Was machen Fußballer im Sommerloch, Thomas Hitzlsperger?

Frustsaufen muss drin sein

131 Bundesligaspiele, 117 Auftritte in der Premier League, 52-facher Nationalspieler, Deutscher Meister. Thomas Hitzlsperger hatte eine fantastische Karriere. Jetzt startet »The Hammer« neu durch: Als Mitarbeiter von 11FREUNDE! In seinem Premieren-Text widmet er sich der Sommerpause.

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Sommer 2004: Ich erinnere mich noch genau. Wir sitzen im Teambus der U21-Nationalmannschaft. Letzte Reihe mit Alex Madlung, Maik Franz, Christoph Preuß und Christian Tiffert. Die Europameisterschaft im eigenen Land ist in vollem Gange und wir machen uns erste Gedanken über die Urlaubsplanung. Schnell wird klar: Wir hauen ab nach Mallorca, am besten mit der gesamten Mannschaft. Den Titel im Gepäck, versteht sich!

Ein paar Tage später ist schon nach der Vorrunde Schluß. Die Begeisterungsstürme über den Mallorca-Ausflug verstummen ziemlich schnell, aber ich will es durchziehen, bin fest entschlossen. Frustsaufen – das muss doch zumindest drin sein.

Der »Man of the Match« wurde gleich zum Shoppen eingeflogen

Vier Jahre zuvor war ich zu Aston Villa gewechselt. Mein erster Profivertrag, alles neu. Auch der Urlaub wurde ab sofort nicht mehr wie ein Teenager verbracht, sondern wie ein Profi. Aber wie verbringen englische Profis den Sommer? Ich sollte es bald erfahren.

Dass die Engländer Spanien, dem Bier und Strand nicht abgeneigt sind, war mir schon vorher bewusst. Neu war mir, dass die fußballfreie Zeit vorzugsweise zum Einkaufen genutzt wurde, ganz hoch im Kurs standen damals Häuser in Spanien. Clevere Bauträger hatten sich längst bei den Klubs als Matchday-Sponsor eingekauft, um bei jedem Heimspiel einen »Man of the Match« zu küren. Sponsoring mit Kalkül. Als Preis gab es nicht, wie üblich, eine Flasche Champagner, sondern eine dreitägige Reise zum neuesten Bauprojekt im Süden Spaniens. Folge: Die Spieler kauften Häuser und fortan gab es neue Kabinengespräche: Wer hat wie viel gekauft und in welcher Lage? Und vor allem: Wie nah am nächsten Golfplatz? 

Die Avenida Hitzlsperger sucht man heute allerdings vergeblich in La Manga oder Marbella. Spanien war einfach nicht mein Ding. Und mit Steve Staunton und Gareth Barry hätte ich es sowieso nicht aufnehmen können. Die Herren waren uneinholbare Spitzenreiter im Kampf um die begehrtesten Häuser.

Vorbereitung am Strand

Als ich 2012 wieder nach England zurückkehrte, um beim FC Everton anzuheuern, war das Thema Ferienhäuser so gut wie tot. Die Immobilienkrise war in vollem Gange – und der Fußball war noch professioneller geworden. Ab sofort ging es darum, wie man aus dem Urlaub topfit wieder ins Training einsteigen konnte. Es begann die Zeit, in der Pulsuhren genauso in den Koffer gehörten, wie die Sonnencreme. Eine Sommer-»Pause« gab es in diesem Sinne nicht mehr. Die Vorbereitung begann schon am Strand. 

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