23.02.2013

Was ist passiert, Hoffenheim?

Das Ende eines Sommers

Seite 2/3: Rangnicks Erbe
Text:
Bild:
Imago

Vor allem am Erbe Ralf Rangnicks scheint der Verein noch immer zu kranken. Die Ära Rangnick endete Knall auf Fall, als Hopp Leistungsträger Luiz Gustavo hinter dem Rücken des Trainers nach München verkaufte. Ein Affront gegenüber Rangnick und ganz nebenher eine von vielen äußerst flexiblen Auslegungen der 50+1-Regel seitens Dietmar Hopp.

Nach Rangnick, der den Dorfverein in die Bundesliga geführt hatte, mutierte der Hoffenheimer Trainerstuhl zum Schleudersitz. Marco Pezzaiuoli, Holger Stanislawski und Markus Babbel und Interimscoach Frank Kramer mussten den Platz räumen. Die Trainer saßen auch deshalb so unsicher auf der Bank, weil eine konzeptionelle Ausrichtung des Vereins schlicht nicht vorhanden ist. Vom vielbeschworenen Ausbilden junger, hochtalentierter Spieler, das man sich einst auf die Fahnen geschrieben hatte, ist nicht viel übrig geblieben. Den Sprung von den durchaus erfolgreichen Jugendmannschaften zu den Profis schaffte bisher kaum jemand.

Schnell hochziehen, schnell fallenlassen

Dass sich junge Spieler nicht entwickeln, wenn sie in jeder Sommer- und Winterpause neue Stareinkäufe vor die Nase gesetzt bekommen, ist außerhalb Hoffenheims wohl jedem klar. Hochtalentierte Kicker wie Marco Terrazino, Manuel Gulde oder Pascal Groß wurden schell zu den Profis hochgezogen und noch schneller fallen gelassen. Ernst Tanner wurde von 1860 München als Manager verpflichtet, um genau diesen Umstand zu ändern, mit Transfers von Spielern wie Ryan Babel oder Edson Braafheid bewirkte man genau das Gegenteil.

Insgesamt 350 Millionen Euro hat Dietmar Hopp seit 1989 in den Verein gepumpt, 120 Millionen davon in den Spielerkader. Dass die Manager Schindelmeiser, Tanner, Babbel und nun Müller Transfers tätigten, die man bei anderen Bundesligisten wohl nur schwer vor dem Aufsichtsrat rechtfertigen könnte, ist ein Geburtsfehler des Systems Hoffenheim. Will man im Kraichgau mittlere Millionenbeträge für Spieler wie Maicosuel, Zucculini, Prince Tagoe, Wellington, Babel usw. ausgeben, bekommt man das Geld eben auch. Selbst wenn die Gegenwerte regelmäßig ausbleiben.

Konzept? Fehlanzeige

Die Konzeptlosigkeit auf dem Transfermarkt stellt auch die Trainer vor große Probleme. Dem fachlich guten, ansonsten eher farblos daherkommenden Marco Pezzaiuoli gelang es nicht, aus der Vielzahl an Einzelkönnern eine Mannschaft zu formen. Holger Stanislawski trat mit der Aufgabenstellung an, verstärkt junge Talente einzubinden, wurde dann aber entlassen, als der Verein mit einer jungen Mannschaft auf einem dem Leistungsvermögen entsprechenden achten Platz in der Tabelle stand. Unter Nachfolger Babbel durfte plötzlich wieder geshoppt werden, der Erfolg blieb trotzdem aus.

Mal sollen Talente gefördert werden, dann soll sich der Verein finanziell selber tragen, plötzlich heißt das Ziel wieder internationales Geschäft und es wird investiert. Manager Müller kehrte im Winter hastig die Scherben zusammen und gab fast elf Millionen Euro für neue Spieler aus, wobei man ein nachvollziehbares System dahinter weiterhin vermisste. Trainer Marco Kurz darf sich nun daran versuchen, einem willkürlich zusammengestellten Team so etwas wie Mannschaftsgeist einzuhauchen, auf dass der Klassenerhalt doch noch gelingen möge. Tobias Weis einstige Hoffnung vom zusammengeschweißten Team wirkt derweil wie aus einer anderen Zeit.

 
 
 
 
 
123
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden