27.04.2012

Wenn Deutsche Meister zu viel saufen

»Die Alkohol-Verdunstungsstunde«

Der Meister-Rausch ist noch nicht ausgestanden, da geht's auch schon weiter. Statt weiterzufeiern, muss Borussia Dormund in Kaiserlautern kicken. Das kann übel enden, wie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.

Text:
Christoph Erbelding und Alex Raack
Bild:
Imago

18. Mai 1974
Saison 1973/74, 34. Spieltag
Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München 5:0

Nie war eine 0:5-Pleite schöner! Die Bayern reisten mit der doppelten Dröhnung zum Tabellenzweiten an den Niederrhein: Meister waren sie in der Vorwoche geworden, den Europacup der Landesmeister hatten sie sagenhafte 16 1/2 Stunden (!) vorher geholt. Soll noch einer sagen, die Ronaldos und Messis dieser Welt hätten Terminstress. Die Gladbacher gratulierten im Vorfeld artig und machten mit den bemitleidenswerten Münchnern im Anschluss kurzen Prozess – 4:0 stand es bereits zur Pause. »Wenn man körperlich so down ist wie wir, kann das nicht gutgehen«, schnaufte Keeper Sepp Maier. Erfolgstrainer Udo Latteck blieb ehrlich: »Dieses Spiel war für uns eine Alkohol-Verdunstungsstunde.«

15. Mai 1999
Saison 1998/98, 32. Spieltag
1. FC Nürnberg - FC Bayern München 2:0

Die Bayern hatten sich anno 1999 mit der Meisterschaft beeilt, schließlich stand ein gewisses Endspiel in Barcelona noch vor der Tür. Vier Runden vor Schluss war der Titel im Sack, danach ging es zum Club, der noch ums Überleben kämpfte. Für die Bayern war's nicht mehr als ein munterer Erholungskick. Einigermaßen im Saft stehende Reservekicker wie Sven Scheuer, Ali Daei oder Nisse Johansson durften ran, doch am Ende brannten die Lungen zu heiß, um die späten Gegentore (70., 81.) zu verhindern.

14. Mai 2000
Saison 1999/00, 31. Spieltag. Zweite Bundesliga
1. FC Köln - Karlsruher SC 1:2

Selbst in der Stunde des Triumphes weiß der Effzeh, wie er seine Anhänger zum Kopfschütteln bringen kann. Die Kölner hatten eine Woche zuvor die Rückkehr in die Bundesliga dingfest gemacht, und um das zu feiern, sollte das abgeschlagene Schlusslicht aus Karlsruhe weggefegt werden. Die Badener hatten in 30 Spielen zuvor nur viermal gewonnen, was unter anderem Joachim Löw den Trainer-Job kostete. Köln ging durch Pele Wollitz in Führung, doch nach der Pause wurde es grotesk: Der KSC traf zweimal, stellte die Geißböcke bloß – und stand nach Schlusspfiff dennoch als Absteiger in die Regionalliga fest. Unterm Dom floss das Kölsch hingegen weiter.

15. Mai 2004
Saison 2003/04, 33. Spieltag
Werder Bremen - Bayer Leverkusen 2:6

Besser konnte die Saison aus Bremer Sicht nicht entschieden werden, als mit einem 3:1-Sieg bei Verfolger Bayern München. Mit dem Erfolg im Olympiastadion machten die Norddeutschen die Meisterschaft klar, einen Spieltag später war den Bremern die Dauerparty noch deutlich anzusehen: Gegen Leverkusen standen elf, zum Teil mit grün gefärbten Haaren, und sichtlich angeschossene Werderaner auf dem Platz. Bayer zeigte keine Gnade und schoss den frisch gebackenen Meister mit 6:2 ab. Ernüchterung für die 40.000 im Weserstadion? Nur kurz, dann enterten Tausende den Rasen und lagen sich wieder glücksbesoffen in den Armen.

7. Mai 2011
Saison 2010/11, 33. Spieltag
Werder Bremen - Borussia Dortmund 2:0

Borussia Dortmund tritt als frisch gekürter Meister derangiert auswärts an – das gab es vor einem Jahr schon mal. Damals durften sich die Werderaner gegen hechelnde Titelträger zum Klassenerhalt schießen. Jürgen Klopp war nach Schlusspfiff dennoch zufrieden: »Es ging vor allem darum, uns vernünftig zu präsentieren.« »Das gelang«, antwortete die FAZ seinerzeit Klopp, »aber zu mehr reichte es nicht.«

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