Warum Tim Wiese Tore schießen will

Er steht im Tor und ich davor

Jens Lehmann hat es getan, Jörg Butt sogar mehrmals. Und jetzt sogar ein No-Name namens Sinan Bolat von Standard Lüttich. Viele Torhüter haben bereits ein Tor geschossen. Nur Tim Wiese nicht. Das muss sich ändern. Warum Tim Wiese Tore schießen will Im Vergleich zu Sinan Bolat, Torwart bei Standard Lüttich, ist Tim Wiese, Torwart bei Werder Bremen, schon ein alter Hase. Sieben Jahre ist Wiese älter, hat fast zehnmal so viele Profispiele auf dem Buckel, ist Nationalspieler und ein europaweit anerkannter Schlussmann. Was ihm der Türke Sinan Bolat dennoch voraus hat: Ein selbst geschossenes Tor.

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Die 95. Minute war bereits angebrochen im letzten Gruppenspiel der Champions-League-Gruppe H zwischen Standard Lüttich und AZ Alkmaar, mit 0:1 lagen die Gastgeber aus Belgien hinten, nur ein Tor fehlte für Platz drei und damit die Qualifikation zur Europa League. Dann: noch einmal ein Freistoß, knapp 40 Meter vor dem Tor der Gäste aus Alkmaar. In solchen Situationen verabschieden sich selbst Torhüter von ihrem Strafraum und stürmen in des Gegners Hälfte. So wie Sinan Bolat, seit dem 29. Dezember 2008 in Lüttich unter Vertrag. Torhüter sind meistens groß gewachsene Kerle, Sinan Bolat ist gar ein richtiger Ochse. Unruhe stiften, vielleicht Freiräume für die Mitspieler schaffen, irgendwas. Stattdessen segelte die weite Flanke am Mittwochabend genau auf den kahl rasierten Schädel von Bolat, mit einem wunderbaren Kopfstoß versenkte der den Ball im Tor. Der Rest: Jubel.



Goodbye Strafraum


Es muss ein herrliches Gefühl für einen Torhüter sein, ein Tor zu schießen. Jörg Butt kennt das, aber er traf immer vom Punkt, hatte seine Ruhe und musste sich nicht gegen verschwitzte Gegenspieler durchsetzen. Jens Lehmann gelang mal ein herrlicher Kopfball, auch noch im Derby für Schalke gegen Dortmund. Torhüter schwärmen noch Jahre später von solchen Momenten, sie sind schließlich äußerst exklusiv für jemanden, dessen Beruf es ist, Tore zu verhindern. Oliver Kahn durfte man Zeit seiner Karriere bei den hoffnungslosen Versuchen beobachten ein Tor für die eigene Mannschaft zu erzielen. Einmal probiert er es mit beiden Fäusten, was natürlich auch für Oliver Kahn nicht regelkonform war: Er wurde des Feldes verwiesen. Und 2008, als Luca Toni in der letzten Minute noch der Ausgleich zum 3:3 gegen Getafe gelungen war, Bayern doch noch ins UEFA-Cup-Halbfinale einziehen durfte, da zerschlug Kahn, selbst mit im Strafraum aktiv, dem Kollegen van Bommel vor lauter kindlicher Toresfreude fast das Nasenbein.

Alle schießen Tore nur der Wiese nicht

Der einzige, der immer noch nicht jubeln darf, ist Tim Wiese. Seiner zehnfachen Erfahrungen im Vergleich zum Kollegen Bolat zum Trotz. Dabei hat er es schon mehrfach versucht, stand mit zitternden Oberschenkeln im gegnerischen Strafraum und stieg zum (bislang nie geglückten) Kopfball hoch. Gegen den VfL Wolfsburg war er kürzlich ganz dicht dran am ersten Treffer, doch dann stieß doch noch der Lulatsch Mertesacker seine Stirn gegen den Ball und diesen ins Tor. Wiese, was sollte er auch anderes tun, jubelte fröhlich mit. Dabei hätte es sein Tor werden können.

Natürlich bliebe da noch die einfache Variante, ein Versuch per Elfmeter. Gegen den SC Freiburg gab es in dieser Saison eine Gelegenheit, Werder Bremen führte bereits mit 4:0, nach 73. Minuten wurde auch noch ein Elfmeter gegen die unglückseligen Süddeutschen verhängt und die Meute forderte die komplette Demütigung für den Sportclub: »Wiese! Wiese! Wiese!«, ertönte es von den Rängen, und der Angesprochene trabte vor Vorfreude strotzend in Richtung Mittellinie. Bis ihn ein fuchsteufelswilder Thomas Schaaf mit blitzenden Augen ins eigene Tor zurück beorderte. Der Bremer Übungsleiter ist nicht dafür bekannt, mit irgendwelchen Mätzchen die Autorität der gegnerischen Mannschaft (und möge sie auch nach 73 Minuten mit 0:4 zurückliegen) zu untergraben. Und so musste Tim Wiese sich erneut dem Willen seines Trainers beugen, er wartet seitdem weiter verzweifelt auf das erste Erfolgserlebnis.

»Da kannste Gift drauf nehmen!«

Wie stark der Drang nach einem Torerfolg ist, machen seine eigenen Aussagen deutlich. Der »Kreiszeitung« steckte Wiese nach dem Spiel gegen Freiburg: »Irgendwann schieße ich einen, da kannste Gift drauf nehmen!« Und zog dann den historischen Vergleich zum großen Torwartidol mit dem er sich (noch) das gleiche Schicksal teilt: »Ich will und werde irgendwann mein Bundesliga-Tor machen. Das ist mein  Ziel. Oliver Kahn hat es versucht und nicht geschafft. Ich werde das packen.«

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