Wenn Fußballer prämiert werden

Pornos, Pils und ein Rolls-Royce

Was früher Handgeld hieß und für zehn Bier langte, ist heute die hochdotierte Prämie im Wert eines Mehrfamilienhauses. Doch es geht auch anders, kreativer, wilder und, ja, auch peinlicher. Diese Woche erhielten Nigerias Spieler für den Gewinn des Afrika Cups ein Stück Land. Wir präsentieren die schönsten Prämien der Fußball-Geschichte!

Die schönsten Prämien der Fußballgeschichte

1977 empörte sich »Der Spiegel«, die Gehälter der deutschen Fußballtrainer »übertreffen seit langem manches Minister-Salär.« Das sollte schockierend wirken, irgendwie provozierend. Hat sich das geändert? Ministerpräsidenten der Länder verdienen heute im Schnitt etwa 14.000 Euro monatlich. Felix Magath verdiente als Schalke-Trainer 333.000 Euro. Ebenfalls pro Monat. So viel zum Schock-Moment.

>>> Pornos und ein Luxusschlitten – die Prämien in der Bildergalerie!

Auch das Aushandeln von Prämien war früher anders: Kassiert Jürgen Klopp für sein Dortmunder Meisterstück 2011 nur einen simplen, aber dicken Batzen Geld (etwa 500.000 Euro), stellten sich frühere Trainer oder Spieler kreativer an. Das ungarische Trainerbiest Gyula Lóránt hatte sich 1976 bei Eintracht Frankfurt an den Zuschauereinnahmen beteiligen lassen. Auf diese Weise war er motiviert, durch seine Spielweise möglichst viele Fans ins Stadion zu locken. Pro Monat kassierte er bis zu 27.000 Mark . Oder aber es gab mal einen schicken Toyota Carina, wie für den brasilianischen Stürmer Nunes 1982 (auf unserem Foto) für das gewonnene Weltpokalfinale mit Flamengo RJ. Schöne alte Zockerzeit. Wir präsentieren die raffiniertesten, peinlichsten, erotischsten, flüssigsten und schäbigsten Prämien der Bundesliga!  

1.
Pornos für Kopenhagen


Der Name ist nichtssagend, irgendwie harmlos: BN Agentur. Doch die kleine Firma, ansässig auf der dänischen Ostseeinsel Fünen, vertreibt Filmchen für Erwachsene (»amatør sex«). Und solche Streifen sind auch bei Fußballspielern nicht unbeliebt. 2008 stieg BN Agentur als Sponsor beim dänischen Erstligisten FC Kopenhagen ein.

Der Deal, den die »Bild«-Zeitung mit feinem Gespür für subtilen Wortwitz »Motivationsspritze« nannte, klingt in der Tat verlockend: Pro Sieg erhält jeder Spieler der Mannschaft zwei erotische DVDs. »Ja, dat klopt«, bestätigte Unternehmensvertreter Peter Jensen, und präzisierte: »De spelers krijgen steeds de nieuwste films«. Kopenhagens Klub-Präsident Flemming Østergaard kommentierte: »Daran gibt es nichts auszusetzen.» Der Erfolg gab ihm schließlich Recht: In der Saison 2008/2009 wurde der FC Kopenhagen dänischer Meister. Der damalige Trainer war übrigens Stale Solbakken, der seit dieser Saison den 1. FC Köln trainiert. Ob er die Siegprämie importiert?

2.
Bier für Österreich


Die Europameisterschaft 2008 im eigenen Land dürften die meisten Österreicher schnell wieder vergessen haben: kein Spiel gewonnen, nur ein Tor geschossen, nach der Vorrunde ausgeschieden. Aber dieses eine Tor schoss Ivica Vastic, am 12. Juni 2008, einem Donnerstag, im Spiel gegen Polen im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Es läuft die dritte Minute der Nachspielzeit, Polen führt 1:0, da reißt Mariusz Lewandowski im eigenen Strafraum Sebastian Prödl zu Boden. Schiedsrichter Howard Webb entscheidet auf Strafstoß. Vastic legt sich den Ball zurecht, knallt ihn halbhoch ins linke Eck. Ein Land atmet auf. Zwar verliert Österreich das anschließende kleine Finale gegen Deutschland um den Einzug ins Viertelfinale.

