Warum sich gleich mehrere Dorfvereine um die Ablösesumme für Kevin Trapp streiten

Schwebendes Verfahren

Die SF Bachem-Rimlingen fordert Geld von Paris St. Germain. Doch während das bei PSG keinen interessiert, kriegen sie sich im Saarland in Haare. Und das alles nur wegen Kevin Trapp.

imago

Als Kevin Trapp im Sommer des vergangenen Jahres zu Paris St. Germain wechselte, wirkte es zunächst, als kenne dieser Transfer nur Gewinner. Eintracht Frankfurt kassierte eine stattliche Ablösesumme. Die Franzosen erhielten im Gegenzug einen Torhüter, der längst reif für die Nationalmannschaft schien. Und Kevin Trapp kam zu einem der wenigen Klubs, denen tatsächlich zuzumuten ist, die Phalanx der ewig gleichen Champions-League-Gewinner zu durchbrechen. Selbst in Trapps saarländischer Heimat war man zunächst froh über den Wechsel. Zum einen, weil sie natürlich stolz sind auf »ihren« Kevin, der es vom beschaulichen Merzig aus in die Glamour-Abteilung des Weltfußballs geschafft hatte. Zum anderen, weil sie schnell merkten, dass auch sie davon profitieren würden.

Das Zauberwort dafür heißt »Solidaritätsbeitrag«. So nennt es die Fifa in ihren offiziellen Regularien. Und im Detail: »Wird ein Spieler vor Ablauf seines Vertrags transferiert, erhalten alle Vereine, die zu seinem Training und seiner Ausbildung beigetragen haben, einen Teil der Entschädigung, die an seinen ehemaligen Verein entrichtet wird.« Beteiligt werden demnach alle Vereine, bei denen der transferierte Spieler zwischen dem 12. und dem 23. Lebensjahr aktiv war. Ausgeschüttet werden insgesamt fünf Prozent der Transfersumme, nach Altersstufen gestaffelt. Da beginnt der erste Teil des Märchens.

Spielerpass sticht

Dass das Gros des Solidaritätsbeitrags an den 1. FC Kaiserslautern geht, ist noch unstrittig. Insgesamt 4,25 Prozent der Transfersumme kassieren die »Roten Teufel«, für die Trapp seit seinem 14. Lebensjahr auflief. Mächtig umstritten hingegen schien zunächst die Frage, wem die restlichen 0,75 Prozent zustünden. Denn zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr spielte der Torhüter für die Jugendspielgemeinschaft Bachem, Brotdorf, Mettlach. Und nachdem den drei Vereinen zu dämmern schien, dass es hier um Stücke eines ganz besonders cremigen Kuchen ging, wollten sie ihn plötzlich alle höchstselbst gebacken haben.

»Kevin hat bei uns angefangen. Die Basis seiner Karriere liegt sozusagen in Brotdorf«, berichtete etwa der Vorsitzende des dortigen FC, Arno Heinz, bei fupa.net. Da kann der SV Mettlach zwar nicht mithalten, aber Teil der Jugendspielgemeinschaft waren sie unbestritten allemal. Und so pochten auch sie darauf, am vermeintlich warmen Geldregen beteiligt zu sein. Das argumentativ heißeste Eisen hatten allerdings die Bachemer im Feuer, denn bei ihnen war Kevin Trapp seinerzeit laut Spielerpass gemeldet. 

Ein Argument, über das auch der Saarländische Fußballverband nicht hinwegsehen konnte und wollte, als er die Streithansel Anfang des Jahres zum Schlichtungsgespräch einbestellte. Aus Sicht des Verbandes habe demnach einzig und allein Bachem Anspruch auf die vollen 0,75 Prozent, die sich aus eben jenen drei Jahren ergeben, in denen Kevin Trapp stolz den Bachemer Spielerpass mit sich durch die Welt wuchtete. Alles weitere müssten die Klubs untereinander klären. Womit wir zum zweiten Teil des Märchens kommen. Dem Teil, in dem sich die holde Prinzessin als störrische Alte entpuppt. Dem Teil, in dem sich das vermeintlich schon greifbare Happy End als Sackgasse erweist. Denn Paris St. Germain stellt auf stur und vermeldet seit Anbeginn der Geschichte — gar nichts. Kein Ton. De rien. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!