, die anderen. Auf einmal war die Sendung »Striscia la Notizia« in aller Munde. Die Aktion machte Mario Balotelli zur Reizfigur der Inter-Anhängerschaft. Mittlerweile spielt er bei Manchester City. Angeblich soll Milan über eine Verpflichtung im Sommer nachdenken.


Sicher kein Osama bin Laden:
Um einen ganzen Haufen Schlagzeilen fürchtete wohl ein Journalist als er im Juni 2008 die Nummer der Polizei wählte. Da seine Maschine zur Europameisterschaft nach Wien zum Abflug bereit war, er aber noch nicht da, behauptete der Gehetzte an Bord befinde sich eine Bombe. Postwendend schloss die Polizei den Flughafen, stoppte die Maschine und fand natürlich nichts. Wenige Minuten später traf auch der Mann mit der Bombenidee am Schalter auf. Dort wartete bereits die Polizei, die dummerweise den anonymen Anruf zurückverfolgen konnte und ihn als Täter enttarnte. Dumm gelaufen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!