05.12.2012

Warum der Sicherheits-Euro kommen muss

Weiter so, Bouffier!

CDU-Mann Volker Bouffier machte sich jüngst für den Aufschlag eines Sicherheits-Euro auf die Eintrittsgelder in Fußballstadien stark. Auch wenn der Zeitpunkt der Veröffentlichung wenig clever war, kann das eigentlich nur der Anfang gewesen sein.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Seit jeher ist der Fußball ein beliebtes Testfeld für kreative Ideen. Besonders wenn es um das liebe Geld geht, zeigen sich Spieler, Funktionäre und Marketing-Abteilungen offen für neue Wege. Äußerst beliebtes Opfer dieser Ideen sind dabei die Fans oder wie man heutzutage auch gerne sagt: der Kunde.

Bongartz-Mark und Chipkartensysteme

Ein Beispiel ist etwa die Bongartz-Mark, die der FC Schalke 1974 auf seine Eintrittsgelder im Parkstadion aufschlug, um einen Transfer des damaligen Superstürmers vom Nachbarn Wattenscheid 09 zu realisieren. Bongartz ist mittlerweile seit 34 Jahren nicht mehr im Verein, doch so manch einer rund um das Berger Feld fragt sich bis heute, ob die Bongartz-Mark überhaupt jemals wieder abgeschafft wurde.

Oder nehmen wir die Chipkartenbezahlsysteme, die mit ihren sogenannten Schlummergroschen im Jahr heimlich knapp 10 Millionen Euro in die Klubkassen spülen. Ja, der liebe Fan wird auch nach dem Bezahlen von Eintrittskarte, Anfahrt, Bratwurst, Pils, Schal, Trikot und Stadionmagazin gerne weitergemolken. Wenn er denn schon da ist, dann soll es sich eben auch lohnen.

Doch in letzter Zeit ist das Melkvieh, pardon, der Fan ein wenig in Verruf geraten. Las man zuletzt nach einem herkömmlichen Bundesliga-Wochenende seelenruhig die Nachrichtenspalte, konnte einem schon das Wurstbrot im Halse stecken bleiben. Mitunter kam der Eindruck auf, als würden ausschließlich brandschatzende Horden ins Fußballstadion einfallen, um dort vor Ort ihr inhaltsloses Leben mit dem Abbrennen von Pyrotechnik, expliziten Bannern und Fangesängen, sowie zähem Widerstand gegen die Verbände und die Staatsgewalt ein wenig Sinn zu verleihen.

Bei diesen rüden Gewaltexzessen fallen natürlich Kosten an, die bislang in weiten Teilen der arg gebeutelte Staat tragen musste. Fraglos ein ungeheuerlicher Zustand, wirft sich doch jedem halbwegs normalen Menschen die Frage auf, warum der gemeine Steuerzahler für das durchweg brutale Wochenendvergnügen einiger Jugendlicher aufkommen soll.

Bouffier ist ein Fachmann!

Und so kam jüngst dem hessischen Landesvorsitzenden der CDU, Volker Bouffier, eine blendende Idee: »Ich empfehle die Einführung eines ‹Sicherheits-Euro› durch die Vereine«, sagte Bouffier der »Bild« und erklärte weiter: »Das heißt: Jeder Fan bezahlt freiwillig einen Euro mehr als die Karte normalerweise kostet. Dieser Euro geht dann in die Gewalt-Prävention oder wird benutzt als Unterstützung von Maßnahmen der Polizei.« Bevor jetzt alle los motzen, dass Bouffiers Vorschlag blanker Populismus sei, sollte erwähnt werden, dass der 62-Jährige durchaus als Fachmann auf dem Gebiet der Stadionsicherheit bezeichnet werden kann. Immerhin ist er Träger der Silberne Ehrennadel der Offenbacher Kickers, also jenem Klub, bei dem noch Mitte der Neunziger das Abbrennen von Bengalos aktiv unterstützt wurde. 

Außerdem war er bis 2010 noch hessischer Sportminister, also genau bis zu jenem Jahr, in dem die Eintracht sich selbst noch als »Randalemeister« feierte. Ja, Volker Bouffier hat wahrscheinlich mehr Ahnung vom Themenfeld Pyrotechnik, Gewalt und was man noch so alles in einen Topf werfen kann, als ein Großteil jener dumpfen Jugendbewegung, die sich Ultras nennt. Punkt bzw. Ausrufezeichen.

 
 
 
 
 
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