Warum wir Jürgen Klopp gegen Moralapostel verteidigen sollten

Lieber Wut als gar keine Gefühle

Modefans! Sie zerren unsere Helden und Antihelden vor ihr Geschmackstribunal, wo sie Jürgen Klopps Emotionalität genauso bewerten wie Pep Guardiolas Anzüge, Jogi Löws Frisur und Sabia Boulahrouz’ Liebesleben. Dürfen die das? Klares NEIN!

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Es ist auf den ersten Blick eine äußerst belanglose Nachricht, also eigentlich gar keine. Und doch will ich sie euch übermitteln, denn sie sagt viel über einen aktuellen Diskurs im deutschen Fußball, der sich um die Frage dreht: Wie menschlich dürfen Trainer im Jahr 2014 noch sein?

Die Nachricht lautet: Die Ulknudel Hella von Sinnen hat gesagt, Jürgen Klopp sei ein schlechtes Vorbild für die Fans. 

Sie habe, so von Sinnen weiter, einen Freund, der unlängst einmal in der Gladbacher Kurve ein Transparent gegen Homophobie habe aufhängen wollen. Doch andere Borussen hätten es ihm entrissen, ihn einen Verräter genannt. Von Sinnen kräuselte hinter einer blauen Riesensonnenbrille die Stirn und ließ ihre Kolportage schwer im Raum stehen. Es entstand der Eindruck, sie gebe Jürgen Klopp die Schuld an dem Vorkommnis.

Markus Lanz schnauft, die Leberwurst ist außer Reichweite

Geschehen ist dies in der Talkshow von Markus Lanz, am Mittwochabend nach der Champions League. Zu Gast waren außerdem Effe, Uns Uwe, Nobby Dickel, der Matze aus der »Sportschau« und ein Witzebuchautor. Vielleicht saßen Peter Scholl-Latour und Hans-Ulrich Jörges auch noch irgendwo rum, wer weiß. Nach dem Sex sind alle Tiere traurig. Nach der Champions League sind alle Sendungen scheiße.

Lanz’ Sendung im Besonderen ist näher an »Alles Nichts Oder« als am Fußball, das weiß man ja. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass Hella von Sinnen dort zu Gast war. Doch statt sich Torten ins Gesicht werfen zu lassen, hat sie nun mal gesagt, Jürgen Klopp sei ein schlechtes Vorbild für die Fans. Sie machte dann noch ein wütendes Gesicht, das wie Klopps aussehen sollte, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, die Kamera ging ganz nah ran. Dann entspannten sich von Sinnens Züge wieder, sie blinzelte, wohl in Erwartung von Gelächter. Doch Effe, Uns Uwe, Nobby Dickel, der Matze aus der »Sportschau«, der Witzebuchautor und das Publikum reagierten nicht. In die Stille hinein hörte man Markus Lanz schnaufen. Als die Kamera wieder in die Totale ging, saß der Moderator erstaunlicherweise noch immer auf seinem Stuhl.

Um ehrlich zu sein: Ich hatte bislang keine feste Meinung zu Jürgen Klopps Gefühlshaushalt. Mal finde ich ihn amüsant, mal penetrant, mal ist er mir egal, weil ich mich gerade für Interessanteres interessiere. Er hat gute und schlechte Tage, und wer hat die nicht? Mit dem Unterschied, dass die meisten von uns währenddessen keine Interviews geben müssen, sondern schlimmstenfalls unsere Ehepartner am Abendbrottisch anschnauzen, weil die Leberwurst außer Reichweite steht.

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