06.06.2007

Was macht eigentlich Jürgen Grabowski?

„Kaputt, was kaputt sein kann“

Er galt als bester Auswechselspieler der Welt und gewann als solcher die WM 1974. Bei seiner Frankfurter Eintracht war er über ein Jahrzehnt Kapitän – bis ihn ein Lothar Matthäus in die Invalidität grätschte. Was macht Jürgen Grabowski heute?

Text:
Jörg Böhm
Bild:
imago

Lässig, fast nonchalant sitzt er im Stuhl eines Mainzer Cafes, genießt einen Latte Macchiato und beobachtet die Menschen, die die Straße entlangflanieren. "Es ist irgendwie schön, dass mich 27 Jahre nach Beendigung meiner Laufbahn Leute auf der Straße erkennen und mich ansprechen", bemerkt Jürgen Grabowski.



Angefangen hatte die Fußball-Karriere des heute 63-Jährigen beim SV Biebrich (1952-1960). Vom FV Biebrich (1960-1965) wechselte Grabowski 1965 zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt, bei dem er 15 Jahre, davon elf Jahre als Kapitän, die Fußballschuhe band und zum Ehrenspielführer ernannt wurde. Mit der als launisch geltenden Diva vom Main wurde der Mittelfeldstratege 1974 und 1975 DFB-Pokalsieger und holte in seinem letzten Jahr (1980) den UEFA-Pokal an den Römer. "Ich hätte damals gerne mal in diesem wunderschönen Stadion gespielt, in der heute die Eintracht kickt", sagt der gebürtige Wiesbadener, der 1980 nach einer Grätsche von Lothar Matthäus an der Seitenlinie seine aktive Laufbahn beenden musste. "Der Lothar war richtig heiß darauf, gegen einen gestandenen Spieler wie mich angesetzt zu sein", erinnert sich Grabowski an den schlimmsten Moment seiner Karriere zurück. "Ich wusste direkt, in meinem Fuß ist wohl so ziemlich alles kaputt, was nur kaputt sein kann."

"Die Eintracht ist mein Verein"

Für die deutsche Nationalmannschaft bestritt Grabowski insgesamt 44 Länderspiele und erzielte dabei fünf Treffer. Sein Debüt im Nationaltrikot erlebte er am 4. Mai 1966 gegen Irland. An drei Weltmeisterschaften nahm Grabwoski teil, berühmt wurde er aber erst bei der WM in Mexiko 1970 als der `beste Auswechselspieler der Welt´. Sein letztes Länderspiel absolvierte der Hesse im Finale der WM 1974 im eigenen Land gegen die Niederlande (2:1). Nachdem Grabowski seine Laufbahn 1980 beendete, spielte er im November 1980 ein letztes Mal im Waldstadion bei seinem Abschiedsspiel vor 45.000 Zuschauern - je eine Halbzeit für die Eintracht und eine für die 74er-WM-Mannschaft. "Ich bin zwar dem Fußball als Verwaltungsrat bei der Eintracht treu geblieben, aber Manager oder Trainer wollte ich nie werden. Wären damals die richtigen Leute in Frankfurt gewesen, wäre ich sicherlich länger bei der Eintracht geblieben", sagt Grabowski, der dort von 1981 bis 1992 Funktionär war.

Heute führt er mit seiner Frau eine Versicherungsagentur in Taunusstein, "aber zu den Heimspielen bin ich fast immer da, diese Atmosphäre brauche ich einfach", sagt Grabowski, den 1968 auch Bayern München holen wollte. Ein Nein des damaligen Eintracht-Präsidenten Rudi Gramlich verhinderte den Wechsel. "Auch Feyenoord Rotterdam wollte mich, aber mein Vertrag lief noch und die Fans, das Umfeld, als Kapitän Verantwortung zu tragen und erkannt zu haben, dass dies mein Verein ist, waren die Gründe, der Eintracht die Treue zu halten."

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