Was lernen wir aus den verschossenen Elfmetern, Hans-Peter Friedrich?

»Man muss den Einzelfall sehen«

Ein Deutscher schießt einen Elfer für eine englische Mannschaft – und verschießt. Ein Österreicher schießt einen Elfer für eine deutsche Mannschaft – und verschießt ebenfalls. Was lernen wir daraus? Jens Kirschneck klärt uns auf.

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Nichts gegen Klischees, Klischees gehören zum Fußball dazu. Ohne Klischees wäre Schalke kein Knappenverein, sondern das Tochterunternehmen eines russischen Energieriesen, Lothar Matthäus ein Taktikfuchs und kein Schürzenjäger, und beim Hamburger SV würde am Ende tatsächlich noch strategisch gedacht und gehandelt.

Das alles kann niemand wollen, der in einer immer unübersichtlicheren Fußballwelt etwas Halt und Orientierung braucht. Aber dass ein Spiel zwischen einer deutschen und einer englischen Mannschaft über die Geschichte seiner Elfmeter erzählt werden muss, das ist dann doch des Klischees ein wenig zu viel.

Wobei das Ergebnis weniger klar zu analysieren ist als die Ausgangssituation. Um es noch mal zusammenzufassen: Ein Deutscher schießt einen Elfer für eine englische Mannschaft – und verschießt. Ein Österreicher schießt einen Elfer für eine deutsche Mannschaft – und verschießt ebenfalls. Was lernen wir daraus? Schwer zu sagen. Oder: »Man muss den Einzelfall sehen.« (Hans-Peter Friedrich)

Eine neue Variante für das englische Elfmeterdrama

Zunächst also Özil. Als der zur Ausführung schritt, konnte jeder die tonnenschwere Last der Verantwortung spüren, die auf seinen schmalen Schultern lastete. 60.000 Augenpaare waren auf ihn gerichtet, die meisten flehten: »Du machst ihn rein! Du bist ein Deutscher, Mann, du musst ihn rein machen!« Daran ist Özil zerbrochen. Er wollte ja, aber er wusste nicht, wie. Man sah es bereits an seinem fahrig verzögerten Anlauf, dem Anlauf eines Menschen, der keine Idee hat.

Und obwohl sich Kollege Neuer, wie es in diesen Fällen für den Keeper vorgesehen ist, zeitig lang machte, lupfte Özil den Ball gegen die als letztes Bollwerk erhobene Pranke des Torwarts und bereicherte das englische Elfmeterdrama um eine weitere Variante: den verrutschten Panenka.

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