Warum ein türkischer Fan zur Strafe das eigene Stadion putzen musste

Was für ein Waschlappen

In der Türkei steht ein Fan im Stadion auf, muss deshalb 10.000 Sitze schrubben und findet das auch noch völlig in Ordnung. Eine Geschichte der Marke: Sind jetzt wirklich alle irre?

Screenshot/ YouTube/ Trabzonspor

Rhetorische Frage: Steigt ihr bei euch zu Hause mit Straßenschuhen auf die Polstercouch? Bei Fußballfans gar keine so rhetorische Frage, ist in diesem Kultur-Segment ja durchaus schon schlimmeres passiert, die für diesen holprigen Einstieg benötigte Antwort lautet allerdings: Nein.

So oder so ähnlich sieht das auch der türkische Erstligist Trabzonspor. Vor ein paar Monaten wurde das nigelnagelneue Stadion eingeweiht, die Fans bekamen ein neues zu Hause geschenkt. Und prompt wurde einer von ihnen erwischt, der dieses neue Zuhause mit Füßen trat. Der sich erdreistete, zum Anfeuern oder Feiern oder Meckern - so eindeutig lässt sich das nicht rekonstruieren - die Sitzschalen mit seinen - womöglich sogar leicht angedreckten - Schuhen (Typ: Sneaker) zu betreten. Wo doch jeder weiß, dass für diese Art »Stuhl« nichts anderes als verdreckte und durchgeschwitze Jeans bestimmt sind. Ein Affront.

Mit blauem Auge davon gekommen

Ein Affront, der Trabzonspor keine Wahl ließ. Der Verein musste reagieren. Also wurde der Täter ausfindig gemacht, in sein neues Zuhause zitiert und mit Eimer und Lappen ausgestattet. Die Strafe: 10.000 Sitzschalen schrubben. Bei den derzeitigen Zuständen in der Türkei könnte man sagen: Der Mann ist mit einem blauen Auge davon gekommen.

Und auch der Nestbeschmutzer selber fühlt sich vollkommen zurecht bestraft, anders lässt sich seine Aussage nach dem Putzen nicht erklären: »Mein Klub hat mich gesehen, wie ich auf einen Sitz gestiegen bin und dazu bestraft, 10.000 davon zu putzen. Das ist unser Eigentum, wir müssen es beschützen. Trabzonspor gehört uns allen.«

Satire darf alles

Was sich anhört wie ein (schlechter) Scherz - vielleicht der neuste Böhmermannsche Versuch in der diplomatischen Krise noch ein bisschen zu zündeln? - ist leider tatsächlich von allen Beteiligten ernst gemeint. Letzte Zweifel beseitigte der Verein per Beweisvideo und unmissverständlichem Post: »Wir haben keinen Scherz gemacht. Wer so etwas macht, wird umgehend bestraft.« Und damit basta. 

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