Der gesponserte Superstar - eine Trendwende im brasilianischen Fußball? Neymar hält das für möglich: »Das könnte ein Schritt nach vorne sein. Was Santos mit mir macht, machen nun auch andere Klubs mit ihren Spielern und lassen sie nicht gleich beim ersten Angebot ziehen. Außerdem kehren einige Spieler in die brasilianische Liga zurück, die vor zehn Jahren noch in Europa geblieben wären.«
Und so präsentiert sich das brasilianische Championat »Brasileirao« in seiner aktuellen Auflage als attraktive Mischung aus renommierten Altinternationalen wie Ronaldinho, Zé Roberto oder Clarence Seedorf und hoffnungsvollen Talenten, allen voran Neymar und Ganso. Brasiliens wirtschaftlicher Aufschwung hat nun auch den Fußball erfasst. Während mittlerweile die Hälfte der rund 200 Millionen Brasilianer zur konsumfreudigen Mittelschicht der sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt gehört, haben die Unternehmen ihr Budget für Werbung und Sponsoring kräftig aufgestockt.
Erst kürzlich konnten sich die 20 Erstliga-Klubs über eine Verdopplung der Einnahmen für die Übertragungsrechte freuen, die sich der Fernsehsender »O Globo« bis 2015 für knapp 380 Millionen Euro gesichert hat – rund 70 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.
Die brasilianische Liga ist hinter England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich schon auf Platz 6
Steigende TV-Gelder und privatwirtschaftliches Sponsoring machen es möglich, dass die kickenden Stars nun auch in Brasilien stattliche Gehälter kassieren können. Alleine Neymars Klub Santos konnte seine Einkünfte binnen zwei Jahre von 23 auf 60 Millionen Euro erhöhen. Bereits jetzt rangiert der »Brasileirao« auf Platz sechs der finanzstärksten Ligen der Welt – hinter England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich.
Erst im Sommer winkte der FC Sao Pablo bei einem lukrativen Angebot von Manchester United für Lucas Moura dankend ab. Statt den Jungstar ziehen zu lassen, hat man ihm kräftig das Gehalt erhöht.
Lucas Moura gehörte ebenso wie Neymar zu einer Gruppe von sieben Akteuren aus der brasilianischen Liga, die zuletzt bei den Olympischen Spielen in London Teil des 18-köpfigen Kaders von Nationaltrainer Mano Menezes waren. Im Vergleich dazu hatte dessen Vorgänger Carlos Dunga nur zwei Spieler aus der heimischen Liga in sein Aufgebot für die WM 2010 in Südafrika berufen.
Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass Neymar trotz seines bis Sommer 2014 datierten Vertrags den FC Santos vorzeitig verlässt. Doch Europas Top-Klubs erwarten künftig Transfergespräche auf Augenhöhe. Zwei Jahre vor Beginn der Titelkämpfe lässt die brasilianische Liga kräftig die Muskeln spielen.