Warum die Europa League plötzlich Spaß macht

Heute ist Europacup. Wir haben Bock!

Der einstige Uefa-Cup hat dramatisch an Wert verloren. Aber bei den heutigen Paarungen ist es plötzlich wieder da, das alte Kribbeln.

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Spürst Du dieses Gefühl? Dieses Kribbeln in den Händen, im Nacken, in der Nase. Wie lange haben wir das nicht mehr an einem Donnerstag gespürt? Emotional ausgesaugt von der Champions League, verbrachten wir den Donnerstag in der Vergangenheit eher damit, uns mit einem Katermenü aus alten Schnurrbart-Bildergalerien, Videos von Traumgrätschen der Neunziger und schlichtem Ausharren in das Wochenende zu retten, um uns freitags endlich in die warmen Arme der Bundesliga flüchten zu können.

Doch heute ist es irgendwie anders. Erschüttert von Champions-League-K.O.-Spielen zwischen Madrid und Eindhoven oder Manchester und Kiew hat die Königsklasse bei uns an Kredit verloren. Auch weil die Europa League heute alles bietet, was wir am Fußball lieben.

Da wäre die potentielle Sensation der Augsburger an der Anfield Road. Ja, die gute alte Geschichte vom schwäbischen David, der den Merseyside-Goliath ohne Steinschleuder, aber mit purem Willen niederringen will. Herrlich. Dann reist Borussia Dortmund mit einem komfortablen Polster nach Porto, um das Estadio Dragao, an guten Tagen einer der stimmungsvollsten Orte im europäischen Fußball, zu erobern und sich als Favorit auf den Silberpott zu platzieren.

Paarungen, die nach großer, weiter Fußballwelt duften

Auf Schalke erwartet uns nach einem durchwachsenen Hinspiel eine Zerreißprobe. Mitten im Wirrwarr um den neuen Manager Heidel, den kaltgestellten Sportchef Heldt und einer Mannschaft im Taumel ist hier heute alles möglich: eine Gala, die alle Zweifel  zur Seite schiebt. Zumindest für eine Woche. Oder ein schwarzer Abend, der Schalke beim Einbiegen auf die Saisonzielgerade vollends aus der Bahn werfen könnte. Für ganz Hartgesottene spielt dann ja auch noch Leverkusen, wo es zumindest spannend sein wird, zu beobachten, wie sich Roger Schmidt und Rudi Völler nach ihren Rumpelstilzchenstrafen in der Liga positionieren werden. Jedes Spiel hat seine eigene Geschichte. Und es sind Paarungen, die nach großer, weiter Fußballwelt duften. Ist das nicht fantastisch?

Und plötzlich ist es wieder da, dieses nerövse Kribbeln, dass man noch aus Kindertagen kannte, als es hieß: »Holt die Flips aus dem Schrank, heute ist Uefa-Cup!« Als der Europapokal noch eine Art fußballerisches Hochamt war, kein Wettbewerb für jene Teams, bei denen es nicht für die Champions League reicht. Wer hätte das gedacht, nachdem dieser Wettbewerb so systematisch der Sinnlosigkeit in die Arme geworfen wurde? Wir nicht. Aber jetzt wurden wir eines besseren belehrt.

Also schaltet endlich das Flutlicht an. Holt die Flips aus dem Schrank. Heute ist Europapokal. Wir haben Bock!

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