02.12.2013

Was macht eigentlich Carlos Valderrama?

Hairliche Aussichten

Trotz Radamel Falcao ist Carlos Valderrama in Kolumbien nach wie vor der beliebteste Fußballer aller Zeiten. Jetzt will er in die Politik gehen.

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imago

Am 9. März 2013 versetzte ein Foto Kolumbien für ein paar Sekunden in Schockstarre. Es zeigte Carlos Valderrama, ihren Fußballhelden, den Mann, der 111 Länderspiele für die Nationalmannschaft bestritten und der Kolumbien zu drei Weltmeisterschaftsteilnahmen geführt hatte. Über den der deutsche Fernsehkommentator Bela Rethy einmal sagte: »Das da vorne, was aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama.«
 
Die Sache war allerdings: Carlos Valderrama sah nicht mehr aus wie eine Klobürste. Er hatte sich offensichtlich die Haare abgeschnitten und ein Foto mit seiner neuen Frisur auf Twitter geteilt. Darunter stand: »Wie sich Dinge im Fußball ändern, habe ich mein Aussehen geändert.«

Der Twitter-Fake
 
In Windeseile verbreitete sich die Schreckensnachricht im Netz. Ein kolumbianischer Blogger schrieb: »Das ist die traurigste Nachricht der Fußballgeschichte«. Ein anderer: »Pibe, was hast du getan?« Erst einige Stunden später stellte sich heraus, dass Valderrama seine Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Zudem handelte es sich bei dem Twitter-Account @PibeVaIderrama nicht um den offiziellen des Fußballers. Das bestätigte Valderrama sogar höchstpersönlich. Er erklärte, dass der Fälscher an die dritte Stelle des Nachnamens ein großes »I« statt eines kleinen »l« eingefügt hatte. Er selber twittere gar nicht.


Die Hysterie um dieses Foto zeigte vor allem eines: Kein Sportler ist in Kolumbien so beliebt wie Carlos Valderrama. Trotz des neuen Superstars Radamel Falcao vom AS Monaco. Trotz einer Vereinskarriere, die gar nicht so glanzvoll war, wie sie immer gemacht wurde. Trotz seines Narzissmus. Trotz Aussagen wie diesen: »Ich muss keinem Spieler hinterherlaufen – ich muss vor allem Tore schießen und vorbereiten.«

»Für eine Handvoll Haare«
 
Bis heute nennen sie ihn »El Pibe«, den kleinen Burschen, dabei ist Carlos Valderrama mittlerweile 52 Jahre alt. Und weil seine Popularität ungebrochen ist, kann er alles machen, was er will – bejubelt wird er immer. 2005 erklärte er, dass er Nationaltrainer werden wolle, und die Menschen feierten ihn. Selbst als er nur Co-Trainer bei Atletico Junior wurde, dort einmal wie von Sinnen mit einem Geldschein in Richtung des Schiedsrichter wedelte und danach für zehn Spiele gesperrt wurde. 2008 wurde er zum Ehrendoktor der Universität Magdalena in seiner Heimatstadt Santa Marta ernannt, und wieder jubelten die Massen. Einmal besuchte er seinen kolumbianischen Nationalmannschaftskollegen den Drogenboss Pablo Escobar im Gefängnis und spielte mit ihm Fußball. 2012 färbte er sich seine Haare pink, denn er wollte ein Statement gegen Brustkrebs setzen. 2013 spielte er in dem Film »Für eine Handvoll Haare« mit, eine Art moderner Spaghettiwestern mit Fantasy- und Märchenelementen.


Schon 2002 hatte ihm die Stadt Santa Marta eine 7,5 Meter hohe Bronze-Statue gebaut, bei der alles in Bronze gehalten war, außer seinen Haaren, die waren golden. 17.000 Menschen verfolgten damals die mehrstündige Zeremonie, die mit einer Messe abgeschlossen wurde. Valderrama beendete damals gerade seine Karriere in der US-amerikanischen Major League Soccer. Er hatte für Tampa Bay Mutiny oder die Colorado Rapids gespielt. Und er hatte hier einen Rekord aufgestellt, den nicht mal David Beckham oder Landon Donovan brechen konnte: Er gab 26 Vorlagen in einer einzigen Saison.
 
Es war ein großer Erinnerungszirkus. Die Menschen gedachten an Valderrama, der 1988 zum HSC Montpellier wechselte und dort zum großen Superstar aufstieg – wenngleich er in Wahrheit oft nur auf der Bank saß. Sie gedachten an den Valderrama, der zu Zeiten von Zico oder Diego Maradona zweimal Südamerikas »Fußballer des Jahres« wurde. Der an drei Weltmeisterschaften teilgenommen hatte. Der bei der WM 1990 diesen genialen Pass auf Freddy Rincón spielte. Rincon machte damals das 1:1 gegen Deutschland, was den einzigen Punktverlust für den kommenden Weltmeister bedeutete. »Wir hätten damals gewinnen müssen, bei den Chancen, die wir hatten«, sagte Valderrama vor ein paar Jahren in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung«.

 
 
 
 
 
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