Warum sich Uwe Seeler keine Sorgen um den HSV machen muss

Früher war auch nicht weniger Abstiegskampf

Dieses Mal wird es also so weit sein: Der HSV steigt ab. Das glauben jedenfalls die Experten. In Wahrheit gibt es keinen Grund zur Panik. Es stand oft schon wesentlich schlimmer um den Klub.

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In Hamburg ist mal wieder Weltuntergang. Die Mannschaft spielt beschissen, sie hat in der Rückrunde noch kein einziges Tor geschossen, nach der 0:3-Pleite in Hoffenheim steht sie auf Tabellenplatz 17. Zahlreiche Spieler laborieren an Verletzungen, der Trainer streicht freie Tage, und die Fans hauen eine halbe Stunde vor Abpfiff ab oder schreien: »Wir haben die Schnauze voll!«

»Man muss sich Sorgen machen«
 
Und natürlich melden sich auch wieder Ex-Stars und Sternchen zu Wort. »Die Tanja Schumann ist bei ibes (»Ich bin ein Star«, d. Red.) auch so was wie der HSV – alt, unlustig, nicht mehr zu retten«, lästerte Mario Basler unlängst via Twitter. Und selbst DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kommentierte am Wochenende: »Man muss sich Sorgen machen.«
 
Die macht Uwe Seeler sich schon seit über 25 Jahren. Denn in Wahrheit hat der HSV die jetzige Situation schon etliche Male durchlebt, mit der Ausnahme, dass Mario Basler früher noch kein Twitter hatte. Man muss sich nur die Spielzeiten seit 1987 angucken, um zu sehen: Früher war auch nicht weniger Abstiegskampf. Trotzdem ist immer alles gut gegangen. Mal waren die anderen Teams zu schlecht, mal der HSV zu gut. Unterm Strich ist und bleibt die Nichtabsteigbarkeit allerdings Schicksal. Das glauben jedenfalls die HSV-Fans. Und vielleicht haben sie sogar Recht.
 
In der Saison 1989/90 war es das erste Mal richtig dramatisch. Noch am 29. Spieltag stand der HSV auf Platz 17. Er konnte den Abstieg verhindern, weil das Team die folgenden drei Spiele gegen Borussia Mönchengladbach, Homburg und den KSC gewann.

»Danke für Nichts!«
 
In der nächsten Saison erlebte der Verein mit Platz 5 ein kleines Hoch, auch dank Jan Furtok und Thomas Doll, danach allerdings folgten sechs Spielzeiten, in denen das Team fünfmal zwischen Platz 11 und 13 rangierte. In der Saison 1992/93 stand der HSV am 30. Spieltag auf dem 16. Platz, und 1996/97 kam es am 33. Spieltag zu einem richtigen Endspiel. Der HSV war Fünfzehnter und musste das Spiel gegen Borussia Dortmund gewinnen. Der BVB war damals zwar die beste Mannschaft Europas, und trotzdem vielleicht war die Konstellation zu jenem Zeitpunkt perfekt. Dortmund hatte keine Chance mehr auf die Meisterschaft, doch stand im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin, das wenige Tage später stattfinden sollte. Amateur Dirk Weetendorf nutzte die Gunst der Stunde und nickte zweimal ein. Am letzten Spieltag reichte ein 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf. Als die Spieler sich nach dem Spiel vor der Westkurve bedanken wollten, wurden sie mit Wasserbomben beworfen. Unter dem Tribünendach prangte ein Plakat: »Danke für Nichts!«
 
Ein Jahr später eine ähnliche Situation: Am 26. Spieltag war der HSV wieder mal Vorletzter. Doch ein Kraftakt verhinderte dieses Mal den Abstieg, bis Saisonende verlor die Mannschaft nur noch ein Spiel. Besonders wichtig war der Sieg gegen Werder Bremen, als Tony Yeboah in der 90. Minute das 2:1 erzielte. Abendblatt-Reporter Dieter Matz erinnerte sich Jahre später: »Pagelsdorf öffnete nach dem Schlusspfiff plötzlich die Schleusen und weinte los. Als Tony Yeboah seinen Coach in dieser Verfassung entdeckte, weinten plötzlich beide Männer.«
 
Auch die letzten Dramen sind nicht lange her. In der Saison 2006/07 stand der HSV nach 21 Spielen mit micktigen zwei Siegen auf dem letzten Tabellenplatz. Am Ende wurde er Siebter. In der vergangenen Saison mühte sich die Mannschaft auf den 15. Platz. Alle, die behaupten, der HSV könne keinen Abstiegskampf, verkennen die Realität. Denn der HSV kann vermutlich nichts so gut wie Abstiegskampf.

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