Was Obama und Klinsi gemein haben

Neu ist besser als alt

Wer kann dem Top-Charismatiker Barack Obama hierzulande das Wasser reichen? Merkel? Wohl kaum. Es gab nur einen, der so schön lächeln konnte wie der neue US-Präsident – und der so irrational geliebt wurde. Was Obama und Klinsi gemein habenImago Wen können wir bloß toll finden? Merkel? Zu tantenhaft. Schröder? Zu gefönt. Fischer? Zu dick oder manchmal auch zu dünn. Nach der Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Barack Obama fragten wir uns verzweifelt, wer in Deutschland auch nur annähernd in der Lage wäre, die Kritik erstickende Liebe fast aller so auf sich zu ziehen wie dieser Mann.

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Freilich wissen wir, dass das Erscheinen Obamas auf der Weltbühne und seine an Kitsch grenzende Wirkung das Resultat einer perfekten Inszenierung sind. Aber wir lassen uns nur allzu gern verführen. Wenn wir die Politik schon nicht begreifen, soll sie uns wenigstens edel vorkommen, hilfreich und gut.

Doch die deutsche Politikerkaste schickt keinen ernstzunehmenden Kandidaten in dieses Rennen. Merkel, Schröder, Fischer und wie sie alle heißen: Sie sind gezeichnet von ihrem beschwerlichen Weg nach oben, ihre Ellbogen sind so abgenutzt wie ihre Rhetorik, sie umgibt der Stolz auf sich selbst – und nur auf sich selbst.



Neidvoll glotzen wir also in das kühne Antlitz Obamas, glauben zu gern daran, dass es ihm nicht um sich selbst, sondern um eine Mission geht, und bilden uns ein, er sei ein Weltenchef und gehöre deshalb auch ein bisschen uns. Wir wollen von ihm bei der Hand genommen werden und ihm folgen, raus aus der Krise, durch das von ihm per Fingerzeig geteilte Meer. Obama muss doch wissen, wo es langgeht, schließlich sieht er so aus, als wüsste er es. Yes, we can!

Yes, we can... Yes we can... Da war doch was... Ja: Wir hauen sie durch die Wand!

»Klinsi! 2006!«, schrie plötzlich einer von uns, als Obama sein Lächeln anknipste, und noch mal: »Klinsi!« Tatsächlich! Die Parallelen sind verblüffend.

Corn Flakes und ein Sieg gegen »einen Großen«

Da schau her: Auch das Gesicht des ehemaligen Bundestrainers war in jenem Sommer eine Projektionsfläche für so ziemlich jede virulente Sehnsucht zwischen Heilserfahrung, ewiger Jugend und Erotik. Dieses Gesicht strahlte aus: Happiness ist ansteckend – also lasst euch anstecken! Dabei war Klinsmann wie Obama über jeden Vorwurf erhaben, sich profilieren zu wollen. Es ging ihm um »etwas«. Dieses »etwas« war zwar diffus, aber neu – und neu war allemal besser als alt. Auch Klinsmann erschien – ohne nun seine Vorgänger Vogts, Ribbeck und Völler mit Bush jun. vergleichen zu wollen – nach einer uns ewig vorkommenden Zeit der verlorenen Viertelfinals, des Bedeutungsverlusts und der Depression, die es ihm umso leichter machte, seinen radikalen Optimismus zu verbreiten. Und trotz der übermenschlichen Last existentieller Wichtigkeit auf seinen Schultern, die dem Fußball beigemessen wird, lächelte Klinsmann sein Lotterielächeln, dessen Überzeugungskraft stärker war als jedes Argument. Plötzlich standen alle morgens lieber auf als sonst, aßen fröhlich ihre Corn Flakes, gingen angespornt zur Arbeit, steigerten das Brutto-Sozialprodukt und glaubten an einen Sieg gegen »einen Großen«.

Da trat also jemand auf, der selbst nicht viel tun musste, außer die Hoffnungen einer ganzen Nation an sich kondensieren zu lassen. Der es aushielt, zum Messias hinaufmultipliziert zu werden. Dem der Bauchansatz nicht über den Gürtel schwappte. Darin verschaffte uns Klinsmann eine Vorahnung des Phänomens Barack Obama.

Dem Bundesrainer eilte in der Folge das Glück zur Seite, bestehend aus sagenhaftem Wetter, Elfmeterschießen und dem mystischen Glauben, die Fanmeile könne Spiele mitentscheiden. Obama wird mehr brauchen als das. Auf ihnen warten ungleich schwerere Aufgaben als Costa Rica, Polen und Ecuador. Und sowieso: Vergleich Ende.

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