Weil's weitergeht
18.04.2011

Weil's weitergeht

Die Bundesliga in den Blogs (30)

Oben alles klar, die Liga gratuliert dem BVB schon mal zur Meisterschaft. Unten dagegen alles drin, für alle zwischen Bremen und Gladbach. Wer Chancen auf was hat? Die 11FREUNDE-Blogschau behält die Übersicht.

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Dortmund – Freiburg 3:0

»Besser geht es nicht«, jubelt schwatzgelb.de. »Auf einmal sind alle diese Zweifel verpufft. Verkürzt sich der Rückstand auf zwei Punkte? Könnte Leverkusen noch an uns vorbei ziehen? Hätte, wenn und aber. Alles Quatsch. Freiburg hatte die drei Punkte nicht einmal angefasst.« Acht Punkte Vorsprung. Noch vier Spiele. Könnte klappen. Doch der hartgesottene BVB-Fan kann ja ohnehin auch gut ohne die Meisterschaft leben, wie Hamburg Schwarz-Gelb vor einigen Tagen ausführte. »Ich brauche diesen Titel nicht, um glücklich zu sein. Er wäre die Sahne auf dieser Saison, aber er ist nicht die Basis die uns Fans zusammenhält. Ja, ich wäre auch gerne Meister, keine Frage. Aber mir ist heute Morgen einfach noch mal klar geworden, wie unwichtig das eigentlich ist. Wir haben eine Mannschaft, die super Fußball spielt, jung ist, sich mit dem Verein identifiziert, einen Trainer den man wohl nur einmal im Fußball-Leben bekommt und wir sind eine Einheit zwischen Fans und Mannschaft, auch wenn diese so langsam Risse bekommt.«



Bayern – Bayer 5:1

»München wie es war, München wie es ist« titelt das Fernglas FCB nach dem torreichen Sonntag. »5:1 gegen Bayer Leverkusen! Wer hätte das gedacht?! Die Voraussetzungen vor diesem Spiel waren aus Bayern-Sicht alles andere als gut. Ein Blick auf die Statistik der vergangenen Jahrzehnte zeigt aber auch, dass Bayer 04 Leverkusen schon desöfteren derbe Klatschen in München kassierte – und es auch damals schon zur Halbzeit für die Gäste gelaufen war: 08.08.1981 Bayern – Leverkusen 6:2 (5:1). 04.09.1982 Bayern – Leverkusen 5:0 (3:0). Tja, so war's dann auch am vergangenen Sonntag.«

catenaccio schreibt über den Auftritt der Leverkusener: »Es war eine Wortschöpfung, die die Situation unserer Werkself in München nicht besser hätte beschreiben können: ›… abseitser geht nicht!‹ Auch blamabliger, wenigermitspieliger, nurzuschauiger oder schlicht harmlosiger hätte gepasst, an diesem Tag…« Doch weil Bayer nach wie vor Zweiter und damit auf direktem Qualifikationskurs für die Champions League ist, kommt der Autor zu einem mehr als versöhnlichen Fazit: »Wenn wir immer Champions League spielen und uns dabei einmal in der Saison richtig blamieren – hab ich damit kein Problem! … Eine klasse Saison geht einem geilen Ende entgegen!«

Bremen – Schalke 1:1

»Der Alltagstest ist bestanden«, schreibt der Schalkefan zufrieden. »Auch in einem Spiel, in dem es für Schalke um nichts ging, präsentierte sich die Mannschaft unter Ralf Rangnick spielfreudig, spritzig und engagiert.« Besonders erfreulich aus Sicht des Autors, da die vermeintlichen Fehleinkäufe überzeugten: »Annan, der klein gewachsene Kopfballheld im Mittelfeld; Charisteas, der im Dribbling erstaunlich trickreiche Stoßstürmer mir Drang auf die Flügel und Avelar? Naja, zumindest in der Abwehr ließ er weitaus weniger anbrennen als Lukas Schmitz an schwachen Tagen auf derselben Position.« Und auch Uchida werde immer besser, heißt es weiter. »Seine Flanke nach einer guten Viertelstunde auf den zentral lauernden Raúl … steht sinnbildlich für den ›neuen Uschi‹, dessen Hereingaben mit fortlaufender Dauer der Saison immer präziser werden.« Und Web 0.4 gibt via Twitter-Zitat noch das Schalker Motto für die nächsten Wochen aus: »Wir scheißen auf die Meisterschaft, wir scheißen auf die Schale, wir sind der FC Schalke und wir holen zwei Pokale!«

HSV – HSV 0:0

NedsBlog (HSV Nord) fasst den trostlosen Kick kurz zusammen: »Das Spiel war nicht gut. Unser drittes Unentschieden in Folge. Nur ein Tor in den letzten 3 Spielen, 8 Torschüsse im Schnitt. Das ist zu wenig.« Das Fanmagazin (HSV Süd) zeigt, wie man es auch sehen kann: »Ein ordentliches Auswärtsspiel. Mit deutlicher Steigerung zu den letzten beiden Auswärtsspielen. Da hat es sich wohl gelohnt, defensiver anzutreten, an guten Torchancen hat es dennoch nicht gefehlt. Und das war es halt: Sie haben die Torchancen nicht verwandelt. Schade, aber da kann man eben nichts machen. Passiert eben.«

Und sonst so?

