Warum ein Team zum Lügendetektor muss

Eine wahre Geschichte

Weil eine tschechische Mannschaft neun Mal in Folge verloren hat, vermutet die Klubführung Manipulation. Die Spieler sollen nun zum Lügendetektortest. Verrückt? Ja. Aber nicht das erste Mal.

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Beim FK Banik Most roch es eigentlich noch nie nach großem Fußball.  Zwar spielte Josef Masopust mal für einen Vorgängerklub, doch da war er noch ein kleiner Knirps. Später kickten noch Jiri Novotny oder Jiri Stajner in Most. Sonst: drei Jahre Erstligafußball, keine Titel, wenig Fans, viel Abstiegskampf.
 
Momentan ist die Lage sehr schlecht. Sieben Spieltage vor Saisonende steht das Team auf dem vorletzten Tabellenplatz der zweiten Liga. Seit Anfang Januar hat Most kein Spiel mehr gewonnen. Die letzten neun Partien gingen allesamt verloren.
 
Für die Klubführung um Antonin Stehlik ist die Sache seit einigen Tagen klar. Sie vermutet Absprachen und Manipulationen. Und weil die Spieler diese Vorwürfe natürlich bestreiten, fordert sie nun etwas, das noch jeden Übertäter überführt hat: einen Lügendetektortest. Schließlich hatte schon Leonarde Keeler, der Erfinder des Lügendetektors, in den dreißiger Jahren getönt: »Dank dieses Apparats wird sich alles ändern. 75 Prozent aller Schuldigen legen sofort ein Geständnis ab.«

Der Deutsch-Albaner Gramoz Kurtaj, seit 2014 bei Banik Most, dachte zunächst an einen Scherz. Gegenüber 11freunde.de sagte er: »Ich habe die ganze Sache zunächst nicht geglaubt, aber als dann verschiedene Medien darüber berichtet haben, begriff ich, dass die Maßnahme ernst gemeint ist. Ich finde das Ganze ein wenig lustig.« Der Mittelfeldspieler, der zuvor bei Carl-Zeiss Jena aktiv war, beteuert außerdem, dass er von eventuellen Absprachen nichts mitbekommen habe. Und wenn der Verein möchte, dass er an dem Test teilnehme, werde er das tun. »Ich habe kein Problem damit.«

»Diese Niederlage ist wirklich seltsam«
 
Tatsächlich klingt die Angelegenheit wie eine Meldung aus dem Kuriositätenkabinett. Allerdings wurde die Lügendetektor-Methode schon einige Male im Fußball angewandt. Bereits 2006 ließ zum Beispiel der damalige rumänische Erstligist National Bukarest sämtliche Spieler zum Lügentest antreten. Klub-Besitzer Constantin Iacov vermutete nach Pleiten gegen den FC Vaslui und bei Jiul Petrosani Unehrlichkeit und Manipulation. »Es ist normal, seine Angestellten ab und an zu überprüfen«, befand Iacov. »Ich werde mich übrigens ebenfalls testen lassen.«
 
Im September 2012 machte es ihm Veselin Mareshki nach. Der Präsident des bulgarischen Klubs Lokomotive Plovdiv wollte einfach nicht wahrhaben, dass sein Team kurz zuvor 0:1 gegen den Tabellenletzten Botev Vraca verloren hatte. »Vor Rückschlägen ist niemand sicher, aber diese Niederlage ist wirklich seltsam«, sagte Mareshki.
 
Die Tests waren keine Hilfe in der Aufklärung einer angeblichen Manipulation. Sie brachten jedenfalls keine nennenswerten Ergebnisse. Im Gegensatz zu einem Test in Deutschland aus dem Jahr 1994. Damals wurde der Fußball im Fernsehen bunter, größer und superlativer. Und Studiogäste mussten manchmal nur entfernt was mit Fußball zu haben, so wie SPD-Politiker Rudolf Scharping, der einmal zu Gast bei »ranissimo« war. Warum? Weil gerade Wahlkampf ist und Scharping, laut »Bild«-Zeitung, »Lautern-Fan ist, früher in der B-Jugend des SV 1911 Niederlahnstein spielte und heute ehrenamtlicher Boss der SG Eintracht Lahnstein ist«.
 
Reinhold Beckmann und das »ranissimo«-Team hatten sich was total Lustiges überlegt: Sie verdrahteten den Politiker mit einem Lügendetektor und befragten ihn. Es war ein Auftritt mit Folgen.

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