Welke, Preetz und Bierhoff über die Spiele ihres Lebens

»Wie Wasserdampf in der Waschküche«

Im neuen Buch »Die 100 besten Spiele aller Zeiten« der 11FREUNDE-Kollegen Tim Jürgens und Philipp Köster erinnern sich auch acht Prominente an ihr größtes Spiel. Lest heute die Erinnerungen von Oliver Welke, Michael Preetz und Oliver Bierhoff. Welke, Preetz und Bierhoff über die Spiele ihres Lebens

Michael Preetz, Manager Hertha BSC Berlin
Hertha BSC Berlin – FC Barcelona 1:1 (1:1)
23.11.1999, Champions League, 2. Gruppenphase, 1. Spieltag
Stadion: Olympiastadion, Berlin

Zugegeben, unser Heimspiel gegen Barca war fussballerisch keine Partie für die Geschichtsbücher, dennoch wird es unvergesslich bleiben. Bis heute könnte ich behaupten, dass wir gegen die Katalanen mit Stars wie Figo oder Patrick Kluivert Weltklasse waren, niemand könnte das Gegenteil beweisen – denn es hat doch kein Mensch wirklich gesehen. Der Nebel stand im Stadion wie der Wasserdampf in einer Waschküche. Die Regel, dass nur angepfiffen werden darf, wenn man von einem Tor aus das andere sehen kann, war ausser Kraft gesetzt. Ich stand am Mittelkreis und versuchte, im Dickicht eines der beiden Gehäuse auszumachen. Keine Chance! Meine Mitspieler schlugen Flanken auf gut Glück, die Bälle schossen im Strafraum aus dem Dunst auf mich zu. Die Zuschauer wurden später wegen der katastrophalen Sichtverhältnisse sogar entschädigt. Für mich markiert das Nebelmatch dennoch einen Höhepunkt meiner Laufbahn: Das erste Mal spielten wir mit Hertha BSC in der Champions League, wir setzten uns in der Vorrunde gegen Galatasaray Istanbul, FC Chelsea und den AC Mailand durch – und ich war amtierender Bundesliga-Torschützenkönig.

Oliver Welke, TV-Moderator und Comedian
Borussia Dortmund – Hamburger SV 2:0 (2:0)
17.06.1995, Bundesliga, 34. Spieltag
Stadion: Westfalenstadion, Dortmund

Dortmunds letztes Spiel in der Meistersaison 94/95. Ich stand als Student mit einigen Freunden auf der Südtribüne. Sogenannte »Weltempfänger« – selbst 1995 nicht wirklich Hightech – informierten parallel über die Bemühungen des SV Werder im Fernduell um den Titel. Was mich anfangs noch verwirrte, weil das Raunen auf den Rängen oft gar nicht zum Spiel passen wollte. Irgendwann hatte ich das Prinzip dann verstanden. Nach dem 2:0 war sowieso nur noch Lärm. Meine Kommilitonen hatte ich längst verloren, dafür schluchzte mir ein fremder, bärtiger Mann minutenlang ins Ohr. Bis heute hoffe ich, dass das, was auf seinem Parka klebte, nur Erbsensuppe war. Mit dem Schlusspfiff wurden alle von der Tribüne auf den Platz gedrückt – zum gemeinsamen Meisterrasenpflücken. Ein paar Fans versuchten sogar, eins der Tore als Andenken rauszutragen, was aber von überkorrekten Ordnern verhindert wurde. Ein unvergesslicher Nachmittag. Und ich war noch früh genug wieder in Münster, um Werner Hansch in »ran« sagen zu hören: »Dat is so wichtig für die Region.«

Oliver Bierhoff, Europameister
Deutschland – Tschechien 2:1 n. V. (0:0, 1:1)
30.06.1996, Europameisterschaft, Finale
Stadion: Wembleystadion, London

Sicher wird es jeder von mir erwarten: Natürlich war das EM-Finale 1996 im Londoner Wembleystadion für mich »das Spiel meines Lebens«. Ein EM-Endspiel für mein Land mit zwei Toren zu entscheiden, war ein grossartiges Gefühl: kurz nach meiner Einwechslung erst den Ausgleich erzielt und dann in der Verlängerung das Golden Goal – es werden immer unvergessliche Momente bleiben. Eigentlich hatte ich vor dem Anpfiff gar nicht damit gerechnet, im Spiel eingewechselt zu werden. Denn wir waren Favorit und wenn ein Team mal in Führung liegt, dann sind die Chancen eines Stürmers nicht so gross, zum Zug zu kommen. Zuerst war ich noch ziemlich sauer, dass der Trainer nach dem 0:1 so lange mit einer Einwechslung gewartet hatte. Dann habe ich aber nicht mehr viel nachgedacht und mich einfach vorn reingeworfen. Was sich bei mir im Unterbewusstsein bei dem Golden Goal abgespielt hat, weiss ich bis heute nicht. Es war das einzige Spiel in meiner ganzen Karriere, bei dem ich mein Trikot ausgezogen habe...


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100Deutschland gegen Italien 1970, Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden 1986, Charlton Athletic gegen Huddersfield Town 1957 – große Fußballspiele lassen die Zeit still stehen und brennen sich ein ins kollektive Gedächtnis.

Die obigen Texte stammen aus dem Buch »Die 100 besten Spiele aller Zeiten« (Tim Jürgens und Philipp Köster), das kürzlich im Südwest Verlag erschienen ist. Mehr Infos und Bestellmöglichkeiten auf der Verlags-Homepage.

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