Was macht eigentlich Ali Karimi?

Die Wüste lebt nicht

Um doch noch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 zu retten, reaktivierte der Iran den früheren Bundesliga-Profi und jetzigen Wüsten-Legionär Ali Karimi – allerdings ohne Erfolg. Woran lag es? Was macht eigentlich Ali Karimi?Imago Die Qatar Stars League ist so etwas wie der Vorruhestand für angehende Fußballrentner. Wen es einmal auf die arabische Halbinsel zu Al-Gharafa, Al-Rayyan oder dem Qatar Sports Club verschlagen hat, will in der Regel nur noch ein paar gut bezahlte Feierabendkicks bestreiten und plant keine großen Auftritte mehr. So war das zum Beispiel bei Mario Basler oder Stefan Effenberg, Gabriel Batistuta oder Romario.

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Auch der Iraner Ali Karimi, früherer Asien-Fußballer des Jahres und Spieler des FC Bayern, hatte sich 2007 aus München in Richtung Qatar Stars League verabschiedet. Doch im Gegensatz zu Effenberg & Co. bedeutete der Wüstenaufenthalt für ihn nur eine Zwischenstation. Mittlerweile ist er in die iranische Liga zurückgekehrt und das iranische Fußballpublikum hat ihn für eine ziemlich schwere Aufgabe vorgesehen: Karimi soll die bisher unbefriedigende Qualifikation retten und Iran zur WM 2010 nach Südafrika führen.

Doch sein erstes Pflichtspiel in der Nationalmannschaft nach mehr als 14 Monaten Pause geriet zu einem enttäuschenden Auftritt. Am Samstag reichte es in Nordkorea nur zu einem 0:0, und Karimi deutete dabei nur einmal an, warum sie ihn einst als »Maradona Asiens« feierten, warum ihn Felix Magath 2005 zum FC Bayern holte und warum er sich in einigen Bundesliga-Partien die Bemerkung »Spieler des Spiels« verdiente. Mit einem Doppelpass leitete er eine Chance von Vahid Hashemian ein, ansonsten war Karimi weit von der Form und der Leichtfüßigkeit seiner Bayern-Jahre entfernt, viele Pässe landeten beim Gegner. Die Wüstenzeit hat wohl ihre Spuren hinterlassen - und vielleicht auch die lange Auseinandersetzung mit dem Verband.

Ein langer Weg


Im Frühjahr 2008 war es im iranischen Fußball zu Verwerfungen gekommen. Karimi kritisierte öffentlich die Führung des Verbandes, der damalige Nationaltrainer Ali Daei suspendierte ihn für einige Spiele, zwischen den beiden kam es zum Bruch, und Karimis Zeit im Team Melli schien vorbei zu sein. Zumal Daei nach der enttäuschenden WM 2006 ohnehin einen Neuanfang starten wollte, sukzessive routiniertere Spieler aus dem Kader strich und durch jüngere ersetzte.

Doch diese Strategie scheiterte, Iran zeigte enttäuschende Leistungen, und die Rufe nach einer Rückkehr von Karimi wurden immer lauter. Aber bevor Daei selbst Karimi zurückholen konnte, war Daei schon entlassen. Nach einem Intermezzo von Erich Rutemöller als Interimstrainer übernahm vor wenigen Wochen Afshin Ghotbi die Nationalelf - zu dessen ersten Amtshandlungen die Nominierung von Karimi gehörte.

Ob der das Team noch nach Südafrika führen kann, ist nach dem 0:0 in Nordkorea fraglich. Am Mittwoch gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sowie in zehn Tagen gegen Südkorea müssen die Iraner gewinnen. Selbst mit zwei Siegen ist die direkte Qualifikation aber kaum noch zu schaffen, wahrscheinlicher ist das Erreichen des dritten Platzes, der zur Relegationsteilnahme berechtigt: Erst käme es zu einem Duell mit dem Dritten der anderen Asien-Gruppe, dann zu einem Duell mit einem Vertreter Ozeaniens. Das ist ein langer Weg, und Karimi weiß, wie das iranische Fußballpublikum tickt: Entweder feiert es ihn danach als Helden - oder es wünscht ihn zurück in die Wüste.

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