Was wurde aus den Super-Eagles?
07.05.2007

Was wurde aus den Super-Eagles?

Unter einem schlechten Stern

Im aktuellen 11FREUNDE-Heft erinnern wir an den berauschenden Olympiasieg der nigerianischen Nationalmannschaft im Jahre 1996. Doch was wurde aus den Helden von einst? Hier zeichnen wir ihre verworrenen Wege nach.

Text:
Tobias Börner
Bild:
Imago
Taribo West

Der Defensivkünstler mit der eigenwilligen Haarfrisur mutierte nach dem Olympiasieg zum vagabundierenden Wandervogel. Seine Odyssee durch die europäischen Topligen begann 1997 mit dem Wechsel von AJ Auxerre zu Inter Mailand, mit denen er im selben Jahr den Uefa-Cup holte. Nach einem kurzen Gastspiel beim Stadtrivalen AC Milan wechselte West in die Premiere League zu Derby County. Anschließend bestückte er für zwölf Partien die Viererkette des 1.FC Kaiserslautern. In den folgenden Spielzeiten tauchte sein Name im Kader von Partizan Belgrad und dem katarischen Wüstenklub Al-Arabi Doha auf, ohne dass daraus ein längeres Engagement wurde. Seine Karriere endete 2005 weitab vom Ruhm vergangener Zeiten in der englischen First Division bei Plymouth Argyle. Heute tritt West gelegentlich noch für den nigerianischen Ausbilderverein FC Julius Berger gegen den Ball.



Nwankwo Kanu

Kaum zu glauben: Der mittlerweile 30-jährige Angreifer steht immer noch im Kader der nigerianischen Nationalmannschaft. Erst kürzlich bescherte er mit seinem Treffer gegen Uganda dem neuen Chefcoach Vogts einen Einstand nach Maß. Im Gegensatz zum Gros seiner Kollegen steigerte sich Kanus Marktwert nach dem olympischen Triumph stetig weiter. Mit Inter Mailand holte „Afrikas Fußballer des Jahres 1996“ gemeinsam mit Kumpel West den UEFA-Cup. Nachdem aber der Vereinsarzt des Mailänder Spitzenklubs einen Herzfehler diagnostiziert hatte, wurde Kanu 1999 zu Arsenal London abgeschoben. Unter Arsene Wenger gelang ihm dort ein mehr als achtbares Comeback mit zwei englischen Meistertiteln und der krönenden WM-Teilnahme 2002. Heute geht Kanu, der gemeinhin als erfolgreichster Spieler des schwarzen Kontinents gilt, für den englischen FC Portsmouth auf Torejagd.


Emmanuel Amunike


Nach dem Gewinn der Goldmedaille wurden Scouts des FC Barcelona auf Nigerias Wunderstürmer aufmerksam. Seine Zeit im „Barça“-Trikot stand allerdings unter keinem guten Stern. Erst stoppte ihn eine schwere Knieverletzung, dann bemühte er sich vergeblich um Anschluss im Teamgefüge. In der Saison 99/00 löste er nach nur 19 Einsätzen seinen Vertrag bei den Katalanen frustriert auf und wechselte zu Albacete Balompié in die Segunda Division. Sein Karriere beendete Amunike 2004 beim jordanischen Verein Al-Wet, um noch im selben Jahr sein Comeback anzukündigen, welches bis heute nicht eingetreten ist. Zuletzt trat der 36-jährige Amunike in einem Werbespot für einen französischen Autohersteller in Spanien in Erscheinung. Darin nimmt er seinen ausbleibenden Erfolg beim FC Barcelona auf die Schippe.


Jay-Jay Okocha

Der begnadete Dribbler und »Tor des Jahres«-Schütze von 1993 beendete seine Karriere im Dress der »Super Eagles« vor etwas mehr als einem Jahr. Nach dem Olympiasieg und dem Abstieg von Eintracht Frankfurt brach Okocha seine Zelte in Deutschland ab und wechselte zum türkischen Renommierklub Fenerbahçe Istanbul. Zwei Jahre später holte ihn Paris St. Germain für 22 Millionen Euro an die Seine, wo »Jay-Jay« seinen gefürchteten Dribbelkünsten Ausdruck verlieh. Anschließend folgten vier Jahre in der englischen Premiere League, wo er die Gegner der Bolton Wanderers schwindelig spielte. Sein Karriereende fand Okocha, wie so viele seiner Kollegen, im ölgetränkten Wüstensand des Emirats Katar.


