Welche Klubs schon vor der Saison Titel geholt haben

Angriff der Meisterkrieger

Schon vor dem ersten Spieltag werden Meistertitel wie Lutschbonbons verteilt: Der 1. FC Köln ist Social-Media-Meister, der FC Bayern ist Vegetariermeister und Fanshop-Meister. Es wird Zeit, dass die Bundesliga wieder losgeht. Welche Klubs schon vor der Saison Titel geholt habenimago

Schon Stefan Effenberg wusste, dass im Fußball nur eine Sache wichtig ist: die Schale. Als die Sat1-Sendung »ran« im Jahr 2000 den sogenannten »Fuxx« für den besten Spieler der Saison an Bayer Leverkusens Emerson überreichte, polterte der Tiger: »Die Meisterschaft ist viel mehr wert als dieses Scheiß-X da!« Effenberg eben. Doch was tut eigentlich ein Verein, der nicht mal ein Scheiß-X gewinnt? Ein Fußballklub, bei dem Spieler tagtäglich durch eine verwaiste und verstaubte Geschäftsstelle trotten und sich irgendwann fragen, worum es im Fußball eigentlich noch mal geht.

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Sie treten die Flucht nach vorne an und freuen sich grundehrlich über die kleinen Erfolge. Ein Halbfinale im Hallenturnier bei Wismar, am Ende einer Saison eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte, eine Teilnahme-Urkunde beim Lothar-Woelk-Gedächtnis-Cup oder ein Erfolg bei irgendeinem Fantasie-Ranking im Internet.

»Die Geilsten! Nicht ManU oder die Nationalelf, sondern Hoffenheim«

Bei der TSG 1899 Hoffenheim hat man sich etwa stolz den Bravo Otto aus dem Jahr 2008 in eine Vitrine gestellt. Er ist der vergoldete Beweis für eine Zeit, in der Ralf Rangnick und sein Team der Bundesliga den Fußball neu erklärten. Als die Jugendzeitschrift den Preis verlieh, jubelte sie: »Die Geilsten! Nicht ManU, nicht Bayern oder die Nationalelf, sondern Hoffenheim ist euer Team des Jahres. Klar, dass Demba Ba & Co. jetzt heiß auf weitere Titel sind!« Weitere Titel gab es allerdings nicht und so steht Otto bis heute ziemlich alleine in Zuzenhausen.

Beim 1. FC Köln sieht die Sache ein wenig anders aus. Der Klub feierte große Erfolge in den sechziger und siebziger Jahren, doch seit der letzten Meisterschaften vor 33 Jahren geht nicht mehr viel. Seit 1978 erreichte der Klub ein paar zweite Plätze, gewann Zweitligameisterschaften oder Hallenpokale. Gestern dann horchten die Trophäenarchivare auf: Der 1. FC Köln wurde von der Global Communications Agency Lewis zum Meister gekürt. Zum Social-Media-Meister. Dieser Titel errechnet sich in einer höchst komplizierten Auswertung, für die hier ein 392-Seiten-Appendix vonnöten wäre, das wir uns aus Zeitgründen sparen. Was zählt, ist das: Meister! Meister in Sachen Social Media. Man hört den Jubel aus dem Geißbockheim noch heute nachhallen. 

Die Ernüchterung folgte allerdings prompt. Es stellte sich heraus, dass es für diesen Titel keinen Pokal geben wird. Zu allem Überfluss kam der Münchener Merkur auch noch mit der Information um die Ecke, dass der FC Bayern mit über 1,7 Millionen Freunden weiterhin Facebook-Meister und Werder Bremen mit über 19.000 Followern Twitter-Meister ist.

Werder ist Twittermeister, der FC Bayern Vegetariermeister

Sowieso räumt der FC Bayern auch abseits des normalen Bundesligabetriebs gut ab. Gemeinsam mit dem TSV 1860 München wurde er kürzlich zum Vegetariermeister ernannt. Wie die Tier-Organisation Peta herausfand, ist die Allianz Arena das vegetariererfreundlichste Stadion Deutschlands. Wobei fleischloses Essen hier nicht Tofu und Sojawürste meint, sondern schlichtweg eine breite und fettige Auswahl an Pommes, Pizza, Brezeln, Apfeltaschen, Donuts und Muffins.

Darüber hinaus verbuchte der FC Bayern vor und während der Sommerpause folgende Erfolge: Die Webseite getestet.de kürte die Bayern zum Fanshop-Meister und 11FREUNDE bestimmte sie zum Trikotmeister.

Morgen Abend, zum Bundesligastart, treffen zwei Mannschaften aufeinander, die in all diesen Meister-Rankings leer ausgegangen sind. Immerhin: Der HSV kann sich immer noch Dino der Bundesliga nennen und Borussia Dortmund ist der amtierende Deutsche Fußballmeister. Ist doch auch was.

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