Was man von Bernhard Dietz lernen kann

„Wer nicht alles gibt, gibt nichts“

Das Schöne am Fußball ist: Es geht es immer um alles oder nichts, Punktgewinn oder Punktverlust. Um am Ende alles zu haben, muss man grätschen können bis zum letzten Blutstropfen. Doch wer kann das schon noch? ImagoWer vorschnell resigniert, kann nicht fighten, bis der Arzt kommt.“
(Bernard Dietz, Namensgeber des MSV Dietzburg)

„Ein Fußballspieler, wo nicht kämpft, kann auch nicht alles geben.“ So ähnlich, mit der Betonung auf dem Wörtchen „alles“, hat es Mario Basler gesagt, der selbst ein solcher Fußballer war. „Enatz“ Dietz hingegen, der westfälische Gesenkschmied mit nur drei Fingern an der rechten Grüßhand, hat immer alles gegeben, er ackerte und rackerte bis zum Umfallen. In seinen besten Zeiten, zweite Hälfte der siebziger Jahre, stellte die BILD-Zeitung ihrem Millionenpublikum in Aussicht, dass der Tag nahe sei, an dem Bernard Dietz eine von ihm getretene Ecke höchst selbst mit dem Kopf im Tor unterbringen werde.

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„Wer nicht alles gibt, gibt nichts“, stellt Helenio Herrera apodiktisch fest, der einst Inter Mailand mit der eisernen Hand eines Sklaventreibers in die europäische Spitze führte. Knapper kann man das Schwarzweißdenken nicht formulieren. Im Fußball geht es immer um Alles oder Nichts, Punktgewinn oder Punktverlust. Die Grauzone dazwischen, die Welt des Unentschiedens und der Punkteteilung, das ist die Hölle, jedenfalls für den echten Fußballer vom Schlage eines westfälischen Schmieds, der zwei Finger in der Eisenpresse ließ. Für die Warmduscher à la Ändy Möller mag das Remis ja in Ordnung gehen.

Uli Borowka fraß seinem Gegenspieler die Nummer vom Rücken


Woran erkennt man den echten Fußballer? Vor allem daran, dass er 90 Minuten unterwegs ist und immer gewillt, ein gestrecktes Bein vor dem Gegner am Ball zu sein. Wer alles gibt, ist dauernd in Bewegung, gönnt sich keine Kunstpause und erläuft sich Bälle, die andere schon verlorengegeben haben. Das ist die herrschende Meinung, schließlich ist Fußball ein Laufspiel. Nur eine Minderheit lauffauler Stehgeiger mit dem Aktionsradius eines Bitte-ein-Bit-Bierdeckels erhebt da Widerspruch. Ihr Sprecher ist noch immer der übergewichtige Buffy Ettmayer von anno dunnemals. Er vertritt die Auffassung, bei einem guten Fußballspiel müsse der Ball laufen, nicht der Spieler. Der spanische Trainer Carlos Rexach geht sogar noch weiter: „Dass bei einer Mannschaft etwas nicht stimmt, erkenne ich daran, dass sie zu viel läuft. Im Fußball laufen nur Feiglinge.“ Aber das sind Außenseiter-Meinungen von höchst zweifelhaften Phlegmatikern.

Wer wirklich alles gibt, ist kein pflegeleichtes Bürschchen, weder auf dem Platz noch außerhalb. Wie man sicher noch weiß, fraß das alte Kampfschwein Uli Borowka seinem Gegenspieler regelmäßig die Nummer vom Rücken, so dicht stand er ihm auf den Fersen, 90 Minuten lang, und wenn es sein musste auch länger. Berti Vogts war bekannt dafür, dass Trainer Weisweiler ihn nach dem Abpfiff von seinem Gegner abpellen musste, so fest klebte der Manndecker an seiner Beute. Spieler, die alles geben, sind nicht nur pausenlos unterwegs, sie lassen auch nicht locker. Verletzungen stecken sie klaglos weg. Ein vor der Halbzeit gebrochenes Wadenbein ist kein Grund, nicht voller Zuversicht zum zweiten Durchgang anzutreten. Wolfgang Weber aus Köln hat es in den sechziger Jahren aller Welt vorgemacht.

„Wenn einer eiert und mit seiner Balance Probleme hat..."

Als Trainer möchte man natürlich bereits vor dem Spiel wissen, ob ein Spieler heute bereit ist, alles zu geben oder ob ihn irgendwas hemmt, das Letzte aus sich heraus zu holen. Wie machen die Trainer das? Woran erkennt der geübte Blick des an der Sporthochschule diplomierten Fußballlehrers die Kampfbereitschaft seines Spielers? „Schon an seinem Gang, wie er aus der Kabine tritt, sehe ich das“, meint Otto Rehhagel, „wenn einer eiert und mit seiner Balance Probleme hat, ist er für mich ein Wackelkandidat.“ „Am Gesichtsausdruck“, glaubt Otmar Hitzfeld, „die Mimik ist verräterisch“. „Am Arsch“, sagt knapp Ernst Happel. Jeder Trainer kennt also andere Anzeichen, auf die er sich verlässt.

Wer es nicht schafft, sich bis zur letzten Minute zu quälen, wer aus Mutlosigkeit oder gar persönlicher Bequemlichkeit aufhört zu ackern und zu rackern, der muss sich das härteste Urteil gefallen lassen, das man über einen, der sich hängen lässt, sprechen kann. Trainer Jörg Berger, bereits vom Darmkrebs angefressen, hat es rigoros gefällt: „Resignation ist der Egoismus der Schwachen.“ Das ist ein Wort wie ein Hammerschlag! Dem westfälischen Schmied wird’s gefallen.


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