02.04.2013

Was ist aus dem Hoffenheimer Projekt geworden?

Zirkus Halligalli

Hoffenheim hat Marco Kurz und Andreas Müller entlassen und Tim Wiese »ein bisschen« begnadigt. Andernorts würde das wie ein verspäteter Aprilscherz klingen – nicht bei der TSG.

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Die TSG Hoffenheim war mal ein Projekt. Eine Sache, von der man annahm, Wissenschaftler würden an ihr in einem geheimen Labor unter Tage planen und basteln. Wenn man sich Ende 2008 die Geschäftsstelle in Zuzenhausen vorstellte, sah man aufgeräumte Büroräume, alphabetisch sortierte Aktenordner, modernste Audio- und TV-Technik und Forscher in weißen Kitteln, die daran arbeiteten, den neuen Superstürmer aus der dritten nigerianischen Liga zu untersuchen.

Der Raketenfußball im Jahr 2008
 
Mit gut gefüllten Taschen war der Klub innerhalb von acht Jahren von der Verbands- in die Bundesliga marschiert. Trainer Ralf Rangnick hatte aus No-Name-Spielern wie Vedad Ibisevic, Demba Ba oder Carlos Eduardo Superstars und aus durchschnittlichen Fußballprofis wie Tobias Weis oder Andreas Beck Nationalspieler gemacht. Ende 2008 wurde der moderne Fußball nicht in Dortmund, Gelsenkirchen oder München gespielt, sondern im Kraichgau, zwischen Kuhwiesen und Straßenschildern, auf denen zu lesen war: »Achtung  Krötenwanderung: Bitte langsam fahren.«
 
Dann verließen Manager Jan Schindelmeiser und Ralf Rangnick den Klub. Bald folgten die Stars der Mannschaft. Chinedu Obasi, Vedad Ibisevic, Demba Ba, Carlos Eduardo, Luiz Gustavo – keiner der Raketenspieler der Saison 2008/09 ist heute noch in Hoffenheim.
 
Die Trainer nach Rangnick hießen Marco Pezzaiuoli, Holger Stanislawski, Markus Babbel und Frank Kramer. Sie wurden mit der TSG Hoffenheim Elfter (2011) und Elfter (2012). Der Klub, der mal die Zukunft versprach, war das neue Bochum der Achtziger geworden – die graue Maus der Liga.  

Was ist aus dem Geheimlabor geworden?
 
Wie sehen heute die Schreibtische in Zuzenhausen aus? Gibt es überhaupt noch Aktenordner? Was ist mit den Forschern? Wenn man sich heute das TSG-Trainingszentrum vorstellt, sieht man jonglierende Elefanten und Dompteure mit Clownsnasen durch die Flure hüpfen.
 
Die Sache mit Tim Wiese steht exemplarisch für diesen Zirkus: In der Hinrunde wurde der Torhüter, der vor der Saison noch zu Real Madrid und AC Mailand wechseln wollte, von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Dann verletzte er sich, und schließlich warf der Trainer ihn den Journalisten zum Fraß vor. Nach dem 1:4 gegen Bremen Anfang Dezember plauderte Babbel aus, dass Wiese auch nicht gespielt hätte, wenn er fit gewesen wäre.

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