Aber diesen Elfmeter dürfte der Österreicher Ivica Vastic nie vergessen. Die Ottakringer-Brauerei schenkt ihm aus Dank seitdem jedes Jahr eine Bier-Prämie, die dem pro-Kopf-Verbrauch Österreichs entspricht: 110 Liter. Ein Leben lang. Brauerei-Chef Siggi Menz erklärte, das Geschenk sei als »Freudenspender danach« zu verstehen. Stavic bezeichnete sein Tor kurz nach dem Spiel als den wichtigsten Treffer in seiner Karriere. Ob diese Einschätzung unmittelbar mit der Bier-Flatrate zu tun hat, ist nicht überliefert.  

3.
Ein Haus für Rydlewicz

Um die Jahrtausendwende trudelte Hansa Rostock in finanzielle Schwierigkeiten: 1995 hatte Hansa den kleinsten Etat der Liga, dennoch wurde das Ostseestadion neu gebaut. Um den Etat stemmen zu können, mussten vor allem die namhaften Spieler sukzessiv verkauft werden: Neuville, Akpoborie, Agali, Rehmer, Pieckenhagen, Beinlich. Um wenigstens ein paar Perspektivspieler halten zu können, ging Hansa einen Deal ein mit dem Unternehmen ScanHaus Marlow. Der erste Nutznießer hieß René Rydlewicz. Als der 2003 seinen neuen Vertrag unterzeichnete, erhielt er neben seinem Gehalt auch ein 400-Quadratmeter großes Grundstück im Ostseebad Nienhagen, Häuschen inklusive.

Das Domizil ist 200 Meter vom Ufer entfernt, verfügt über eine Sauna und zwei Garagen. »Wir schenken Hansa Rostock in den nächsten fünf Jahren als Sponsorenleistung fünf bis zehn Häuser, je nachdem, wie groß der Verein sie wünscht«, erklärte ScanHaus-Geschäftsführer Friedemann Kunz. Auch Rydlewicz zeigte sich erkenntlich: »Ich kann mir schon sehr gut vorstellen, hier einen großen Teil meines restlichen Lebens zu verbringen.« Hansa Rostock beendete die Saison 2003/2004 auf einem ordentlichen neunten Platz. Am Ende standen zehn Heim- gegenüber zwei Auswärtssiegen. Man fühlte sich ganz offensichtlich wohler zuhause.  

4.
(K)ein Porsche für Neururer


Von Peter Neururer weiß man, dass er ein ambivalentes Verhältnis zu Porsches pflegt. Einerseits fuhr er während seiner Trainerstationen in Saarbrücken und Hannover mit großer Leidenschaft Porsche. Andererseits konnte er glaubhaft sein Bedauern darüber versichern, dass er 1993 nach seinem Rausschmiss in Saarbrücken mit jenem Auto zum Arbeitsamt fuhr – und sich dabei filmen ließ. Ein Porsche spielt auch bei einer Prämie eine Schlüsselrolle: Als Neururer 1990 Schalke vor dem Abstieg aus der zweiten Liga rettete, unterbreitete ihm auf der anschließenden Party die Lebensgefährtin von Schalke-Präsident Günter Eichberg, die vermögende Immobilienhändlerin Christa Paas, ein besonderes Geschenk. Mit den Worten » Jetzt kannst Du von mir alles haben!«, soll sie Neururer in Bierlaune die Schlüssel für ihren Porsche Turbo (150.000 Mark) angeboten haben. Neururer lehnte jedoch ab. Die logische Begründung für das Ausschlagen der Prämie lieferte der Trainer später nach: »Was sollten die Jungs auf der Nordkurve denken, die von ihrem Arbeitslosengeld eine Eintrittskarte gekauft haben, wenn Ihr gutbezahlter Trainer mit einem Porsche vorfährt? Das geht nicht!«

An anderer Stelle zeigte er hingegen sein Verhandlungsgeschick für spezielle Prämien. Eine wohlwollende Klausel auf Schalke beinhaltete eine Beteiligung an den Zuschauereinnahmen: 50 Pfennig pro Stadionbesucher kassierte Neururer. In das alte Parkstadion passten über 60.000 Zuschauer. Als er im November 1991 auf Schalke entlassen wurde, setzte er durch, dass Schalke lebenslang seinen Deckel zahlt: » In den Restaurants von Betreuer Charly Neumann darf ich für lau essen, bis zum Tod«, vertraute Neururer dem »Kölner Express« an.  

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