Cristiano Ronaldo Jubel
Cristiano Ronaldo
07.06.2012

Warum wir Cristiano Ronaldo danken sollten

Der Hass

Cristiano Ronaldo ist derzeit die größte Reizfigur des europäischen Fußballs. Von seinen Fans als bester Fußballer der Welt vergöttert, wird der Portugiese von der Mehrheit verspottet. Dabei muss man ihm einfach auch mal Danke sagen.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

»Schaut her!«

Wie er da schon wieder steht: Die Beine breit, die Hände am imaginären Pistolenhalfter, den Rücken durchgestreckt, die Wangen aufgeplustert – einfach nur zum Kotzen. Oder jetzt: Die Augenbrauen hochziehend, mit aufgerissenem Mund, den Blick bettelnd gen Schiedsrichter gewandt, wirbelt er durch die Luft, weil sein Gegenspieler laut gehustet hat – widerlich. Oder guck nur, wie er seine Interviews gibt: Brilli im Ohr, gezupfte Augenbrauen, lässiges Perlweiß-Lächeln, jedes Haar einzeln gestriegelt von den besten Stylisten der Welt – schlimm. Keine Frage, Cristiano Ronaldo, dieser lachsfarbene Lachs aus Funchal in Portugal, ist das größte Übel, das der moderne Fußball in diese Welt gerotzt hat. Glitzernd verchromt, schmierig arrogant, bis zum Erbrechen durchinszeniert, gockelt der portugiesische Dribbelhahn über die Außenbahnen dieser Welt. Fünf Übersteiger hier, drei Rabonas da, ein Tunnel zwischendurch und dann diese Tore: kosmische 46 Hütten allein in der Primera Divsion, für Real Madrid, die Königlichen, seinen Klub, die Ausgeburt des Hochmuts. All das schreit nach unserer Aufmerksamkeit: »Schaut her«, ölt Ronaldo seinen Ansporn mit großer Pose Spiel für Spiel in die Welt, »ich bin der Beste!« Dumm nur, dass ihm das niemand glauben will.

»Me, you! Fuck fuck!«

Denn Ronaldo ist ein Maschine, ein Roboter, der über zehn Millionen Euro im Jahr verdient, der als sein liebstes Hobby »Sit-Ups« angibt und der Frauen nicht mit schmachtenden Liebesbriefen und teurem Essen betört, sondern einfach zu einer Kellnerin geht, trocken sagt: »Me, you! fuck fuck!« und dem bildhübschen US-Girl im nächsten Spiegel dabei zusieht, wie sie ihm die Designerklamotten vom Leib reißt. Kein Wunder, er ist nicht hässlich. Nein, er ist der Hass. Das macht ihn zur Reizfigur von Millionen Fußballfans, deren Herzen er doch so gern im Sturm erobern würde. Doch sie lassen ihn einfach nicht rein. Es ist, als schwebe Ronaldo wie ein millionenschwerer Privatjet über der Fußballwelt – und bekommt einfach keine Landeerlaubnis. Und deswegen bleibt er immer in Bewegung, dreht seine Runden, verhöhnt seine Gegner mit Mätzchen. Applaus bekommt er selten. Zu selten, denn eigentlich sind wir alle Cristiano Ronaldo zu Dank verpflichtet.

Keine menschliche Regung

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden