Was der Guardiola-Transfer für die Bundesliga bedeutet

Ein Signal an die Fußballwelt

Der Wechsel von Pep Guardiola an die Säbener Straße wertet nicht nur den FC Bayern auf, sondern könnte eine globale Signalwirkung haben. Denn durch Guardiola wird die Bundesliga für Fans auf den ganzen Welt immer interessanter.

Aus den Direktorenzimmern des Stadions an der Stamford Bridge wurde am Mittwoch stilles Zähneknirschen berichtet. Denn gleich zweimal hatte Chelseas Besitzer Roman Abramowitsch im letzten halben Jahr den Emissären von Pep Guardiola einen Vertrag angeboten, in dem der am meisten umworbene Trainer des Weltfußballs seinen Wunschverdienst selber eintragen hätte können. Auch etwas weiter nördlich, um das Etihad-Stadion in Manchester regierte Frust. Bei Manchester City wäre Geld für Guardiola dank der Millionen aus dem Mittleren Osten ebenfalls kein Thema gewesen, außerdem glaubte man sich in einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Mit dem Sportdirektor Txixi Begiristain und Ferran Soriano beschäftigt der Klub nämlich zwei Landsleute von Guardiola, mit denen er beim FC Barcelona bereits zusammen gearbeitet hatte. Doch der Katalane entschied sich nicht nur gegen die Endlosreichen aus der Premier League, sondern auch gegen Paris St. Germain und dessen Millionen aus Katar und sicherlich auch gegen das ein oder andere Angebot der Oligarchen aus Moskau, St. Peterburg oder Kiew.

Der bestbezahlte Trainer in der Bayern-Historie

Noch wissen wir nicht genau, was für ihn den Ausschlag dafür gab, dem FC Bayern den Zuschlag zu geben, aber Geld kann nicht der entscheidende Grund gewesen sein. Damit kein Missverständnis aufkommt: Guardiola wird der bestbezahlte Trainer in der Geschichte des FC Bayern und damit auch in 50 Jahren Bundesliga werden. Weil aber anderswo noch viel mehr Geld aufs Konto geschaufelt worden wäre, müssen andere Dinge eine Rolle gespielt haben.

Einerseits ist das sicherlich die sportliche Perspektiven bei den Münchnern, die auch perspektivisch ein Kandidat für den Gewinn der Champions League sein werden. Guardiola dürfte zudem das Modell gefallen habe, dass er sich auf die Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren kann, während das Drumherum von einer sportlichen Leitung gestaltet wird. Denn so kennt und schätzt er das aus Barcelona. Auch die Aussicht, Spieler aus der eigenen Jugend in die europäische Spitze zu führen, gibt es wie in Barcelona auch in München.

Raúl schwärmte von der Bundesliga

Vor allem aber ist es die Bundesliga, die selbst für die Besten der Besten immer interessanter wird. Das sozialdemokratische Modell des deutschen Fußballs, der sich nicht in die Hand von Oligarchen und Scheichs gegeben hat, ist inzwischen auch sportlich und wirtschaftlich erfolgreich. Das belegen die sieben Teilnehmer aus der Bundesliga an der Champions League und Europa League, die geschlossen auch nach der Winterpause im Wettbewerb sein werden. Von der Stimmung in den deutschen Stadien, in denen das Publikum bei den Spielen noch wirklich mitgeht, soll der ehemalige Schalker Raúl seinem Landsmann Guardiola vorgeschwärmt haben und auch sie dürfte eine Rolle bei der Entscheidung für die Bayern gespielt haben.

Noch stillen die Fußballfans in Japan oder Indien, den USA oder Thailand ihren Fußballhunger vor allem mit der Premier League, mit dem FC Barcelona und Real Madrid. Vor den Fernsehern in Mumbai, New York oder Tokio interessiert man sich weniger für clevere Konzepttrainer oder geschickte Arbeit mit übersehenen Talenten, das globale Publikum schaut vor allem auf große Namen. Und was die Dichte an Stars betrifft, hinkt die Bundesliga sicherlich noch hinterher. Genau deshalb aber ist der Wechsel des Trainers, den alle haben wollten, ein so wichtiges Signal. Wenn Guardiola, der überall hätte hingehen können, sich für die Bundesliga entscheidet, muss sie wirklich was zu bieten haben. Selbst in England wird die Bundesliga bei einem wachsenden Teil des Publikums als Sehnsuchtsliga gefeiert, in der die Eintrittskarten noch bezahlbar sind und man mit dem Bier in der Hand zuschauen kann. Das ist bedenkenswert, weil es inzwischen auch nicht mehr mit sportlicher Marginalität bezahlt wird. Die englische Fußballzeitung FourFourTwo wird in ihrer nächsten Ausgabe sogar zum ersten Mal eine Titelgeschichte über einen deutschen Klub machen – Borussia Dortmund.   

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