Warum man heute für Dortmund sein sollte

Und ganz London tanzt die Humba

Was ist eigentlich, wenn man nicht Fan von Borussia Dortmund oder dem FC Bayern ist? Zu wem soll man halten? Alex Raack hat lange überlegt – und sich dann für Borussia Dortmund entschieden.

Was ich an Borussia Dortmund nicht mag:

Erstens: das penetrante Erinnern ans Underdog-Image. Lieber BVB: die SpVgg Erkenschwick II ist vielleicht ein Underdog, ihr seid in den vergangenen drei Jahren zweimal Deutscher Meister geworden, habt nach einer finanziellen Beinahe-Katastrophe wieder einen Haufen Asche auf der Bank und ein riesengroßes Stadion, das immer voll ist. Wahrscheinlich auch dann, wenn die SpVgg Erkenschwick II zu Besuch kommen würde.

Zweitens: den komischen Gegensatz zwischen Malocher-Verein und Fußballern, die wie Popstars aussehen. Oder Popstars, die wie Fußballer spielen. Borussia Dortmund ist für mich immer noch Kohlenpott, Schweiß, Blaumann und Oberlippenbart. Und nicht die Freundin von Mats Hummels und das justinbieberhafte von Mario Götze. Kann man den Oliba nicht in die Verträge einbauen?

Drittens: Dass sie manchmal die Weisheit mit großen schwarz-gelben Löffeln gefressen haben. Zum Beispiel beim Thema Fankultur. Lieber BVB, euer Monsterstadion habe ich schon erwähnt, die Massen, die dort reinströmen auch. Warum schafft ihr es dann nicht, die paar kaputten Braunen aus eurem Wohnzimmer zu treiben? Oder in Sachen Transfers: Über Mario Götze jammern, aber gleichzeitig Sokratis aus seinem Fast-Engagement bei Bayer Leverkusen rauskaufen. Das ist scheinheilig und gefällt mir ganz und gar nicht.

Was ich an Borussia Dortmund mag: Viel mehr als das, was ich nicht mag.

Der BVB war mir schon früher sympathisch, vielleicht, weil ich nicht aus Gelsenkirchen komme und einer meiner besten Kumpels Dortmund-Fan war. So viel zur historischen Ursache für meine grundsätzliche Zuneigung. Was aber seit ein paar Jahren in Dortmund passiert, erinnert mich an die schönen Werder-Zeiten ab 2003, als ein fantastischer Trainer, der erstens zum Verein passte wie Arsch auf Eimer, zweitens was von seinem Handwerk verstand und drittens auch im Rest des Landes gemocht wurde, ein junge Mannschaft mit aufregenden Fußball zu Glanz und Gloria führte. Vielleicht ist Jürgen Klopp ja nur ein guter Schauspieler und privat ein unsympathischer Idiot, aber erstens glaube ich das nicht und zweitens kennen wir ja nur den öffentlichen Klopp. Und der hat einen ganz großen Anteil daran, dass ich heute dem BVB die Daumen drücken. Ich will Klops Haifischgrinsen sehen, wenn er den Silberling in den Londoner Nachthimmel streckt, ich will sehen, wie er vor lauter Euphorie seinen Kiefer ausklingt, ihm die neuen Haare ausfallen und er ganz London zu einer Humba animiert. Ach, ich mag den Kerl einfach.

Warum man heute für den FC Bayern sein sollte>>>

Und die Mannschaft? Der Fußball, den sie spielt? Kann man das denn nicht mögen? Kann man diese überfallartigen Offensivattacken, den kollektiven 90-minütigen Dauersprint, diese fantastischen Einzelspieler wirklich verabscheuen? Kann man nicht, finde ich. Ja, der FC Bayern hat es nach zwei verlorenen Endspiel eigentlich verdient, mal wieder Europa zu gewinnen. Aber, hey, die hatten ihre Chance. Sogar zwei Mal! Jetzt ist der BVB dran. Die Bayern mögen sich Götze gekauft haben und bestimmt auch bald Robert Lewandowski und vielleicht nächste Saison auch noch Mats Hummels, Neven Subotic und Marco Reus, aber den Champions-League-Titel 2013 werden sie dann für kein Geld der Welt aus dem Dortmunder Vitrinenschrank erwerben können. Sie könnten vielleicht Borussia Dortmund aufkaufen, oder den Pokal einfach klauen. Aber wir alle wüssten dann immer noch, wer am 25. Mai 2013 den Cup gewonnen hätte.

Dann gäbe es wieder eine Sache mehr, wofür ich Borussia Dortmund mögen würde.

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