Warum Fans keine Partie verpassen

Die Angst vorm Wunder

Dirk Gieselmann weiß, warum es Fans immer wieder ins Stadion zurück zieht. Über die Furcht das Spiel des Lebens zu verpassen.

Wenn man keine Lust auf eine Party hat, geht man nicht hin. So einfach ist das. Nicht jedoch für Fußballfans. Sie ahnen zwar, dass sie wieder mal zwischen nach Abstiegsangst miefenden Parkas eine Niederlage bezeugen werden. Doch zugleich sind sie getrieben von der Angst, dass sie die größte Sause aller Zeiten verpassen, wenn sie dieses eine Mal zu Hause bleiben.

Ein Freund von mir schenkte sich einst die Europapokalpartie zwischen Werder Bremen und dem BFC Dynamo. Hinspiel 0:3, die Lage schien aussichtslos, er ging ins Kino. Das Ergebnis las er im Videotext: 5:0 für seine Bremer, ein Wunder von der Weser. Seither verbringt er seine Tage damit, sich selbst mit einem doppelt geknoteten Werder-Schal zu kasteien.

Ein Einzelschicksal, und doch bezeichnend: Die Hoffnung auf Heilserfahrungen bringt Fans dazu, immer wieder ins Stadion zu gehen. Sie wollen dabei sein, wenn »es« passiert. Das ist für die Vereine paradiesisch: Die Gäste kommen auf jeden Fall zur Party, bereit für den Engtanz ihres Lebens.

Die Bosse des spanischen Klubs Rayo Vallecano nutzten diese Willfährigkeit gnadenlos aus – und hoben vor dem Spiel gegen Real Madrid die Eintrittspreise auf Rekordniveau. Selbst Dauerkartenbesitzer sollten 25 Euro zuzahlen. Das müsse man boykottieren, meinten viele Rayo-Fans – doch was, wenn ausgerechnet jetzt die Sensation passieren würde? 5:0 gegen Real! Und sie wären nicht dabei! Ein Dilemma.

Da griffen ein paar von ihnen zum letzten Mittel: Sie schnitten das Hauptstromkabel des Stadions durch. Kein Licht, keine Party. Das Spiel musste abgesagt werden. Und damit auch das unwahrscheinliche Wunder. Die Kinos von Vallecas sollen an diesem Tag recht voll gewesen sein.

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