Victor Ikpeba

Seine Glanzzeit hatte der heute 34jährige Ikpeba wohl im Trikot des AS Monaco, wo an der Seite von Thierry Henry und Fabien Barthez bis ins Halbfinale der Champions League vorstieß. Nach dem olympischen Triumph trat er 1997 die Nachfolge von Kanu als »Afrikas Fußballer des Jahres« an und war auf dem besten Wege, einer der bedeutendsten Fußballer Afrikas zu werden. Doch seine Zeit bei Borussia Dortmund läutete seinen Absturz ein. Auf dem Rasen des Westfalenstadion blieb der sonst so kreativ auftretende Ikpeba meist erschreckend blass. Auch bei Betis Sevilla, seiner nächsten Station, hinkte Ikpeba dem Glanz früherer Zeiten hinterher, wo der einstige Star der »Super Eagles« auf magere drei Einsätze brachte. Es folgten Arbeitsverträge in Saudi-Arabien, Belgien und letztlich Katar, wo er 2005 seine Karriere beendete. Nach seiner aktiven Zeit zog es Victor Ikpeba an die Wurzeln seiner größten Erfolge zurück. Er residiert seit zwei Jahren an der Küste des Fürstentums Monaco.


Daniel Amokachi

Den frischgebackenen FA-Cup Sieger im Dress des FC Everton zog es nach dem Triumph in Atlanta zum türkischen Meister Besiktas Istanbul. Eine Karriere als Musterprofi par excellence schien vorgezeichnet, als ihn eine Reihe mysteriöser Verletzungen heimsuchte. 1999 fiel Amokachi, schon als Neuverpflichtung bei 1860 München vorgestellt, durch den medizinischen Gesundheitscheck und wurde vom Vereinsarzt mit einer sofortigen Vertragsauflösung bedacht. Ähnliches widerfuhr ihm auch beim englischen Klub Tranmere Rovers sowie beim US-Major-Ligisten Colorado Rapids. Vom Frust des abrupten Karriereende gezeichnet, sattelte Daniel Amokachi um und startete eine zweite Laufbahn als Anwalt der New Yorker School of Law. Zwischendurch schlüpfte Amokachi noch in das Trikot seines nigerianischen Heimatvereins »Nasarawa United«. Der Gewinn der Olympiamedaille blieb allerdings der einzige Höhepunkt in seiner sportlichen Karriere.


Sunday Oliseh

Der Olympiasieger Oliseh folgte dem Ruf seines Entdeckers Morten Olsen und wechselte 1997 vom kriselnden 1.FC Köln zum niederländischen Dauermeister Ajax Amsterdam. Mit den »Ajacieden« wurde Oliseh auf Anhieb Meister und sah sich zwei Jahre später bereit für den Sprung in die italienische Serie A. Nach einer völlig verkorksten Spielzeit bei Juventus Turin schlüpfte der einstige Star der »Super-Eagles« reumütig ins Trikot von Borussia Dortmund und erlebte dort eine weitere sportliche Enttäuschung. Ähnlich wie Landsmann Ikpeba fand Oliseh kaum Anschluss an das Team und wurde 2002 an den VfL Bochum abgeschoben. Hier bastelte der Nigerianer fleißig weiter an seinem schlechten Image, als er seinem Bochumer Mitspieler Hashemian in der Kabine die Nase zertrümmerte. Ein Fauxpas, der ihm gleichzeitig die Suspendierung der Bochumer einbrachte. Um Abstand zu gewinnen, flüchtete Oliseh zum belgischen Erstligist KRC Genk. Nach einer Reihe rudimentärer Einwechslungen löste der Nigerianer auch hier seinen Vertrag auf und beendete im Frühjahr 2006 endgültig seine aktive Karriere. Olisehs kurzzeitiges Engagement als Sportkoordinator des belgischen Zweitligisten KAS Eupen blieb ebenso myteriös wie die wahre Ursache für sein Leistungstief im neuen Jahrtausend. Sunday Oliseh lebt heute in Belgien.


Trainer Jo Bonfrere

Auch für Coach Johannes »Jo« Bonfrere bedeutete der olympische Triumph mit den »Super Eagles« den Zenit seiner Trainerkarriere. Obwohl die taktische Leistung des Niederländers in Fachkreisen auf große Anerkennung stieß, blieben ernstzunehmende Angebote von europäischen Spitzenklubs aus. Stattdessen heuerte Bonfrere beim ägyptischen Verein Al-Ahly in Kairo an. Als der Verein das Saisonfinale und damit die ägyptische Meisterschaft verlor, war auch für ihn der Traum einer großen Trainerkarriere geplatzt. Erst Jahre später gelang ihm ein unerwartetes Comeback als Coach der südkoreanischen Nationalelf, mit der er sich erfolgreich für die WM 2006 in Deutschland qualifizierte. Allerdings hielten die Verantwortlichen des südkoreanischen Verbands Bonfrere nicht für befähigt genug, diese Mannschaft auch erfolgreich durch das WM-Turnier zu begleiten. Aus endlosen Querelen mit Medienvertretern und den fanatischen Fans der Südkoreaner zog Bonfrere Anfang 2006 die Konsequenz und erklärte seinen sofortigen Rücktritt. Statt zur WM fuhr Bonfrere nach China und wurde Coach des aufstrebenden Erstligisten FC Dalian Shide.



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