Warum Rummenigges Superliga-Vision eine Ohrfeige für den Fußball ist

Lassen sie mich Arzt, er ist durch

Der Bayern-Boss schwärmt von einer neuen Liga für die 20 reichsten Klubs Europas. Und tritt dabei die Grundidee des Sports mit Füßen.

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Vielleicht hat das manch einer in den vergangenen Jahren vergessen, aber Fußball ist noch immer ein Sport. Profifußball funktioniert nur deshalb, weil sich Kinder in einem Verein anmelden, Spaß an diesem Spiel haben, eine Leidenschaft entwickeln, geübte Augen ihr Talent entdecken und aus dieser reichen Auswahl die Besten der Besten schließlich ihr Geld mit diesem Sport verdienen. An diesem Grundprinzip wird sich nie etwas ändern und darauf fußt auch die Begeisterung für den Fußball, die dafür verantwortlich ist, dass es überhaupt bezahlte Fußballer gibt.

Fans werden immer da sein – selbst wenn ab morgen kein Cent mehr fließt

Begeisterung gleich Interesse gleich Bereitschaft, Geld auszugeben gleich finanzielle Möglichkeiten der Vereine. Nur weil die Begeisterung in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen ist, verdienen Spitzenfußballer heute Millionen. Es sind weder die Sponsoren, noch die Funktionäre in den Klubs, weder die Vereine, noch die tollen Stadien – wenn man diesen Sport auf seine Grundfeste herunterbricht, stehen da talentierte und trainierte Menschen mit einer Fähigkeit, für die andere Menschen Zeit und Geld und Leidenschaft opfern, um sich gut unterhalten zu lassen. Fans wird es auch dann noch geben, wenn ab morgen nicht ein Cent mehr für Fußball ausgegeben wird.

Vielleicht hat Karl-Heinz Rummenigge das ja einfach nur vergessen. Vielleicht hat er zwischen all den Vorstandssitzungen mit wichtigen Männern, den offiziellen Terminen, den vielen Fußballspielen, die er in VIP-Logen anschauen darf (muss?), seinem Job bei einem der reichsten Sportvereine, den Blick fürs Wesentliche verloren. Wie ein VW-Vorstandsmitglied, das vergessen hat, wie man anständig die Reifen wechselt. Und vielleicht darf man das Karl-Heinz Rummenigge auch gar nicht vorwerfen. In der Fantasiewelt, in der er sich bewegt, sind Fußballer weniger Sportler denn hochbezahlte Angestellte, sind Zuschauer weniger Fans denn Kunden. Sind Fußballspiele längst keine Spiele mehr. Sondern ein Produkt.

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