19.06.2012

Wayne Rooney kehrt zurück ins englische Nationalteam

Der Sohn des Preisboxers

In den ersten beiden Spielen war Wayne Rooney gesperrt, nun, vor dem entscheidenden Spiel gegen die Ukraine, kehrt er ins englische Team zurück. Ein weiterer Neustart einer stockenden Karriere.

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Imago

Welch ein Tor! Gerade hat Danny Welbeck das 3:2 für England gegen Schweden geschossen, volley, per Hacke – und das Schönste: Wahrscheinlich war es sogar Absicht.

Nur die Älteren können sich entsinnen, dass ein Engländer überhaupt einmal etwas derart Raffiniertes mit einem Ball angestellt hat. 16 Jahre ist das her, auf den Tag genau: Am 15. Juni 1996 schoss Paul Gascoigne bei der EM im eigenen Land das 2:0 gegen Schottland, Annahme, Heber über den verdutzten Abwehrspieler Colin Hendry, der strauchelt, Direktabnahme – welch ein Tor!

Beide Male bebte das Stadion erst mit einer Zehntelsekunde Verzögerung, die Zuschauer hielten den Atem an, denn sie brauchten einen Moment, um zu verstehen, dass etwas so schön sein kann und sich gleichzeitig in eine schnöde Zahl umwandeln lässt.

Und als der Jubel schließlich losbrach in Kiew, 16 Jahre später als in London, stand ein junger Mann auf der Tribüne und weinte, ohne es zu wissen. Es war der Moment, da England den Stolz auf seine Nationalmannschaft wiederentdeckte. Und Wayne Rooney konnte nur zuschauen. Er klatschte in die Hände, abwesend, drei-, vielleicht viermal. Dann setzte er sich wieder.

Eigentlich hätte er dieses Tor schießen und so Paul Gascoignes Geniestreich zitieren müssen. Schließlich gilt er als dessen Nachfolger auf dem Thron des Volkstribuns im englischen Fußball. Wie »Gazza« ist »Roo« ein prototypischer »Lad«, ein Bursche aus der Unterschicht, der mit mehr Willen als Talent die Widerstände gebrochen hat, die ihm das Leben und der Fußball entgegensetzten. Einer, der aussieht wie seine eigenen Fans, so gar nicht nach Leistungssportler, stiernackig, früh vergreist, und wenn er seinen Ausgehanzug trägt, mutet er an wie ein Hooligan, der vor Gericht erscheinen muss.

Auf seine Haut ließ er sich den Schriftzug »Just Enough Education To Perform« tätowieren – »Gerade genug Bildung, um zu funktionieren«. Mehr war nicht drin: Wayne Rooneys Kindheit war rau, sein Vater Thomas verdiente sein Geld als Preisboxer, er hatte offenbar sein Hobby zum Beruf gemacht. Einmal trug der kleine Wayne das Kostüm des Everton-Maskottchens, im Derby gegen den FC Liverpool. Da war er elf Jahre alt, und alle dachten, weiter würde er es nicht bringen.

Wird die EM doch noch sein Turnier?

 
 
 
 
 
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