Warum sich Uli Hoeneß schützend vor Breno wirft
27.09.2011

Warum sich Uli Hoeneß schützend vor Breno wirft

Ein verlorener Sohn

Bayerns Breno sitzt seit Samstagnachmittag wegen des dringenden Tatverdachts, sich einer schweren Brandstiftung schuldig gemacht zu haben, in Haft. Nun wirft sich Uli Hoeneß wütend schützend vor Breno, auch weil der Klub den Profi zu lange vernachlässigt hat.

Text:
Sebastian Krass
Bild:
imago

Es war ein Wutausbruch, wie man ihn von Uli Hoeneß schon lange nicht mehr erlebt hat. Umso überraschender waren Zeitpunkt und Anlass. Schließlich sind im Fall Breno einige Fragen offen, selbst FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bekundet, dass »uns noch nicht alle Fakten bekannt sind«. Dennoch ließ Uli Hoeneß am Samstagabend nach dem 3:0 gegen Bayer Leverkusen alle Zurückhaltung fahren: »Was die Münchner Staatsanwaltschaft macht, ist eine absolute Katastrophe.« Und: »Dass der Junge im Gefängnis sitzt, ist ein Ding der Unmöglichkeit.« Bayern-Spieler Breno sitzt wie berichtet seit Samstagnachmittag wegen des dringenden Tatverdachts, sich einer schweren Brandstiftung schuldig gemacht zu haben, in Haft.



»Wir nehmen diese Aussagen zur Kenntnis, kommentieren und bewerten sie aber nicht, weil der FC Bayern kein Verfahrensbeteiligter ist«, erklärte Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Sonntag. Hoeneß hatte sich beschwert, man sei über das Vorgehen der Ermittler nicht informiert worden, die Öffentlichkeit hingegen schon. »Wir dachten, wir können das in Ruhe lösen«, sagte der Präsident des FC Bayern. Steinkraus-Koch erläutert dazu, der Klub sei zwar Arbeitgeber des Beschuldigten, das allein sei aber kein Grund, den FC Bayern einzubeziehen. »Darüber hinaus sind wir nur der Auskunftspflicht nach dem bayerischen Pressegesetz nachgekommen.«

Hoeneß relativierte auch die Schwere der im Raum stehenden Vorwürfe: »Es sind ja keine Personen zu Schaden gekommen, der materielle Schaden muss natürlich ausgeglichen werden.« Steinkraus-Koch weist jedoch darauf hin, es gehe um den Verdacht auf eine schwere Straftat, die mit »mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe« sanktioniert wird, käme es zu einer Verurteilung.

Persönliche Probleme, die unbemerkt blieben

Die Reaktionen der Bayern-Oberen – auch Vorstandschef Rummenigge kritisierte die Ermittlungsbehörden, wenn auch in sanfterem Ton – legen den Verdacht nahe, dass sie nun versuchen, ein Versäumnis wettzumachen. Sie betonen ja gern den familiären Charakter ihres Vereins und dass man sich um die Probleme der Spieler kümmere. Bei Franck Ribéry und seinen diversen Eskapaden war das auch schön zu beobachten. Die prekäre Lage Brenos scheint ihnen aber entgangen zu sein. »Der Junge hat anscheinend persönliche Probleme gehabt, die auch unbemerkt blieben, weil er seine normale Reha gemacht hat«, sagte Trainer Jupp Heynckes am Samstag.

Das Thema überschattet die erstaunliche sportliche Erfolgsgeschichte, die der FC Bayern seit Wochen schreibt. Unbeirrt eilt die Mannschaft von Sieg zu Sieg. Am Dienstag steht das mit Spannung erwartete Champions-League-Heimspiel gegen Manchester City an.

Aber bis dahin wird das Thema Breno die Bayern weiter beschäftigen, zum Beispiel die Frage, ob eine Aufhebung des Haftbefehls zu erreichen ist. »Wenn es eine Möglichkeit gibt, ihn auf Kaution freizubekommen, werden wir sicherlich alles tun«, sagte Hoeneß. Staatsanwalt Steinkraus-Koch verweist darauf, das sei eine richterliche Entscheidung. Einen Haftprüfungstermin zu beantragen, sei aber Sache des Beschuldigten. Mit der Zahlung einer Kaution wäre es aber nicht getan, vermutet Steinkraus-Koch. Breno würde vermutlich auch Angaben zum bis dato noch nicht restlos geklärten Hergang des Brandes machen müssen. Auch sein bisheriges Schweigen habe dazu beigetragen, dass die Ermittlungsrichterin den Haftgrund der Verdunkelungsgefahr gesehen habe. In den nächsten Tagen erhoffen sich die Ermittler aber auch neue Erkenntnisse der Brandgutachter.

»Hier habe ich Geld, aber mir fehlt alles andere«

Die ebenfalls konstatierte Fluchtgefahr stellen Hoeneß und Rummenigge in Abrede, weil ja auch der Reisepass des Brasilianers Breno verbrannt sei. Dazu sagt der Staatsanwalt: »Ich werde mich nicht äußern über die Möglichkeiten, sich auch ohne Reisepass abzusetzen.« Der FC Bayern will nun zumindest Brenos Familie dabei helfen, »so schnell wie möglich nach Brasilien zu reisen und aus der Schusslinie zu kommen«, wie Uli Hoeneß sagte.

Dorthin dürfte Breno sich mehr denn je sehnen. »In Brasilien hatte ich weniger Geld und weniger Luxus, aber ich war ein glücklicher Mensch«, sagte der Verteidiger vor einem Jahr: »Hier habe ich Geld, aber mir fehlt alles andere.«

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung "Der Tagesspiegel"

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