Was können die Bayern aus der Real-Niederlage lernen?

Der Gott der kleinen Dinge

Nach dem 0:1 bei Real Madrid fragt man sich: Wer trägt Schuld an der Niederlage? Die blutleeren und ideenlosen Spieler? Oder etwa doch der Trainer, der die Spannung im Team nicht hochgehalten hat?

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Es passiert relativ selten, dass man nach einem Spiel der Einschätzung von Philipp Lahm zuhört und denkt: Was redet der denn da? Zu lange ist Lahm nun schon dabei, dabei meist präzise in der Selbstwahrnehmung, und er versteht auch, Selbstkritik und Kritik an seiner Mannschaft so raffiniert zu äußern, ohne sich unnötig Feinde zu machen. Doch um Nuancen ging es nicht, als Lahm feststellte, er fahre »positiv nach München zurück«. Klar, das sei ein schwieriges Ergebnis, aber er war sogar stolz: »Ich kann mich nicht erinnern, dass Bayern München hier so dominant aufgetreten ist.«

Was brachte Bayern die Dominanz?

In diesem Moment hätte er auch einen Zettel herausholen und auf die Spieldaten als Beleg verweisen können. Der Spieler von Real Madrid etwa, der die meisten Pässe gespielt hatte, war Xabi Alonso – mit 36 gespielten Bällen. Im Team der Bayern wäre er damit in den unteren Rängen platziert gewesen. Toni Kroos spielte 118 Pässe. Der deutsche Meister lief auch sechs Kilometer mehr, hatte 70 Prozent Ballbesitz, hatte mehr Ecken, schoss häufiger aufs Tor und so weiter und so fort. Nur: Das alles führte zu nichts.

»Wir haben gespielt, gespielt«, sagte Arjen Robben. Das stimmte, aber der Gott der kleinen Dinge hatte den FC Bayern verlassen. Auf Robben selbst trifft das nicht zu, er ist der einzige Bayern-Spieler, der zum Höhepunkt der Saison verlässlich Bestform hat. Der Holländer, früher als Mann verschrien, der auf eigene Rechnung spielt, versuchte auch im Stadion Santiago Bernabeu seine Kollegen mitzureißen.

Ribery war mit Tarnkappe unterwegs

Doch denen ist in den letzten Wochen etwas abhanden gekommen. Nicht die großen Dinge, sondern eben die kleinen. Hier ein Pass, der etwas zu scharf oder etwas zu kurz gespielt wird, wo er in den Monaten der Unbesiegbarkeit stets genau richtig temperiert war. Dort eine falsche Positionierung, ein unterlassener Sprint oder ein Einzelschicksal wie das von Franck Ribery, der seit Wochen nicht mehr gut spielt und in Madrid mit einer Tarnkappe unterwegs war.

So waren die Bayern in Madrid dominant, da hatte Lahm schon recht, aber letztlich wirkten sie eine taiwanesische Billigkopie ihrer selbst. In der Verpackung und im Stil der Super-Bayern der Monate ohne Niederlage spulten sie ein Programm ab, das letztlich zu kaum etwas führte. Zwei Bälle der eingewechselten Müller und Götze sausten knapp am Tor vorbei. Der Rest wurde abgeblockt, abgewürgt oder einfach nicht herausgespielt. In Madrid wirkte der FC Bayern wie früher das auch schon mal der FC Barcelona an schlechteren Tagen: leicht klinisch und etwas blutleer.

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