22.10.2012

Warum Vereine und Fans das DFL-Papier ablehnen

»Eine Verletzung der Menschenwürde«

Seite 2/3: Körperkontrollen und Verbote
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3. Personen-Körperkontrollen

DFL: Verbesserung der infrastrukturellen Möglichkeiten
»Wenn andere Maßnahmen nicht zu der Lösung der Problematik führen, sollen weitere Handlungsmöglichkeiten wie die Verbesserung der infrastrukturellen Möglichkeiten für eine angemessene Personen-Körperkontrolle in den notwendigen Stadionsektoren (z.B. Errichtung von Containern statt wie z.T. bisher Zelte) zur Verfügung stehen, um etwaige Vollkontrollen zügig und ohne unverhältnismäßigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte durchzuführen.«
(Konkretisierungen der DFB-Richtlinien, S. 10)

Union: Entwürdigend und vorverurteilend
»Ob beispielsweise die Verfasser des Konzeptpapiers „Sicheres Stadionerlebnis“ damit einverstanden wären, sich einer „Vollkontrolle“ durch privates Sicherheitspersonal zu unterziehen oder im Dezember auf einer nassen Matte die Schuhe auszuziehen, nur weil sie als ebenso unbescholtene Fans wie 99+ % der Fußballfans ihrer Vereine für das vermeintliche Gewaltpotenzial des Fußballs in „Sippenhaft“ genommen werden, erscheint sehr fraglich. Ebenso fraglich erscheint, ob die vorgeschlagene Veränderung in Form der Angleichung der Umgebung einer solchen entwürdigenden, vorverurteilenden und insgesamt ausgesprochen dubiosen Prozedur tatsächlich eine maßgebliche Verbesserung darstellt und den Kern des Problems trifft.«
(Positionspapier, S. 6)

Hannover: Verletzung der Menschenwürde
»Nacktkontrollen stellen einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre des Menschen dar. Selbst der Polizei ist es nur unter strengen Auflagen gestattet, diese durchzuführen. Von privaten, vermutlich unterqualifizierten Ordnungsdiensten, durchgeführte Nacktkontrollen, sind in keinster Form akzeptabel und eine Verletzung der Menschenwürde.«
Stellungnahme, S. 32

4. Verbote

DFL: Selbstbindung der Klubs
»Sinnvoll und erforderlich ist hier eine ›Selbstbindung‹ der Klubs, so z.B. keine Eintrittskarten mehr an Fanklubs zu vergeben, welche nicht bereit sind, eine Fanvereinbarung mit den genannten Mindestinhalten (Gewaltfreiheit, Anerkennung Stadionordnung etc.) abzuschließen, oder welche diese Mindestinhalte nach Abschluss der Fanvereinbarung nicht beachten; oder z.B. den Fanklubs das Mitführen von ›Blockfahnen‹ und Bannern zu verbieten, wenn diese zur Verschleierung der Täterschaft bei Einsatz von Pyrotechnik bzw. überhaupt zur Ermöglichung von Pyrotechnik missbraucht werden.«
(Statuarische Verankerung von Mindestvorgaben zwischen Klubs und Fans, S. 14)

Hannover: In höchstem Maße gefährlich
»Insbesondere der Versuch, Besuchergruppen für das Fehlverhalten Einzelner verantwortlich zu machen, ist inakzeptabel und in höchstem Maße gefährlich. Weiterhin ist nur von Konsequenzen für Fans die Rede, wenn diese Vereinbarungen nicht eingehalten werden.«
(Stellungnahme, S. 32)


5. Die Sicherheitskonferenz
DFL: Berücksichtigung bei Nichteinhaltung

»Durchführung von ›Personen-Körperkontrollen‹ beim Eingang zu bestimmten Bereichen, z.B. bei Pyrotechnik- Vorfällen in der Vergangenheit in diesen Stadion-Bereichen und ggf. bei Spielen mit erhöhtem Risiko.
Diese Maßnahmen folgen z.T. ebenfalls aus der im Verhaltenskodex vom 17.7.2012 enthaltenen Verpflichtung, Verstöße konsequent zu sanktionieren. Sollte ein Klub derartige Maßnahmen nicht für erforderlich halten oder entsprechende Auflagen nicht umsetzen, so kann dies bei Vorkommnissen bei der Strafzumessung durch das Sportgericht berücksichtigt werden und ggf. auch im Rahmen einer sportgerichtlichen Auflage/Weisung angeordnet werden.«
(Vorschläge/beabsichtigte Maßnahmen in der Zuständigkeit des LV, S. 15)

Union: Züge einer Demütigung
»Ein wichtiger Punkt im Positionspapier ›Sicheres Stadionerlebnis‹ ist die Erarbeitung eines ›freiwilligen‹ Kodex mit verbindlichem (!) Inhalt bei gleichzeitiger Sanktionierung für den Fall der Verweigerung der Unterschrift oder der Missachtung einer solchen ›Vereinbarung‹.
Analog zur Sicherheitskonferenz vom 17. Juli 2012 mutet dieses Vorgehen problematisch an und wird von vielen, insbesondere den aktiven Fangruppierungen als Erpressung verstanden.«

»Der 1. FC Union Berlin ist der Sicherheitskonferenz vom 17. Juli 2012 auch nicht etwa oder zumindest nicht nur wegen des problematischen Inhalts des damals zu unterschreibenden Kodex ferngeblieben, sondern wegen des Umgangs von DFB/DFL mit „ihren“ Vereinen, die sich am 16./17. Juli in der Aufforderung zur Unterzeichnung ohne Möglichkeit einer echten, ergebnisoffenen Diskussion zeigte. Diese starke Züge von Demütigung enthaltende Herangehensweise ist nicht die richtige. Dass DFB/DFL ihre Macht derart ausspielen, führt derzeit auf eine beunruhigende Eskalation zu. Hier ist dringend ein Umdenken angebracht und deshalb ist auch bezüglich des geforderten Kodex - ausdrücklich: unabhängig von dessen Inhalt! – das Konzeptpapier abzulehnen.«
(Positionspapier, S. 7 und 8)

 
 
 
 
 
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