17.05.2007

Wenn Fußballer klamm werden

„Die Sparkasse wird wahnsinnig“

Fußballer verdienen viel Geld. Trotzdem geraten nicht wenige Profis nach dem Karriereende in finanzielle Schwierigkeiten. Finanzberater Michael Daudert erklärt uns, wie das kommt – und wie es zu verhindern wäre.

Text:
Mark Schürmann
Bild:
Imago
Michael Daudert, Ihr Bruder Christian und Sie haben ein Buch geschrieben, das sich speziell an Fußballprofis richtet. Darin steht, dass jeder vierte Profi beim Karriereende verschuldet ist. Aber Fußballer verdienen doch phantastisch.

Das stimmt, aber mit steigendem Einkommen steigen auch die Ausgaben. Das ist einfach so. Wenn wir anfangen, einen Spieler finanziell zu beraten, sortieren wir seine Unterlagen und schauen, wie viel Vermögen, Kredite und Ertrag er hat. Und wir fragen ihn, was er glaubt, wie viele feste Ausgaben er pro Monat hat. Was meinen Sie, wie genau die Spieler das wissen?

Nicht so genau?


Es ist erschreckend! Plus, minus 10 000 Euro wissen die wenigsten Bescheid. Da kommt so viel zusammen: Viele wohnen zur Miete in einem Haus. Das ist in Städten wie Leverkusen sehr teuer, rechnen wir also 4000 Euro im Monat. Eine gute Sportversicherung für einen Nationalspieler kostet 40 000 bis 45 000 Euro im Jahr. Dann hat der Spieler mindestens zwei Autos, das sind auch nicht die kleinsten, macht pro Auto im Schnitt 1500 Euro im Monat. Meistens sind auch noch ein Hausmädchen, eine Frau und ein Kind da. Und von diesem Level dann nach der Karriere wieder herunterzukommen – das ist extrem schwierig.



Können Leute, die sehr jung sehr viel Geld verdienen, damit nicht umgehen?


Nein, aber das kann man auch gar nicht erwarten. Wenn man mir mit 20 Jahren eine Million in die Hand gedrückt hätte, bin ich auch nicht sicher, ob ich damit klug umgegangen wäre. Der Wissensstand zum Thema Geld ist bei jungen Leuten allgemein eine Katastrophe. Ich finde: Man sollte mindestens ein, zwei Jahre das Schulfach »Geld« belegen müssen. Was macht die Bundesbank, was ist der Leitzins, was ist Inflation, wie stellt man private Einnahmen und Ausgaben gegenüber? Das Einmaleins im Umgang mit Geld.

Wobei die meisten jungen Leute keine Millionen verjubeln können wie Spitzensportler.

Klar. Und wenn in der Zeitung steht: »Hurra, Spieler X unterschreibt einen neuen Vierjahresvertrag beim HSV«, dann gibt es etliche Leute in Deutschland, die versuchen, an diesen Spieler heranzukommen. Sie wissen: Der ist jung, reich und unerfahren, und er hat hoffentlich keinen Finanzberater an seiner Seite, der ihn abschirmt. In dieser Anfangsphase kann ein Spieler Glück haben, dass er an einen einigermaßen seriösen Berater kommt, er kann aber, wie so viele, auch Pech haben und jemanden erwischen, der seine Unwissenheit ausnutzt. Am Ende der Karriere ist dann der Berater reich – nicht der Spieler.

Manch ein Fußballer muss vielleicht besonders an die Hand genommen werden.

Mir saßen schon Spieler gegenüber, die unbedingt für 350 000 Euro ein Rennpferd kaufen wollten, um damit von Rennen zu Rennen zu fahren und angeblich eine Riesen-Rendite zu machen. Aber bei solchen Leuten weiß ich: Der spielt noch ein Jahr auf dem Niveau, dann bricht er sowieso ein. Unter den wirklich erfolgreichen Spielern sind neun von zehn für ihr Alter ziemlich stark gereifte Persönlichkeiten, die genau wissen, was sie wollen. Mit Fußballern zu arbeiten, ist sehr angenehm. Wir haben zum Beispiel Oliver Neuville als Klienten. Solche Spieler sind sehr zuverlässig, loyal und absolut nicht dumm.

Was muss ein Fußballer über Geld wissen?

Er muss lernen, Finanzen zu planen. Wenn er alles kauft, was ihm angeboten wird, hier ein Immobilienfonds, dort ein Schiffsfonds, dazu je nach Lust und Laune eine Beteiligung an regenerativen Energien oder eine Rentenversicherung, dann hat der Spieler nach zwei, drei Jahren keinen Überblick mehr. Man braucht in der Finanzplanung eine Mannschaftsaufstellung mit einer Defensive, also konservativen Anlagen wie einer Lebensversicherung, und einer Offensive, etwa Aktien – und das immer in der je nach Alter und Karriereverlauf richtigen Mischung. Aber das größte Problem sind Schrott-Immobilien.

Sie meinen Fälle wie die früheren Profis Bum-Kun Cha und Ewald Lienen. Oder Martin Schneider, der mit geplatzten Ost-Immobilienfonds gleich zwei Millionen Mark verloren hat?


Ja, aber die Immobilien müssen nicht einmal unseriös sein. Es reicht, wenn Spieler sich Eigentumswohnungen oder Häuser auf Kredit kaufen, und das viele Geld, das sie verdienen, praktisch komplett für die Tilgung draufgeht. Mit Immobilien verdienen die Banken und die Bauträger leichtes Geld, der Bauherr zahlt drauf. Ein Haus für sich selbst zu kaufen, ist für einen Fußballer auch nicht sinnvoll, er wechselt doch sowieso bald wieder den Verein.

Oder das Kreuzband reißt.


Das bedenken sowieso die wenigsten. Die meisten Spieler haben Kreditverträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren, obwohl sie diese Kredite höchstens noch sieben, acht Jahre bedienen können. Mir ist erst ein einziger Spieler begegnet, der sein Geld einfach nur gespart hatte. Der ist 24 und macht die Sparkasse wahnsinnig. Was die schon alles unternommen hat, um sein Geld zu bewegen. Da liegt eine Summe auf dem Sparbuch, da fehlt uns fast das Vorstellungsvermögen. Aber ich finde das super. Es ist allemal besser als kopflose Investitionen und Schulden.

Sind die Spielerfrauen ein Segen oder ein Problem?


Absolut ein Segen. Wir legen Wert darauf, dass sie dabei sind. Denn die Spielerfrauen, die wir kennen, sehen all das viel schneller ein, was wir den Männern versuchen zu erklären.

Es muss für Sie ungeheuer frustrierend sein, wenn einer Ihrer Spieler sich plötzlich doch für zwei Millionen eine Jacht kauft.

Das stimmt allerdings.

Derzeit beraten Sie 35 Spieler. Sagen Sie auch mal: »Na ja, Ersatzbank bei Erzgebirge Aue, das ist für uns nicht interessant?«

Schon. Mit Ausnahme des 1. FC Köln und Hansa Rostock betreuen wir nur Spieler von Erstligisten.

Und zu wem halten Sie samstags?


Für die Vereine, deren Spieler wir betreuen. Manche Spieler schicken uns nach dem Abpfiff auch Kurzberichte per SMS, die wollen, dass wir mitfiebern. Aber so richtig sind wir für Hansa Rostock. Die spielen allerdings erst wieder samstags, wenn sie endlich aus der 2. Liga aufsteigen.
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