Was den FC Bayern München so stark macht
27.02.2011

Was den FC Bayern München so stark macht

Die Familie

Happy Birthday, FC Bayern! Zum 111. Geburtstag des deutschen Rekordmeisters lassen wir weiter die Korken knallen. Und ausreichend Flüssiges kann der FCB gebrauchen, schließlich ist das Welt-Unternehmen eine einzige große Familie.

Text:
Sebastian Krass
Bild:
imago

Es gibt im Band »Asterix auf Korsika« eine schöne Szene. Die Stammeshäuptlinge Osolemirnix und Azurix stehen sich Nase an Nase gegenüber, die Messer gezückt, erbitterte Rivalen, tödlich verfeindet – an den Grund der Feindschaft vermögen sich beide allerdings nicht mehr zu erinnern, es gab da wohl mal eine Geschichte mit einem Vetter und einem Esel. Am Ende versöhnen sich die beiden Streithähne und klappen die Messer ein…



Womit wir beim FC Bayern wären. Denn der deutsche Rekordmeister ist zwar ein mittelständisches Unternehmen mit über 200 Millionen Euro Umsatz. Aber die Personalpolitik folgt, abseits des diesmal besonders wagemutig umgebauten Spielerkaders, dem Prinzip: Der war schon früher hier, dann kann der ja heute nicht schlecht sein. So ist plötzlich der lange verstoßene und mit Manager Uli Hoeneß verfeindete Paul Breitner wieder als Berater im Boot. Auch die zweite Generation bekommt ihre Chance. Franz Beckenbauers Sohn arbeitet sich durch die Trainerhierarchie nach oben, und Breitners Sprössling ist seit kurzem in der Pressestelle angestellt. Die Familie wächst.

Der Ursprung der heutigen Familienkonstruktion liegt Anfang der 90er Jahre. Vorher war eigentlich nur Manager Uli Hoeneß schon da. 1991 kehrten zwei ehemalige Familienmitglieder zurück. In einem Jahr der Krise sollte die Legende mit bekannten Namen aufgefrischt werden. Die früheren Bayernkicker Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer wurden Vizepräsidenten, zum Unwillen von Hoeneß. »Ich muss erstmal ausloten, was die wollen. Wenn sie es ehrlich meinen – okay. Wenn nicht, werde ich aufhören«, tönte er beleidigt. Heute sind derlei Misstöne nicht mehr zu hören. Hoeneß und Rummenigge, inzwischen Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, arbeiten professionell zusammen. Ob sie sich mittlerweile gut leiden können, weiß man nicht. Die Familie hält zusammen. Die Zeit der öffentlich ausgetragenen Intrigen, etwa in Rummenigges ersten Dienstjahren, ist vorbei. Hoeneß hat seine Macht behalten, während Rummenigge seinen Einfluss stetig ausgeweitet hat. Aus der dreiköpfigen operativen Führungsebene, zu der noch Finanzvorstand Karl Hopfner gehört, dringen keine Interna mehr nach außen. Die geschwätzigen Kolumnen Franz Beckenbauers in der Bild-Zeitung sind zwar hin und wieder ein Ärgernis. Aber so isser halt, der Franz, den ändert man nicht mehr. Und er macht ja nichts kaputt.

Wirklich erstaunlich war die Rückkehr Paul Breitners. Zu aktiven Zeiten war er zwar mit Hoeneß befreundet, später galt das Verhältnis als vollständig zerrüttet. Breitner, ein alter Kumpan des ehemaligen Hoeneß-Rivalen Rummenigge, gefiel sich in der Rolle des Dauernörglers und ging Hoeneß als Springer-Kolumnist mächtig auf die Nerven. Doch Anfang März ernannte der Manager Breitner plötzlich zum Berater. Der Familienstreit zwischen den beiden war auf rätselhafte Weise beigelegt. Manch einer mutmaßte schon, Hoeneß habe, nach all den Possen um Oliver Kahn, einen neuen Wunschkandidaten für seine Nachfolge.

»Ohne Müller wären wir gar nicht hier«

Doch die Familienbande funktionieren nicht nur auf der Führungsebene. Alt-Keeper Sepp Maier war 13 Jahre lang Torwarttrainer. Und 1992 profitierte auch Gerd Müller. Nachdem er eine Entziehungskur absolviert hatte, gab ihm Hoeneß einen Job als Nachwuchstrainer. Auch ein Akt der Dankbarkeit, so sieht Hoeneß das, »ohne ihn wären wir gar nicht hier«.

Die zweite erstaunliche Personalie trägt ebenfalls den Namen Breitner. Max, der Sohn, ist Redakteur der Vereinszeitschrift. Offiziell hat das natürlich überhaupt nichts mit seinem Stammbaum zu tun. Erstaunlich ist seine Verpflichtung aber deshalb, weil Max Breitner, zuvor Redakteur des Boulevardblattes tz, vor 2006 als Mitautor der berüchtigten Geschichte über Bastian Schweinsteigers vermeintliche Wettgeschäfte war. Inzwischen gilt Breitner als rehabilitiert, er habe für die Geschichte nichts gekonnt, heißt es bei den Bayern. Schuld sei sein damaliger Chef gewesen. In einer Familie verzeiht man auch.

Und wer weiß: Vielleicht ist das Herz der Münchner ja irgendwann sogar groß genug, jemanden wieder in die Familie aufzunehmen, der laut Hoeneß anno 2002 beim FC Bayern nicht einmal mehr »Greenkeeper« würde werden können. An Lothar Matthäus selbst, so viel steht fest, würde es nicht scheitern.

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