Weltmeister-Knigge in sechs Punkten

Finger weg vom Polenböller!

Philipp Köster präsentiert einen Knigge für die Siegesfeier. Sollte Deutschland am Sonntag tatsächlich Weltmeister werden, klappt es so auch mit der Party danach.

imago

Nur für den Fall, dass am späten Sonntagabend tatsächlich der deutsche Kapitän Philipp Lahm als Erster den Goldpokal anfassen darf, hier ein paar gute Ratschläge für die große Feier danach.

Erstens: Um grundsätzliche Irrtümer zu vermeiden, zunächst einmal vorweg die Klarstellung: Der Sieg gegen Brasilien war noch nicht das Finale. Den Pokal bekommt der, der das Spiel am Sonntag gewinnt. Blöd und ungerecht, aber ist leider so.

Zweitens: Auch wenn Ihnen danach ist, rennen Sie nach dem Schlusspfiff des WM-Finales nicht einfach wild brüllend aus der Kneipe auf die Straße, sondern begleichen Sie erst Ihre Getränkerechnung. Schließlich wollen Sie nicht, dass Ihnen ein übel gelaunter Gastwirt den Rest des Abends hinterherpirscht und Sie um drei Uhr nachts im Polizeigriff zum Bezahlen zwingt.

Drittens und ganz wichtig: Überall auf den Straßen der Hauptstadt werden TV-Teams unterwegs sein, um sogenannte »Stimmen zum Spiel« einzuholen. Es ist keineswegs gesetzlich vorgeschrieben, grenzdebil in die Kamera zu stieren und grunzende Urwaldlaute von sich zu geben. Zumal Freunde, Bekannte und künftige Arbeitgeber sich den launigen Clip sicher gerne auch später noch im Netz anschauen.

Viertens: Meiden Sie überhaupt alles, was Ihren alkoholisierten Aufenthalt auf der Straße später einmal gerichtsfest dokumentieren könnte. Insbesondere, wenn Sie sich gerade entschlossen haben, der morgendlichen Frühschicht mit irgendeiner flauen Krankmeldung (»ägyptische Zipfelgrippe«) fernzubleiben. Auch launige Statusmeldungen auf Facebook mit der Ortsmarke »Fanmeile« sind da wenig dienlich.

Überhaupt fünftens: Wenn Sie den WM-Feiertag nicht ächzend in der überfüllten Notaufnahme des Bezirkskrankenhauses verbringen wollen, feiern Sie den WM-Sieg nicht mit dem Abfeuern der an Silvester übrig gebliebenen Polenböller. Die Anwohner der Gleimstraße in Prenzlauer Berg wurden nach dem Sieg gegen Brasilien nämlich Ohrenzeugen eines handfesten Beziehungskrachs, nachdem er sie durch einen freudig in die Luft geworfenen Kanonenschlag aus Krakauer Fertigung beinahe um die Trommelfelle gebracht hätte.

Sechstens: Bei einem Autokorso über die großen Ausfallstraßen sollte man nur mitmachen, wenn die Karre noch genug Sprit hat und man in die Richtung muss. Sonst kreist man irgendwann stundenlang stumpf auf die Hupe drückend um einen öden Kreisverkehr in Hellersdorf und muss ständig aufpassen, dass man nicht aus Versehen einen Honk überrollt, der lattenstramm aus dem vorausfahrenden Cabrio gefallen ist.

Wenn Sie all das beherzigen, sind Sie bestens gerüstet für den deutschen WM-Sieg. Trotz der grassierenden Zipfelgrippe.

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