Was Sie noch nicht wussten...

Als Maradona für Tottenham spielte

In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE erinnern wir in der »Momentaufnahme« an den Auftritt von Superstar Diego Maradona gegen den SV Meppen. Lest hier die Geschichte, wie »El diez« einst einen historischen Gastauftritt für die Tottenham Hotspur gab... Was Sie noch nicht wussten...
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Martin Taylors Weitsicht in Ehren. Der englische TV-Journalist hält am 1. Mai 1986 sein Mikrophon zwei kleinen Männern mit schwarzen Haaren entgegen und fragt: »Glauben sie, dass es bei der WM Ärger geben wird, wenn Argentinien auf England trifft?« Einer der Gefragten heißt Osvaldo Ardiles, er übersetzt die Frage für seinen Nebenmann und der schüttelt den Kopf und sagt mit verkniffener Miene: »Nein, nein. Keine Probleme mit England.«

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Wenige Wochen später klingen die Sätze von Diego Maradona fast schon historisch albern, denn es hat sehr wohl Ärger mit England gegeben und der Ärger trägt seinen Namen. Ein glasklares Tor mit der Hand, von Maradona als »Hand Gottes« verklärt, ein sensationelles Dribbling von der Mittellinie, das Maradonas Ruf als bester Fußballer des Planeten zementiert, haben das stolze Königreich England aus dem Fußball-Weltturnier 1986 in Mexiko geworfen. Argentinien wird wenig später Weltmeister und Maradona, der fußballspielenden Revoluzzer, widmet das England-Spiel den 649 argentinischen Toten aus dem Falklandkrieg. Auf der Insel hassen sie ihn dafür wie die Pest, in Argentinien und einem Großteil der Welt wird er zum Idol, zur Ikone mit Ball am Fuß. Und schnell ist vergessen, dass eben jener Diego Maradona kurz zuvor, am 1. Mai 1986, ein Spiel für die Tottenham Hotspurs gemacht hat.

Das Fußballgenie mit den kurzen Beinen

Wie es dazu kam? Ganz bestimmt nicht wegen Maradonas Liebe zu England. Weil aber Tottenhams Publikumsliebling Osvaldo »Ossie« Ardiles, Maradonas Landsmann und Freund, zu einem Benefizmatch gegen Inter Mailand geladen hat, nimmt der kleine Dribbelkönig die Einladung an. Direkt nach einem WM-Vorbereitungskick seiner »Albiceleste« gegen Norwegen, setzt sich Maradona ins Flugzeug und steigt erst kurz vor der White Hart Lane wieder aus. Für die Zuschauer scheint »El pibe«, dieses Fußballgenie mit den kurzen Beinen, direkt aus dem Himmel zu entsteigen. Die letzten Hardcore-Fans glauben erst nach den ersten Ballkontakten, dass dort unten auf ihrem Rasen nicht ein Double, sondern Diego himself gegen den Ball tritt. Was heißt tritt? Maradona streichelt, lupft und liebkost die Kugel, dass es die helle Freude ist. Gemeinsam mit Tottenhams Ballästhet Glenn Hoddle (der ihm zuvor seine geliebte Trikotnummer 10 überlässt) bildet Maradona ein Mittelfeldduo, das ganz offenbar seit Jahren gemeinsam Fußball spielt. Die beiden Ausnahmekönner, das erste Mal gemeinsam auf einem Fußballplatz, verstehen sich blind.

Die Hotspurs gewinnen am Ende mit 2:1 gegen Inter, doch das ist 30.000 Zuschauern egal. Sie haben einen »Abend der Magie« erlebt, wie es das englische Fernsehen hinterher zusammenfasst. Maradona hat gezaubert und spricht nun die netten Worte ins Mikrophon von Martin Taylor. »Nein, nein. kein Problem mit England.« So gut er Fußball spielen kann, so miserabel sind Maradonas Fähigkeiten als abgezockter Lügner. Am 22. Juni 1986, 52 Tage nach der magischen Nacht an der White Hart Lane, schießt und schwindelt Maradona England in ein Tal der Tränen. Und beendet den Falklandkrieg. Auf seine Weise.

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»Als sich der Trubel gelegt hatte, gingen wir zusammen an den Bratwurststand...« In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE erinnert sich Meppen-Trainer Hans-Dieter Schmidt an seine Begegnung mit dem kommenden Weltstar Diego Armando Maradona!

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