Wenn Fußballer nach Toren nicht jubeln wollen

Mieses Petting

»Ausgerechnet« Mario Götze hat mit seinem Tor die Niederlage seines Ex-Klubs Borussia Dortmund im Spitzenspiel gegen die Bayern eingeleitet. Selbstverständlich verbat sich Götze anschließend jeder wilden Jubelorgie. Ist das wirklich so selbstverständlich?

Heft#119 10/2011
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Nehmen wir ein Schützenfest. Dort, wo viele Menschen schon gegen 22 Uhr den Kampf gegen den Alkohol verloren haben. Die Bierzelte gleichen Tarantinos »Titty Twister« und die Besucher den Vampiren, deren Köpfe beim ersten Sonnenstrahl explodieren. Und am Autoscooter trifft man mit dem neuen Darling auf den oder die Verflossene – von vor zwei Jahren, zwei Tagen oder zwei Stunden. Die entscheidende Frage dann: wie verhalten? Scheu grüßen, einander vorstellen oder enthemmt losflennen?

Versteinerter Blick, alle Glückwünsche abwehren

Nehmen wir die Bundesliga. Jene Singlebörse, bei der Spieler schon überall mal zum Probeliegen waren. Eric Maxim Choupo-Moting hat beim Hamburger SV gespielt, war an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, wollte nach Köln, dann versagte das Faxgerät – und nun spielt er beim FSV Mainz 05. Der Mann ist erst 22 Jahre alt. Er muss aber schon bei drei Gegnern in der Liga aufpassen, wie er jubelt. Denn mittlerweile gilt es als schwerer Verstoß gegen die guten Sitten, bei einem Tor gegen den Ex-Verein die Arme hochzureißen. Versteinerter Blick, alle Glückwünsche abwehren, tief erschüttert zur Mittellinie traben – der inzwischen nicht mehr ganz so neue Code of Conduct.

Der ja bei Licht besehen eine nicht ganz ehrliche Nummer ist. Denn man tut den Kickern sicher nicht Unrecht, wenn man unterstellt, dass ihnen nach solch einem Tor gar nicht so elend zumute ist, wie es die bedröppelte Miene vermuten lässt. Und dass sich stattdessen die Gemütsverfassung durchaus mit den Versen beschreiben lässt, die die »Ärzte« einst einem vom Weibe verlassenen jungen Mann auf den Leib schneiderten: »Eines Tages werd’ ich mich rächen / Ich werd’ die Herzen aller Mädchen brechen / Dann bin ich ein Star, der in der Zeitung steht / Und dann tut es dir leid, doch dann ist es zu spät.« Nun verlangt niemand, vor der gegnerischen Kurve hämisch den bleichen Allerwertesten zu lüften. Aber erst eiskalt zu vollstrecken, um danach noch schuldbewusster dreinzublicken als Margot Käßmann nachts am Steuer – dafür muss man schon ziemlich abgezockt sein.

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