Trotz 1:0-Heimsiegs gegen Frankfurt nimmt man in der Hoffenheimer Akademie endgültig Abschied von der Begeisterung. »Eher glauben wir, dass wir jetzt Hoffenheim 2.0 erleben. Denn Hoffenheim 1.0 ist tot. Und wie tot, sah man vor allem in der 1. Halbzeit, wo man von unserer Mannschaft nichts sah. Nur Starke rettete dreimal spektakulär. Wäre das nicht gewesen, die Mannschaft hätte wohl ein gellendes Schnarchkonzert in die Pause begleitet. So war man wenigstens wach genug zu pfeifen.« Und das hat nach Ansicht des Verfassers auch mit dem Trainer zu tun: »Zu Beginn der 2. Halbzeit gab es dann wieder Pezzaiuoli classico. Hatten wir schon nicht die Aufstellung verstanden (warum spielt ein Weis, der am Montag operiert wird, und kein Firmino, der dringend Spielpraxis braucht?), verstanden wir seine Einwechslung noch weniger: Sigurdsson für Rudy.«

»Borussia ist beschissen worden und hat sich gleichzeitig mal wieder selbst beschissen.« So fällt die Bilanz von Entscheidend is aufm Platz über die 0:1-Niederlage der Gladbacher in Mainz aus. Das Problem: Nachlegen ist nicht. »Bis auf ein noch immer nicht zu fassendes 5:1 im Derby hat es die Borussia in den entscheidenden Spielen nie geschafft, sich erfolgreich zu wehren. In den sieben Spielen nach Siegen gab es einen einzigen Punktgewinn, 7:17 Tore. Solange es jedoch Beispiele gibt, in denen Gladbach persönlich aller Unmöglichkeit getrotzt hat, wäre es fahrlässig, jetzt schon endgültig aufzugeben.«

Köln muss nach dem 1:3 gegen Stuttgart doch noch einmal zittern – und in der Stadt ist schon unter der Woche eine Trainerdiskussion losgegangen, »wie es nicht einzigartiger sein kann«, wie der FC-Blog kritisiert. Über wen diskutiert wird? »Über den Trainer, der aus einen inhomogen und leblosen Kader eine halbwegs taugliche Mannschaft formte. Über den Trainer, der uns vom beängstigten 18. Platz der Liga auf Platz 11 hob. Über den Trainer, der aus 5 Punkten 35 machte… Über den Trainer, der uns eine famose Heimserie von 7 Siegen hintereinander bescherte. Über den Trainer, der es endlich schaffte aus den Charakteren Novakovic und Podolski den gefährlichsten Sturm der Liga zu formen... Über den Trainer, der bereits zur Winterpause im Einvernehmen mit den Verantwortlichen regelte, dass eine Vertragsverlängerung erst nach dem gesicherten Klassenerhalt erörtert wird.«

2:2 spielte St. Pauli in Wolfsburg – wegen eines Gegentors zwei Minuten vor Schluss. Vielleicht der Anfang vom endgültigen Ende der Erstligaträume. Bei Santa Pauli mischt sich dennoch Stolz in die Trauer: »Wenn ich höre, wie die Wolfsburger singen ›Wir sind Wolfsburger und Ihr nicht!‹ sage ich GOTTSEIDANK! Ich will kein Stadion, in dem der Stadionsprecher Stimmung macht, in dem man erst hört, dass Wolfsburger da sind, wenn ein Tor fällt. Ich will genau diese Boys in Brown, die nach all dem Zirkus und Theater heute gekämpft haben mit allen Mitteln und es beinahe geschafft hätten, ein großes Stück an dem Geschenk, dass sie Stani zum Abschied machen wollen, weiterzuarbeiten.«

»Unglaublich!« findet der Glubb-Blog den 2:0-Auswärtssieg der Nürnberger beim 1. FC Kaiserslautern. Ausrufezeichen haben Konjunktur in Franken: »Mit dem 500. Clubtor in der Ferne (Eigler) haben wir heute Auswärtspunkt Nr. 400, 401 und 402 geholt!! Der Glubb war von Anfang an Herr auf dem Platz, und diese Stellung hat er über 90 Minuten nicht mehr abgegeben! Riesenjubel! Ekstase!«

Das 11FREUNDE-Fazit:

Diese Saison scheint die Regel zu bestätigen: Unten ist meist länger spannend als oben. Was im Normalfall daran liegt, dass oben der FCB irgendwann zwischen 28. und 31. Spieltag die Meisterschaft sichert (und im Ausnahmefall eben der BVB). Außerdem ist mit der Wiedereinführung des Relegationsplatzes unten nun noch unberechenbarer geworden. Deshalb hat sogar Gladbach noch Chancen auf den Klassenerhalt. Und Köln auch wieder auf den Abstieg, wo ja derzeit mehr diskutiert als Fußball gespielt wird. Entscheidet am Ende doch der richtige Glaube über Wohl und Wehe, wie der rheinische Boulevard ja schon unkt? Man mag es nicht beurteilen. Stellen wir uns aber auf vier Spieltage ein, die auch ohne das übliche Pay-TV-Gekreische an Spannung kaum zu überbieten sein werden – einfach weil's Fußball ist. Und am Ende weinen dann zwei oder vielleicht auch drei. Weil's vorbei ist. Und weitergeht.

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