Was vom Finale bleibt

Große Helden, kleine Schweine

Nun ist das Super-Finale 2013 vorbei. Und sind wir mal ehrlich: Ein bisschen freuen wir uns alle darüber. Doch was bleibt eigentlich hängen vom Abend in Wembley? Ein Blick zurück.

Rollenspiel für Laiendarsteller
Glückwunsch Uefa, eigentlich habt ihr den meisten Zuschauern schon vor dem Anpfiff die Lust am Champions-League-Finale geraubt. Oder welche Wirkung sollte diese bizarre Völkerschlacht auf dem Rasen entfalten? Dass dieses peinliche Kriegsszenario vor einem Finale zweier deutscher Mannschaften seinen Lauf nimmt, können wir ja noch als Seitenhieb akzeptieren. Dass ihr nur wenige Tage nach dem tödlichen Axtangriff auf einen britischen Soldaten, eine Horde hilfloser Volunteers im staatseigenen Wohnzimmer zu einem Kampf mit Klinge, Pfeil und Bogen schickt, ist jedoch reichlich geschmacklos. Ja, wir wissen, der Planungsaufwand war enorm, da lässt man so etwas nicht einfach ausfallen. Aber vielleicht schaut ihr euch den ganzen Horrorfilm noch einmal an: Die Kämpfer, die aussahen wie Oma Erna und Onkel Harry nebenan. Die Gummipfeile, die ins Nichts geschossen wurden. Die C64-Animationen, bei denen einmarschierende Horden auf Wembley marschierten. Das finale, 8-sekündige Schwertduell im Mittelkreis ohne Sieger. Und. Und. Und. Ach ja, und setzt schon mal ein Entschuldigungsschreiben für Paul Breitner und Lars Ricken auf, denn die beiden Granden werden nun nämlich auf Lebzeit auf ihren Auftritt als Kreuzritter angesprochen werden. Wir haben die Interviewanfragen bereits versendet.

We can be heroes, just for one day
Jedes Finale hat seine Helden. Doch diese Endspiel hat gleich drei – nur dumm , dass lediglich zwei davon lachend vom Platz gehen konnten. Was Roman Weidenfeller an diesem Abend an Großchancen vereitelte war so großartig, dass sich selbst Nationaltrainer Joachim Löw kein Lob mehr verkneifen konnte. Blöd für Weifenfeller ist allerdings, dass auch Manuel Neuer auf der Gegenseite ganz großes Kino bot. Er allein hielt Bayern in der ersten halben Stunde im Spiel und durfte danach trotz einst ausgesprochenem Jubelverbot vor den Bayern-Fans den Pott hochleben lassen. Über den dritten Helden wird an anderer Stelle noch zu sprechen sein.

Schwein sein
Trotz zahlloser Jubelarien auf den achso modernen Fußball, den beide Mannschaften in Wembley boten, bleibt auch die Erkenntnis, dass offenbar selbst solche Sahnespiele nicht ohne kleine Sauereien auskommen. Sei es der Ellbogenhieb von Franck Ribery oder der offensichtlich mutwillige Sprunggelenksbelastungstest von Robert Lewandwoski an Jerome Boateng – beide Aktionen waren hässlich und verabscheuenswert. Zum Glück bestimmten beide Aktionen nicht über den weiteren Verlauf des Spiels.

Der Eindruck
»Smile! Otherwise you look like a german!« Mit diesen Worten wurde ein Kollege durch den Sicherheitscheck am Londoner Flughafen gen Heimat entlassen. Dass wiederum zeigt, dass die Briten deutsche Fans trotz lautem Dauersupport und mannhafter Standfestigkeit am Tresen noch immer nicht ganz über den Weg trauen. Oder vielleicht auch, dass sie deutsche Fans endlich akzeptiert haben. Insgesamt kann man schon ein bisschen stolz sein auf das Auftreten der vielen, vielen angereisten Fans aus Dortmund, München, Gütersloh, Arnsberg, Leer, Frohnau und wo sie noch alle herkamen. Ja, wären da nicht die 200 Vollspinner gewesen, die sich am Morgen des Endspiels am Wembley-Stadion auf die Nase hauen mussten. Aber ein paar Idioten wird es wohl immer geben. Schade drum.

Mattscheibenkollaps
Die Fernsehanstalten mühten sich redlich, um dem Finale einen passenden Rahmen zu geben, doch die meisten scheiterten kläglich. Weder die unsägliche Party-WG beim Bezahlsender Sky, noch die Altherrenriege vom ZDF bot ein Programm, das nicht mindestens 20 Momente des Fremdschams beinhaltete. Ob Uli Köhler nun das laufende Programm unterbricht, weil im Bayern-Hotel angeblich/vielleicht gerade jemand die Toilettenspülung bedient hat oder Katrin Müller-Hohenstein mangels Alternativen vier Mal in einer Stunde den längsten Bayernschal der Welt abfeiern musste – bei all diesen Tiefpunkten sollten sich die Programmverantwortlichen das nächste Mal fragen, ob das wirklich alles sein muss. Wir kennen auch bereits die Antwort: Nein!

Der Kommentar
Den kompletten Live-Kommentar von ZDF-Mann Bela Rethy gibt es dank des eifrigen Bloggers Jörgen Camrath nun tatsächlich als schriftliches Dokument zum Download. (Link) Danke für dieses Stück Zeitgeschichte.

Klick
Bastian Schweinsteiger sackt beim Warmmachen auf dem Rasen zusammen und hält sich den Knöchel. Klick. Franck Ribery rammt Robert Lewandowski den Ellenbogen auf die Kauleiste. Klick. Mario Mandzukic legt sich die Hände an die Ohren. Klick. Dante hebt entschuldigend die Hände, während er Marco Reus in die Familienplanung tritt. Klick. Ilkay Gündogan rennt jubelnd vor eine Mauer aus schwarz-gelben Fans. Klick. Robert Lewandowski steigt Jerome Boateng auf den Knöchel. Klick. Arjen Robben dreht »Oh, mein Gott« brüllend ab. Klick. Bastian Schweinsteiger bricht in Tränen aus. Klick. Uli Hoeneß will den Pokal nicht haben. Klick. Jupp Heynckes steht angetrunken auf der Tanzfläche und hebt schwoofend die Arm. Klick. Vielleicht sind das die prägendsten Momente dieses Final-Abends. Doch im Grunde hat jeder, der dieses Spiel verfolgt hat, wohl sein ganz eigenes Bilderbuch angelegt. Auch das macht dieses Finale so groß.

Das Zitat des Tages
»Lieber Josef, irgendwann kommt der Sensemann und holt uns. Du kommst in den Himmel, ich wahrscheinlich in die Hölle. Aber davor müssen wir noch einmal die Sau rauslassen.« (Co-Trainer Hermann Gerland auf der Bayern-Party zu seinem Chef Jupp Heynckes)

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