Was die Nationalelf von Bayern und Dortmund lernen muss

Jogi, erzähl mir eine Erfolgsgeschichte!

Der FC Bayern München und Borussia Dortmund stehen im Halbfinale der Champions League. Nicht zuletzt deshalb, weil sie Geschichten erzählen können, die nach einem Happy End schreien. Ein solches Epos braucht nun endlich auch die Nationalmannschaft, findet Dirk Gieselmann. 

Matthias Sammer hat im vergangenen Sommer den Job gewechselt, statt Sportdirektor beim DFB ist er nun Sportdirektor beim FC Bayern. Das könnte ihn dazu verpflichten, nichts Schlechtes zu sagen über seinen alten Arbeitgeber. Zumal dieser, wenn es so etwas im Fußball überhaupt gibt, noch am ehesten eine heilige Unverletzlichkeit genießt. Wer die Nationalmannschaft kritisiert, der gilt schnell als Defätist. Wir wollen doch alle das gleiche, oder etwa nicht? Den maximalen Erfolg.

Den will auch Sammer. Bloß ist der Erfolg, den er will, noch maximaler als bei den meisten anderen. Eine Halbfinal-Aus geht bei ihm nicht als Teilerfolg durch, es ist in seinem Bewertungssystem ein Totalversagen. Und auch nach seinem Jobwechsel schmerzt sie ihn noch: die Niederlage gegen Italien bei der EM 2012. Die Statue, zu der sich Mario Balotelli nach seinem fulminanten 2:0 aufbaute, ist für ihn ein Mahnmal der eigenen Schwäche. Ein Ansporn. Auch jetzt noch, im neuen Amt.

Eine Neuauflage des Turnierspiels

Nicht zuletzt ist Sammer jemand, der lieber redet, als zu schweigen. Deshalb konnte er es auch nicht lassen, nach dem Viertelfinalhinspiel gegen Juventus Turin in der vergangenen Woche, bei dem sich viele EM-Protagonisten wiedertrafen, Schweinsteiger und Pirlo, Neuer und Buffon, Müller und Chiellini, das also vielen als Neuauflage des Turnierspiels galt und das der FC Bayern schließlich souverän mit 2:0 gewann, folgendes verlauten zu lassen: »Das Stören in der ersten Linie vorne, das war entscheidend, weil damit alle Spieler mitgezogen werden. Die Abstände waren klein, die Zweikampfstärke war erkennbar und das, was uns ein bisschen kaputt gemacht hat beim Spiel gegen Italien im Halbfinale 2012 war in Spielzügen ja die gleiche Strategie von Juve – und wir haben es besser verteidigt, inklusive Pirlo weggenommen.«

Sammer, das sollte man zu seinen Gunsten annehmen, hat das nicht etwa gesagt, weil er so arrogant wäre. Er ist natürlich gern sehr gut in allem, was er tut, aber nicht unbedingt gern sehr viel besser als alle anderen. Auf Bundesligaebene würde ihn ein ungleicher Wettbewerb nerven, er braucht die Herausforderung eines starken Gegners. Zwar werden die Nationalmannschaft und der FC Bayern niemals aufeinander treffen (was schade ist). Und doch gilt in diesem Spannungsfeld für Sammer das gleiche: Er will nicht herabschauen müssen, er braucht die Augenhöhe. Er verlangt, dass alle seinen unbedingten Willen teilen, das Beste aus sich herauszuholen und nach diesem einen einen Ziel zu streben: dem allermaximalsten Erfolg. Alles andere erscheint ihm witzlos. Auch eine Nationalmannschaft, die vor dem großen Titel bockt wie ein Pferd vorm letzten Hindernis.

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