Was macht Mesut Özil so stark?

Der Meister vieler Klassen

Ein Tor, eine Vorlage: Mesut Özil brillierte im Champions-League-Spiel gegen Neapel. Offenbar weckt der Transfer zu Arsenal in ihm jene Stärken, die man zuletzt bei ihm vermisst hat.

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Eigentlich hat Mesut Özil gar nichts gemacht. Er stand einfach nur da und ließ den Ball an sich vorbeilaufen. Es ist eine typische Özil-Aktion: Auf den ersten Blick wirkt sie lethargisch, fast lustlos. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, welch Kalkül dahintersteckt. Özils Gegenspieler Juan Zuniga rechnet fest damit, dass Özil den Ball annimmt. Der Verteidiger wirkt verdutzt, als zuerst der Ball an ihm vorbeirollt und dann auch noch Mesut Özil um ihn herumspaziert.

Es war eine von vielen gelungenen Aktionen des Spielmachers beim 2:0-Sieg Arsenals über den SSC Napoli. Einen Treffer bereitete er vor, ein Tor erzielte er gleich selbst. Seit er bei den Gunners spielt, ist Özil wieder der Alte: Der Filigrantechniker und Passvirtuose, der Stratege und Vorbereiter. Wie man ihn von früher kennt – und wie man ihn zuletzt bei Real Madrid nur selten erleben konnte.  

Kein Platz bei Real

Real brauchte Özil nicht mehr. Über seinen Abschied kursieren verschiedene Versionen. Kritiker behaupten, er wollte sich nicht dem Konkurrenzkampf im Mittelfeld stellen. Andere Quellen sagen, Real brauchte nach dem Bale-Transfer dringend Geld. Wiederum andere werfen ihm vor, zu viel Zeit in Madrids Diskotheken und zu wenig Zeit auf dem Trainingsplatz verbracht zu haben.

Wahr ist aber auch: Für Özil war schlicht kein Platz mehr im Mittelfeld der Königlichen. Real-Trainer Ancelotti setzt auf ein 4-4-2-System mit Cristiano Ronaldo als zweite Sturmspitze. Özil hätte auf dem Flügel starten müssen – eine Position, die ihm nicht so zusagt wie die Rolle eines Zehners. Das wurde spätestens im EM-Halbfinale des vergangenen Jahres offensichtlich. Joachim Löw wagte es nicht, Özil ins direkte Duell mit Italiens Strategen Andrea Pirlo zu stellen und schickte ihn stattdessen nach Rechtsaußen. Das Resultat: Özil blieb blass, beide Gegentore wurden über seine Seite eingeleitet.

Arsenal wird es egal sein, wieso Özil letztlich wirklich aus Madrid geflüchtet ist. Für Arsene Wenger war der Transfer jenes Puzzleteil, das der Idee seiner Mannschaft noch fehlte. Mit Wilshere, Walcott, Ramsey, Cazorla und  Rosicky verfügt Arsenal über eine große Anzahl toller Techniker, allerdings fehlte ihnen in den vergangenen Jahren jene Direktheit, die Arsenals One-Touch-Football noch vor zehn Jahren zum Referenzpunkt in Europa machte. Wengers Jungs dribbelten und passten zwar auch weiterhin, als gäbe es kein Morgen – gefährlich vor das Tor kamen sie mit ihren Kombinationen jedoch immer seltener.

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